Sport : DFB-Ligapokal: Bayerns Kampf gegen die eigene Zufriedenheit

Detlef Dresslein

Null zu Eins. Die Konkurrenz ist besser. Nicht viel zwar, aber eben besser. Ob es nun "nur der Ligapokal" (Sebastian Deisler) war oder doch "mehr als ein Testspiel" (Stefan Beinlich) - der erste ernst zu nehmende Arbeitsnachweis des FC Bayern München im Ligapokal gegen Hertha BSC lässt nach den großen Spielen der vergangenen Saison allerlei Raum für düstere Prognosen: Ist die Mannschaft vom Erfolg gesättigt? Reicht der Kampf um die Stammplätze und den vierten Meistertitel in Folge als Ansporn? Und ist der Anführer Stefan Effenberg in seiner vermutlich letzten Saison für die Bayern noch ausreichend motiviert? Trainer Ottmar Hitzfeld hat schon kürzlich öffentlich verkündet, dass Herthas Sebastian Deisler Effenberg in der kommenden Saison ersetzen soll.

Die Konkurrenz (zum Beispiel Hertha) scheint jedenfalls gewillt, die Schwäche der Bayern in der Zwischensaison nach dem großen Erfolg und vor dem großen Umbruch ausnutzen. Ein ratloser Ottmar Hitzfeld sprach nach der Niederlage von "schlechter Zuordnung im Abwehrbereich", von "Sand im Getriebe" und vom "letzten Pass", der nicht kam. Kapitän Effenberg schob dies auf die mangelnde Bedeutung des Wettbewerbs. "Bis zur Meisterschaft ist es noch ein weiter Weg. Das Spiel heute wirft uns nicht um. Wir hatten unsere Torchancen, haben sie nicht genutzt. Jetzt geht es weiter. Wir wollten gewinnen, aber es sollte nicht sein."

Der unglaubliche Wille, mit dem die Münchner noch vor Wochen zum Champions-League-Gewinn walzten und ganz nebenbei in diesem Sog die Meisterschaft einsackten, scheint nunmehr gleichgültiger Zufriedenheit gewichen zu sein. Als hätte das viele Geld die Bayern ein wenig satt gemacht. In der vorigen Saison kassierte der Rekordmeister in der Champions League die Rekordsumme von umgerechnet 90,1 Millionen Mark. Im Jahr zuvor waren es noch 56,9 Millionen Mark gewesen. Inklusive der Zuschauer-Einnahmen aus den acht Heimspielen betrugen jetzt die Einkünfte aus der Champions League erstmals mehr als 100 Millionen Mark, der gesamte Umsatz des Vereins überstieg die Rekordmarke von 300 Millionen Mark.

Und trotzdem siegten die Bayern in Augsburg nicht. Die Bayern gaben zwar auch diesmal bis zum Ende nicht auf und zeigten in den letzten zwanzig Minuten ein feines Offensivspiel. Aber letztlich blieben ihre Bemühungen ohne wirkliche Torchance, geschweige denn Torerfolg. Es fehlte - trotz guter Ansätze - der brachiale Wille, der am Ende der vorigen Saison die vielen entscheidenden Tore bis hinein in die Nachspielzeit ermöglichte. Es fehlten aber auch wichtige Spieler. Claudio Pizarro zum Beispiel oder Mehmet Scholl, Bixente Lizarazu und Jens Jeremies. Sind sie wieder dabei und gewinnt die mit Pablo Thiam als Chef doch reichlich überforderte Abwehrreihe wieder an Stabilität, so könnte es wieder ganz anders kommen. Spekulationen wird es noch viele geben, aber letztlich gilt auch für die Bayern das, was der Berliner Michael Preetz so schön formulierte: "Abgerechnet wird ab dem ersten Spieltag." Und zum Schluss auch noch mal.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben