Sport : DFB: Pfeifen im Wald

Nach den zwei eklatanten Fehlentscheidungen am vergangenen Spieltag der Fußball-Bundesliga ist die Diskussion über die Schiedsrichter-Leistungen in Deutschland in vollem Gange. Ob die Einführung eines Profi-, Doppel- oder Ober-Schiedsrichters, TV-Beweis oder die Installierung von Torkameras - die Liste von Vorschlägen zur Abstellung der Fehler ist lang. Die Forderungen nach Veränderungen und technischen Hilfsmitteln für die in der Kritik stehenden Schiedsrichter stoßen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) allerdings nur auf wenig Gegenliebe.

Volker Roth lehnt das Profitum für Referees auch nach dem falschen Strafstoß-Pfiff von Edgar Steinborn am Samstag in Kaiserslautern nach dem "Fall" von FCK-Stürmer Marian Christow und dem von Wolfgang Stark übersehenen Handspiel des Rumänen Vasile Miriuta von Energie Cottbus am Sonntag beim VfL Wolfsburg ab. "Die deutschen Schiedsrichter sind eigentlich Profis", meint der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses. Denn Bundesliga-Schiedsrichter kassieren 6000 Mark pro Spiel und können so während einer Saison auf ein Einkommen von bis zu 160 000 Mark kommen. Schiedsrichter Hellmut Krug (Gelsenkirchen) ist der Ansicht, "dass auch gegen höhere Bezahlung keiner besser pfeift".

Den Versuch mit zwei Schiedsrichtern auf dem Feld hat der Weltverband (Fifa) inzwischen wieder abgebrochen. "Kein Landesverband wollte das in seiner nationalen Liga testen", erklärt Roth, der auch Mitglied im Schiedsrichter-Ausschuss der Fifa ist. Die Auswertung strittiger Szenen mittels einer Zeitlupe halten viele Schiedsrichter für nicht praktikabel. Die Einführung einer Kontrollkamera zumindest für Torentscheidungen scheitert an der Haltung der Fifa. Der Weltverband will alle Spiele rund um den Globus unter den gleichen Bedingungen ausgetragen sehen. Da Torkameras auch bei Amateuren nicht finanzierbar wären, hat die Fifa derartige Gedanken wieder verworfen. Auch einen Oberschiedsrichter auf der Tribüne, der per Funk in ständigem Kontakt zum Unparteiischen auf dem Feld steht, lehnt Roth ab: "Das bringt doch alles nichts und ist nicht umsetzbar."

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