Sport : DFB-Ligapokal: Mutmacher

Klaus Rocca

Er hörte es gern. Ottmar Hitzfeld sprach von einer "starken Defensivleistung" Herthas, und Jürgen Röber nickte dankbar. Es war für Herthas Trainer nicht die Stunde, um Sorgen zu äußern. Schließlich besiegt man nicht jeden Tag einen Champions-League-Gewinner. Mag das auch in einem Wettbewerb sein, den viele eher belächeln. Auch Röber hat nie ein Hehl aus einer gewissen Geringschätzung dieses Cups gemacht. Dass Hitzfeld danach bei der Pressekonferenz Sorgenfalten auf der Stirn hatte, war eher seinem schauspielerischen Talent zuzuordnen. Immerhin, dieses 1:0 im Ligapokal gegen den von Hitzfeld trainierten FC Bayern war für Röber eine "wichtige Standortbestimmung".

Doch eines weiß Herthas Trainer mit Sicherheit nicht: ob auf seine Defensive Verlass ist. Gegen die Bayern, die im zweiten Durchgang den Libero auflösten und mit allen verfügbaren Kräften stürmten, hielt die Verteidigung. Und das, obwohl Eyjölfur Sverrisson von Anfang an fehlte, Dick van Burik da längst nicht mehr auf dem Platz stand, Andreas Schmidt durch eine Außenbanddehnung ebenso gehandikapt war wie Marko Rehmer (Sehnenscheidenentzündung im Sprunggelenk). Alle stemmten sich mit Macht gegen den drohenden Ausgleich, weil ein möglicher Sieg über den Meister nun mal besondere Kräfte freisetzt.

Ob das Vorhaben deshalb gelang, weil die Abwehr so gut stand oder weil sich die Bayern so dumm anstellten, darüber könnte man trefflich streiten. "Bei uns war leider Sand im Getriebe", konstatierte Hitzfeld, der zu Recht den Sieg der Berliner als "durchaus verdient" bezeichnete. Schon deswegen, weil Hertha die weitaus klareren Torchancen hatte. Allein der wieder einmal höchst unglücklich spielende Alex Alves hätte das Spiel schon vorzeitig entscheiden können.

Es bleibt jedoch die Frage, ob die Devise von Trainer Röber und Manager Dieter Hoeneß aufgeht, allein auf die Verstärkung der Offensive zu setzen, weil so die Abwehr entlastet wird. In Augsburg hatte die Deckung in der Sturm- und Drangperiode des Meisters beträchtliche Not. Röber lobte später den für van Burik eingesetzten Kostas Konstantinidis und auch den Sverrisson-Ersatzmann Josip Simunic. Simunic wisse offenbar gar nicht, dass "er einer der besten Abwehrspieler ist, der in der Bundesliga rumläuft", sagte Röber. In der Tat schlugen sie sich im Spiel Mann gegen Mann, dabei ohne Absicherung durch einen Libero, höchst wacker. Und das gegen einen Kontrahenten, der nicht nur einen Giovane Elber im Sturm aufzubieten hatte. Fragt sich nur, mit welchem Ehrgeiz der Brasilianer und seine Nebenleute sich gegen die sich anbahnende Niederlage stemmten.

Wegen der vielen Verletzungen, mögen sie in dem einen oder anderen Fall auch nicht so gravierend sein, dürfte Röber morgen in Mannheim beim Finale gegen den FC Schalke wahrscheinlich zur Rotation gezwungen sein. Jene Rotation, die er eigentlich nur für den Fall eines körperlichen oder spielerischen Tiefs einkalkuliert hat. Schon in Augsburg wollte er möglichst jene Elf aufbieten, die beim Bundesligastart gegen St. Pauli auflaufen soll. Daraus wurde nichts. Nun läuft er Gefahr, eine gute Woche zuvor noch mehr improvisieren zu müssen.

Da ist es gut zu wissen, dass sich Hertha nicht nur auf die verstärkte Offensive, sondern auch auf ein Mittelfeld verlassen kann, das vielleicht das beste der Liga ist. Stefan Beinlich ist auf dem besten Wege, zu alter Form zurückzukehren. Und wie Sebastian Deisler im Rosenaustadion aufspielte, das muss die Bayern eigentlich noch mehr im Willen bestärken, den Nationalspieler für die nächste Saison zu verpflichten. Stefan Effenberg, den Herthas Jungstar dann möglicherweise beerben wird, wirkte gegen Deisler fast wie ein Auslaufmodell. Wobei freilich auch da die Frage offen blieb, wie ernst Effenberg all das nahm. Von einem Duell der beiden war zuvor berichtet worden, doch Effenberg schien dies ebensowenig zu beschäftigen wie Sebastian Deisler. Für den war das Ganze ohnehin "völlig überflüssigerweise von gewissen Medien hochgespielt worden".

Wie auch immer, das Spiel in Augsburg hat den Herthanern Mut gemacht - schon deshalb, weil sie im Vorjahr noch von den Bayern, damals im Finale, vorgeführt worden waren. Ganz nebenbei haben die Berliner einen Millionenbetrag für die Vereinskasse eingespielt. Bei einem Sieg im Finale wären es 2,5 Millionen Mark. Kein Wunder, dass Hertha den Ligapokal nun doch ein wenig wohlwollender betrachtet. Dabei sind alle realistisch genug, die Erfolge nicht zu hoch anzusiedeln. Auch nicht den Sieg über den Champions-League-Gewinner.

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