Sport : DFB-Pokal: Dritte Liga schlägt zweite Wahl

Stefan Kuntz, der Trainer des Karlsruher SC, tanzte mit den Zuschauern durch das Wildparkstadion, der Tanz des Hamburger SV auf drei Hochzeiten hat seinen ersten Tribut gefordert. Der Bundesligist ist schon in der zweiten Runde des DFB-Pokals ausgeschieden. Ersatzgeschwächt kassierte der Teilnehmer an der Fußball-Champions-League am Dienstagabend ein verdientes 0:1 (0:0) beim Regionalligisten Karlsruher SC. Mangelnde Einstellung seiner (Ersatz-) Profis oder gar eine falsche Mannschaftsaufstellung wollte der Hamburger Trainer Frank Pagelsdorf jedoch nicht als Grund für die Pokal-Überraschung gelten lassen. "Man hat im Laufe des Spiels gesehen, dass wir nicht in der Lage waren, die vielen Ausfälle zu kompensieren. Die Mehrzahl der Verletzten war gar nicht einsatzfähig", sagte der ansonsten wortkarge 42-Jährige nach dem Spiel.

Es war aber schon die zweite Garnitur der Hanseaten, die sich den begeisterten 25 000 Zuschauern im Wildparkstadions präsentierte, denn zu den bisherigen neun Verletzten hatten sich auch noch der Iraner Mehdi Mahdavikia und Sergej Barbarez gesellt. Ingo Hertzsch und Stig Töfting sollten außerdem ihre Kräfte für Bundesliga und Champions League schonen. Unterschätzt hätten die übrig gebliebenen Spieler den drittklassigen Gegner allerdings nicht, behauptete jedenfalls Hamburgs Sportchef Holger Hieronymus: "Überrascht haben mich die Karlsruher nicht, die Spieler mit Sicherheit auch nicht." Gleichzeitig forderte er: "Wir müssen aus den Erfolgen im internationalen Wettbewerb hoffentlich bald etwas lernen. Man hat gesehen, dass man im Pokal am Anfang gewinnen muss, sonst wird es schwer."

Die mangelhafte Chancenverwertung - in der ersten halbe Stunde vergaben die hohen Favoriten ein halbes Dutzend hochkarätiger Möglichkeiten - rächte sich bitter. Mit zunehmender Spieldauer verlor der Hamburger SV seine anfangs noch vorhandene spielerische Linie und musste in der 65. Minute durch Vitus Nagorny das 0:1 hinnehmen. "Ich habe in der Halbzeit nicht gedacht, dass wir dieses Spiel verlieren könnten. Außer dem Tor war ja bei denen nicht viel", sagte Harald Spörl im Kabinengang immer noch etwas ungläubig.

Der Hamburger Mittelfeldspieler übersah dabei allerdings, dass der Karlsruher SC nicht nur auf Grund seiner kämpferischen Einstellung verdient gewann, sondern dass schon in der ersten Hälfte ein Klassenunterschied nicht zu erkennen war. "Der Abstieg aus der zweiten Liga im vergangenen Jahr war für uns auch eine Chance, einen Schnitt zu machen. Der Erfolg und die Begeisterung in der laufenden Saison sprechen für sich", jubelte KSC-Sportmanager Guido Buchwald, der in Karlsruhe lange umstritten war, nun aber die Fans wieder hinter sich hat. 17 Zugänge und die beste Abwehr (nur sechs Gegentore in 14 Saisonspielen) sind ein Pfund, mit dem Karlsruhe möglichst schon im nächsten Jahr wieder in der Zweiten Bundesliga wuchern möchte.

Doch zunächst hoffen Spieler und Verantwortliche in Nordbaden auf einen attraktiven Gegner im Viertelfinale. Trainer Stefan Kuntz sieht einen Tag nach seinem 38. Geburtstag die Sache eher nüchtern: "Ich wünsche mir jeden Samstag die Lottozahlen und die kommen auch nie."

0 Kommentare

Neuester Kommentar