DFB-Pokal : Der Fluch des Finals

Nicht immer war das Pokalfinale für die Teilnehmer ein Segen. Für manchen Klub begann mit dem Endspiel um den DFB-Pokal der sportliche Abstieg.

Sven Goldmann

Mancher Klub hat durch den Erfolg im DFB-Pokal einen anderen Wettbewerb vernachlässigt oder wurde auch trotz des Endspielsieges nicht glücklich.

2004: Bremen – Aachen 3:2

Am letzten Spieltag hatte die Alemannia durch ein 0:1 in Karlsruhe den Aufstieg in die Bundesliga verpasst. Das sollte im nächsten Jahr nachgeholt werden, und dass die Mannschaft allemal gut genug war, hatte sie ja mit ihrem Einzug ins Pokalfinale bewiesen, nach Siegen unter anderem über den FC Bayern und Borussia Mönchengladbach. Das Finale in Berlin verlief deutlicher, als es das knappe Ergebnis besagt. Der frisch gekürte Meister aus Bremen lag schnell 2:0 in Führung, das zweite Aachener Tor durch Meijer fiel erst in der Nachspielzeit. Da Bremen in der Champions League spielte, rückte die Alemannia in den Uefa-Cup auf. Gegen die Isländer aus Hafnafjördur gelang der Sprung in die Gruppenphase und die kaum erwartete Qualifikation für die nächste Runde, mit Siegen gegen den OSC Lille und AEK Athen. Auch die nächste Hürde gegen den AZP Alkmaar hätte Aachen beinahe genommen, nach einem 0:0 im Hinspiel und einer 1:0-Führung im Rückspiel rissen die Holländer das Spiel erst in der Schlussphase herum. Bei all dem vernachlässigte die Alemannia allerdings die Pflichtaufgaben im Punktspielbetrieb. Am Ende reichte es in der zweiten Liga nur zu Platz sechs, sieben Punkte hinter einem Aufstiegsplatz.

2002: Schalke 04 – Bayer Leverkusen 4:2

Im Jahr zwei nach der Jahrtausendwende hatte Bayer Leverkusen ein Abonnement auf Platz zwei. Erst verspielte die von Klaus Toppmöller auf totale Offensive getrimmte Mannschaft am letzten Bundesligaspieltag die Meisterschaft. Eine Woche später folgte die Niederlage im Pokalfinale. Am bittersten aber war vier Tage später die Niederlage im Champions-League-Finale. Bayer spielte Real Madrid an die Wand, doch Real gewann nach einem Tor von Zinedine Zidane 2:1. Nach dem Finale von Glasgow verabschiedeten sich erst die Weltstars Michael Ballack und Emerson aus Leverkusen – und dann auch noch der Erfolg. Im Februar 2003 musste Trainer Toppmöller nach einem 1:3 gegen Rostock gehen, sein Nachfolger Thomas Hörster war drei Monate später nach einem 1:4 in Hamburg fällig. Zwei Spieltage vor Schluss stand Bayer mit zwei Punkten Rückstand auf einem Abstiegsplatz. Mit letzter Kraft rettete sich der Klub unter Trainer Klaus Augenthaler vor der Zweiten Liga.

1996: Kaiserslautern – Karlsruhe 1:0

Dem 1. FC Kaiserslautern fiel es schwer, sich für dieses Finale zu motivieren. Eine Woche zuvor waren die Pfälzer aus der Bundesliga abgestiegen, nach einem denkwürdigen 1:1 im Krisengipfel bei Bayer Leverkusen. Auf Lauterer Seite führte Eckhard Krautzun das Kommando, er hatte mal für den FCK in der Bundesliga gespielt und als Trainer vor allem in Afrika gearbeitet. Martin Wagner schoss den Absteiger in Berlin zum Sieg, es war Krautzuns größter Erfolg als Trainer und zugleich sein letzter Auftritt mit Kaiserslautern. Alt-Nationalspieler Andreas Brehme hatte dem Vorstand signalisiert, er könne den Wiederaufstieg bei einem Verbleib des Trainers sofort abschreiben. Krautzun musste gehen, es kam Otto Rehhagel, der im ersten Jahr den Aufstieg schaffte und im nächsten gleich den Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Wahrscheinlich war es genau dieser Erfolg, der den Klub am Ende ins Verderben stürzte. Der Vorstand wollte die Mannschaft auf Dauer als europäischen Spitzenklub etablieren, kaufte für wahnwitzige Summen neue Spieler zusammen und verschuldete sich bis in alle Ewigkeit beim Ausbau des Stadions am Betzenberg. Die Spätfolgen sind bekannt. Kaiserslautern taumelte von einer Krise in die nächste, bis der Klub vor zwei Jahren schließlich in die Zweite Liga abstieg.

1994: Bremen – Essen 3:1

Für viele Fußballtrainer ist es ein Traum, einmal eine Mannschaft in das Finale um den DFB-Pokal zu führen. Jürgen Röber stand vor 15 Jahren kurz davor. Im Halbfinale musste sein Klub Rot-Weiss Essen nur noch Tennis Borussia ausschalten. Doch Röber dachte nicht ans Pokalfinale, sondern nur daran, endlich wegzukommen. Rot-Weiss war zwar ein Traditionsverein, aber als Wirtschaftunternehmen keine gute Adresse. Röber ging also zum VfB Stuttgart, Essen verpflichtete als Nachfolger Wolfgang Frank, dem dann mit einem 2:0 über Tennis Borussia auch der Einzug ins Pokalfinale gelang. Der sportliche Erfolg aber konnte die finanzielle Krise nicht kaschieren. Der DFB verweigerte Essen die Lizenz, ein Gnadengesuch wurde ausgerechnet am Tag des Finales abgelehnt. Essen ist seinem Ruf als Krisenklub bis heute treu geblieben.

1985: Uerdingen – Bayern München 2:1

Viele Pokalfinalisten sind abgestürzt, aber ein Klub hat sich dabei auch unsterblich gemacht. Ausgerechnet einer, den es heute gar nicht mehr gibt. Bayer Uerdingen ist vor ein paar Jahren aufgegangen im KFC Uerdingen, und auch der kämpft gerade um seine Existenz. 1985, der DFB hatte gerade das Pokalfinale auf Dauer an Berlin vergeben, trafen die Uerdinger zur Premiere auf den FC Bayern München. Die Bayern wähnten sich auf dem Weg zu einem leichten Sieg, nachdem Dieter Hoeneß nach sieben Minuten das 1:0 erzielte hatte. Doch im Gegenzug gelang Horst Feilzer der Ausgleich und Wolfgang Schäfer später sogar das Siegtor. Für Uerdingen war der Pokalsieg der Auftakt zur schönsten Zeit der Vereinsgeschichte. Das größte Uerdinger Erfolgserlebnis war die Teilnahme am Europapokal der Pokalsieger mit dem legendären Spiel gegen Dynamo Dresden. Nach einer 0:2-Niederlage in Dresden und einem 1:3 zur Halbzeit in der Grotenburg-Kampfbahn war Bayer so gut wie raus. Binnen 28 Minuten aber drehte Uerdingen das Spiel noch um zu einem 7:3-Sieg. Das letzte Tor an diesem 19. März 1986 schoss übrigens Wolfgang Schäfer, der Pokalheld von Berlin.

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