Sport : DFB-Gipfeltreffen: Am Sonntag wird an geheimem Ort der neue Bundestrainer gekürt

Christoph Daum erwartet im Poker um seine eigene Zukunft endlich Klarheit, und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat für den Sonntag definitiv ein Gipfeltreffen für die Bundestrainer-Verpflichtung angesetzt. Nach tagelangen Diskussionen um die Nachfolge des zurückgetretenen Teamchefs Erich Ribbeck, Doppel- und Interimslösungen sowie endlosen Spekulationen will der Trainer von Bayer Leverkusen vom Geheimtreffen am Sonntag, für das der DFB weder Ort noch Zeitpunkt bekannt geben will, vor allem Klarheit. Während sich der Kandidat Nummer eins selbst weiter öffentlich zurückhielt, sagte DFB-Mediendirektor Wolfgang Niersbach am Freitag vor dem Kongress der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in Luxemburg: "Langsam wird die Sache rund. Die Dinge haben sich weiter entwickelt."

Vor dem Uefa-Kongress hatte das DFB-Präsidium getagt. DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder, von DFB-Chef Egidius Braun mit der Trainer-Suche beauftragt, erstattete Bericht. Der Stuttgarter hatte bei den Halbfinalspielen der Europameisterschaft am Mittwoch und Donnerstag in Brüssel und Amsterdam mit Daum Kontakt aufgenommen. "Es ist weitergegangen", sagte Niersbach. Gut möglich, dass am Sonntag - wie bei der Papst-Wahl - weißer Rauch über der DFB-Zentrale in Frankfurt aufsteigt. Niersbach: "Wir werden uns bemühen, ein handfestes Ergebnis bei einer kurzfristig einzuberufenden Pressekonferenz am Sonntag zu präsentieren. Aber wir haben keinen Zeitdruck. Es ist ja nicht so, dass wir in den nächsten vier Wochen ein Länderspiel austragen."

"Alles ist machbar. Aber das hat der DFB zu entscheiden", sagte Daum der "Bild"-Zeitung. "Ich habe in Leverkusen einen Vertrag bis 2001 und werde mich vertragsgemäß verhalten." Zuvor hatte Daum von Bayer-Manager Reiner Calmund das Signal erhalten, sich für das Gespräch am Sonntag bereit zu halten. Niersbach wollte nicht bestätigen, dass Daum an dem Treffen teilnimmt. Den gordischen Knoten kann der DFB nur gemeinsam mit Bayer Leverkusen durchschlagen. Denn für eine sofortige Daum-Freistellung aus dem bis Sommer 2001 laufenden Vertrag müsste der deutsche Vize-Meister in den nächsten Wochen einen neuen Trainer finden und verpflichten.

Indes wächst in der Bundesliga die Skepsis gegen eine mögliche Doppellösung in der Bundestrainer-Frage, in die nur Meister FC Bayern und Vizemeister Bayer Leverkusen einbezogen wären. "Die Bundesliga besteht doch nur noch aus Bayern und Bayer. Alle anderen Klubs sind Fallobst. Wir müssen froh sein, überhaupt mitspielen zu dürfen", wetterte Schalke-Manager Rudi Assauer. Auch für Dieter Hoeneß, Manager von Hertha BSC, ist es wichtig, "dass die Bundesliga insgesamt bei dieser wichtigen Frage mitspricht. Der ganze deutsche Fußball muss hinter der Entscheidung stehen."

Niersbach sagte in Luxemburg, zunächst wolle man nur mit den beiden "am meisten beteiligten Clubs" sprechen. Die Einbeziehung weiterer Vereine könne noch zu einem späteren Zeitpunkt geschehen. "Man hat zuletzt vielleicht den Symptomen zu wenig Beachtung geschenkt", sagt Mayer-Vorfelder, "die Nationalmannschaft darf von der Bundesliga nicht als fünftes Rad am Wagen betrachtet werden."

Beim EM-Halbfinale Italien gegen Holland saß der Leverkusener Trainer auf der Tribüne neben Uli Stielike. Der war vor der EM von Erich Ribbeck als Assistent aussortiert worden und ist nun plötzlich als Übergangslösung ins Geschäft gekommen. Selbst DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer schloss diese Lösung nicht mehr aus.

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