DFB-Jubiläumsbuch : Ein Rückfall

In "Leidenschaft am Ball“ feiert der Deutsche Fußball-Bund die Historie der deutschen Länderspiele gebührend. Dunkle Flecken werden ausgeblendet. Und damit wurde eine große Chance vertan - wieder einmal.

Erik Eggers

Theo Zwanziger hat vor zwei Jahren ein hehres Versprechen abgegeben. Die vom DFB finanzierte, wissenschaftliche Studie „Fußball unterm Hakenkreuz“ von Nils Havemann solle nicht das Ende, sondern der Anfang einer Debatte sein, versprach der DFB-Präsident damals. Angesichts des Erscheinens von „Leidenschaft am Ball“ wirkt das nun wie ein geschichtspolitisches Feigenblatt. Das Jubiläumsbuch feiert die Historie der deutschen Länderspiele gebührend. Dunkle Flecken werden ausgeblendet – wie der Grund für das Fehlen vieler WM-Helden beim Länderspiel in Wembley 1954. Sie alle waren an Gelbsucht erkrankt, weil sie sich bei der Verabreichung von geheimnisvollen Spritzen angesteckt hatten, die Sepp Herberger während der WM angeordnet hatte. Unfassbar auch, dass Autor Rudi Michel seinen alten Weggefährten Herberger erneut als völlig unpolitischen Fußballer und Verlierer des Dritten Reiches inszenieren darf – Michel ignoriert hier glatt die Meinung Havemanns, Herberger sei ein für das NS-Regime typischer Opportunist gewesen. Freilich ist nicht alles klinisch rein in diesem Buch, speziell die Abschnitte über Klinsmann, Löw oder Ballack sind kritisch und informativ. Dennoch hat der DFB wieder einmal eine große Chance vertan.


Deutscher Fußball- Bund (Hrsg.):
Leidenschaft am Ball. 100 Jahre deutsche Länderspiele 1908-2008.
400 Seiten, Gütersloh 2007, 69,90 Euro.

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