Sport : DFB-Ligapokal: Der dritte Mann

Marcio Amoroso ist der teuerste Einkauf der Bundesligageschichte, und doch blieb ihm bei seiner Deutschland-Premiere nur eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt stand am Dienstagabend ein Mann, der in der Bundesliga schon länger bekannt ist. "Alles läuft super", sagte der Nigerianer Victor Agali, der in der Saisonpause von Hansa Rostock zu Schalke 04 gewechselt ist. "Ich bin in einer tollen Mannschaft und spiele mit Superstürmern." Beim 2:1-Sieg seines neuen Vereins im Halbfinale des DFB-Ligapokals gegen Borussia Dortmund hatte der Nigerianer beide Tore erzielt und damit wesentlich mehr Aufsehen erregt als Amoroso, Dortmunds 50-Millionen-Mark-Einkauf.

Nicht nur der Brasilianer stand beim 117. Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 im Schatten des 22-Jährigen. Auch den prominenten Kollegen im eigenen Team lief der Doppel-Torschütze den Rang ab. Emile Mpenza und Ebbe Sand, in der vergangenen Saison mit zusammen 35 Toren bester Sturm der Bundesliga, müssen 18 Tage vor Schalkes erstem Auftritt am zweiten Spieltag beim Deutschen Meister Bayern München ernsthaft um ihre Stammplätze bangen.

"Victor ist weiter als alle anderen", lobte Trainer Huub Stevens die Neuverpflichtung, für die Schalke zehn Millionen Mark an Ligakonkurrent Hansa Rostock überwiesen hat. "Er hat mit Nigeria durchgespielt und hatte keinen Urlaub. Wir müssen nur aufpassen, dass er nicht ausbrennt und im Oktober nicht mehr kann." Im ersten Prestigeduell der Saison gegen den Revierrivalen aus Dortmund war Agali die Spielfreude jedoch deutlich anzusehen. Nicht nur wegen seiner beiden Tore in der Anfangsphase (2. und 12. Minute) war er der auffälligste Akteur. Seinen beiden neuen Kollegen aus dem Schalker Sturm hat Agali bereits den Kampf angesagt - zwar freundlich, aber ebenso unmissverständlich. "Ich kann mich mit Ebbe und Emile messen", sagte der Nigerianer. "Es soll der spielen, der der Mannschaft am meisten helfen kann." Kein Zweifel: Derzeit meint Agali damit sich selbst. Sieben Tore in vier Vorbereitungsspielen sprechen deutlich für ihn.

Der Brasilianer Amoroso muss hingegen noch auf seinen ersten Treffer im BVB-Trikot warten. Bei seinem Debüt vor 15 300 Zuschauern in Lüdenscheid zeigte der 27-Jährige viel versprechende Ansätze, zwang Schalkes Torhüter Oliver Reck mit einem sehenswerten Freistoß aus 20 Meter Entfernung zu einer Glanzparade, doch noch blieb er vieles schuldig. "Er hat ein paar Dinger drauf, die sind außergewöhnlich. Aber er braucht noch seinen Rhythmus und seine Anspielstationen", sagte Dortmunds Manager Michael Meier. Borussentrainer Matthias Sammer äußerte sich noch betont vorsichtig: "Er muss sich noch integrieren. Wir müssen sehen, dass wir ihn stabil bekommen."

Beim ersten Einsatz fehlte dem Brasilianer jedoch noch der Passgeber aus dem Mittelfeld. Sammer gönnte Tomas Rosicky eine Pause und musste feststellen, dass ohne den 20-Jährigen im Dortmunder Mittelfeld wenig zusammenlief. "Wir haben gesehen, wie wertvoll er ist", sagte Manager Meier, und hatte dabei vor allem die letzten 20 Minuten vor Augen. Denn nach seiner Einwechslung riss der Tscheche das Spiel an sich, bereitete den Anschlusstreffer durch Fredi Bobic vor (76.) und brachte die Schalker in der Schlussphase noch einmal gehörig ins Schwitzen. Während der brasilianische Superstar Amoroso nach seinem Debüt schweigend in den Mannschaftsbus kletterte, gewann Bobic der Niederlage sogar positive Seiten ab: "Wir haben 20 Minuten gepennt und sind für unser Schläfchen bestraft worden. Danach waren wir die bessere Mannschaft. Wir holen uns das in der Bundesliga zurück."

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