Sport : DFB-Pokal: Der Spätberufene

Stefan Hermanns

Der Tag hat nicht besonders gut angefangen. Eigentlich wollten die Profis von Borussia Mönchengladbach eine Stadtrundfahrt machen. Aber wegen der glatten Straßen wurde das Unternehmen kurzfristig auf Eis gelegt. Von Berlin haben die Gladbacher daher nicht viel gesehen, seitdem sie in der Stadt sind. "Aber das ist ja auch nicht das Ziel", sagt Mittelstürmer Arie van Lent. Das Ziel heißt: Einzug ins Pokalfinale. Und van Lent kommt dabei eine wichtige Rolle zu.

Markus Breuer, der Zeugwart der Borussen, unterhält sich am Rande des Trainingsplatzes mit einem Journalisten. "Was tippst du für Dienstag?", fragt Breuer. "Eins zu null für Borussia", antwortet der Journalist. "Torschütze Arie van Lent", sagt Breuer. Van Lent sagt: "Es wäre schön. Aber es ist mir völlig Wurscht." Trotzdem: In den anderthalb Jahren, die der Holländer nun in Gladbach spielt, hat er sich einen beachtlichen Ruf erarbeitet. Er ist der Mann für die wichtigen Tore. Wie im Viertelfinale in Duisburg. Es stand noch 0:0, als die Borussen nach etwas mehr als einer Stunde einen Elfmeter zugesprochen bekamen. Als van Lent sich umdrehte, "habe ich neun Leute mit dem Rücken zu mir gesehen". Der 30-Jährige nahm den Ball und traf. Borussia siegte 1:0.

Zweimal hat van Lent das Pokalfinale im Olympiastadion bereits miterlebt. Miterlebt, nicht mitgemacht - als Zuschauer. "Das zählt eigentlich nicht für mich", sagt er. Damals spielte van Lent noch in Bremen, bei den Amateuren zumeist. Der Trainer der Profis hieß Otto Rehhagel, und dessen Vertrauen in junge Leute war nicht allzu stark ausgeprägt. "Bei Otto hat das sehr lange gedauert", sagt van Lent.

Im August ist der kopfballstarke Stürmer 30 Jahre alt geworden. 32 Bundesligaspiele hat er für Werder bestritten, sechs Tore erzielt. Von Bremen wechselte er in die Zweite Liga nach Fürth, doch seine Frau fühlte sich dort nicht besonders wohl. Das Interesse des Absteigers Mönchengladbach kam ihm im Sommer 1999 gerade recht. Vom linken Niederrhein fährt er nur eine Stunde bis in die alte Heimat in der Nähe von Nimwegen.

Der Weg des Holländers Arie van Lent in den deutschen Fußball ist recht kurios. Van Lent war während seines Wehrdienstes mit seiner holländischen Einheit in Nienburg in Niedersachsen stationiert. Bei einem Armeeturnier wurde ein Werder-Späher auf ihn aufmerksam und holte ihn nach Bremen. Für seinen Arbeitgeber wechselte van Lent in der Vor-Bosman-Zeit sogar seine Staatsangehörigkeit. Seit fünf Jahren besitzt er einen deutschen Pass.

Sollte Gladbach im Sommer aufsteigen, bekäme van Lent eine zweite Chance in der Bundesliga. Er ist dann fast 31, ein Jahr älter noch als Michael Preetz bei Herthas Aufstieg 1997. Die Zeit läuft langsam davon. Was passiert, wenn Gladbach den Aufstieg verpasst? Geht er dann trotz laufendem Vertrag? Wer wie er in der Zweiten Liga in einer Saison 19 Tore schießt, kann für Erstligisten nicht ganz uninteressant sein. Van Lent sagt: "Das ist noch so weit weg. Ich mache mir da wenig Gedanken." Das passt zu ihm. Als die Gladbacher ihn aus Fürth holten, kostete sie das mehr als zweieinhalb Millionen Mark. Van Lent glaubt, dass sie das für die beiden Jahre bezahlen mussten, die er noch Vertrag hatte. "Nicht für den Stürmer van Lent."

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