Sport : DFB-Krise: Wunschlos glücklich

Die Besetzung der Position des Cheftrainers der Fußball-Nationalmannschaft sorgt weiterhin für Aufregung. Einem angeblichen Geheimplan des DFB zufolge, über den der Sport-Informationsdienst am Mittwoch berichtete, soll Rudi Völler bis zum Ende der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea als Teamchef fungieren. Danach könnte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld die DFB-Auswahl auf die WM 2006 im eigenen Land vorbereiten. Im Zuge der anhaltenden Spekulationen wurde Ex-Bundestrainer Berti Vogts als möglicher Chefcouch bei Bayer Leverkusen ins Gespräch gebracht.

Voraussetzung für das Zustandekommen eines Kompromisses sind Zugeständnisse beider Spitzenklubs. Leverkusen müsste Völler, derzeit in Personalunion DFB-Teamchef und Coach der Werkself, ein Jahr länger als geplant an den DFB ausleihen. Im Gegenzug müssten die Bayern Hitzfeld, der noch bis 2003 vertraglich an den Rekordmeister gebunden ist, eine Saison früher freigeben. Bayern-Vize Karl-Heinz Rummenigge kommentierte den Vorschlag zurückhaltend: "Wir reden gar nicht über das Thema. Der FC Bayern und Ottmar Hitzfeld - das ist wie eine wunschlos glückliche Ehe." Auch der geschäftsführende DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder äußerte sich vorsichtig: "Die aktuellen Vorfälle zeigen, dass es müßig ist, Planungen über einen längeren Zeitraum anzustellen." Dagegen reagierte Bayern-Manager Uli Hoeneß, der erstmals wieder in der Daum-Affäre das Wort ergriff, optimistisch: "Ich habe das Gefühl, dass wir das Problem gelöst haben. Wir sind kurz davor, eine vernünftige Lösung zu präsentieren."

Leverkusen ist nicht gewillt, länger als bis Mai 2001 auf die Dienste von Völler zu verzichten, der als Sportdirektor einen Vertrag bis 2003 beim Werks-Klub besitzt. Auf die Frage, ob er sich eine Lösung ohne Völler vorstellen könne, antwortete Manager Reiner Calmund: "Definitiv nein." Dem Gesellschafterausschuss der Bayer Fußball GmbH waren vergangene Woche drei Trainermodelle präsentiert worden - Völler spielte jeweils eine gewichtige Rolle. "In einem Team spielt auch Berti Vogts eine Rolle", ergänzte der Kaufmännische Leiter, Wolfgang Holzhäuser. Am stärksten favorisiert der Werksklub jedoch ein Gespann mit dem jetzigen DFB-Trainer Michael Skibbe. Völler selbst ist hin- und hergerissen. "Ich fühle mich wohl in Leverkusen. Aber ich mache kein Hehl daraus, dass mir die Aufgabe mit der Nationalmannschaft Spaß macht und ich mir das gut vorstellen kann", sagte Völler.

Unterdessen hat sich Bayern-Manager Uli Hoeneß erstmals wieder zur Daum-Affäre geäußert. "Mir ging es nur darum, dass der Job des Bundestrainers unbeschadet bleibt. Die Leute sollen endlich erkennen, dass ich total unschuldig bin an dieser Geschichte", sagte er. Hoeneß verurteilte neue Gerüchte um Daums Drogenkonsum: "Ich gehöre nicht zu denen, die jetzt noch auf Daum drauftreten." Eine Überprüfung des positiven Dopingtests Daums durch eine so genannte B-Probe ist derweil nicht mehr wahrscheinlich. "Für uns ist die Untersuchung abgeschlossen. Einen zweiten Test wird es nur geben, wenn Christoph Daum das wünscht. Ein solcher Antrag liegt aber nicht vor", erklärte Herbert Käferstein vom Institut für Rechtsmedizin Köln. Zu den Spekulationen um eine B-Probe fiel Käferstein nur ein Wort ein - "unsinnig".

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