DFB-Pokal-Finale in Berlin : Nicht einmal Gott weiß, wer gewinnt

Fußball und Gott sind kompatibel, findet unser Autor. Doch für welche Mannschaft entscheidet er sich am Samstag? Eine Glosse.

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Jeder Klub hat seine ganz eigene Glaubensgeschichte.
Jeder Klub hat seine ganz eigene Glaubensgeschichte.Foto: Imago

Es ist Kirchentag in Berlin? Das ist so nicht richtig. Heute sind zwei Kirchentage in Berlin. Der zweite findet beim DFB-Pokal-Finale im Olympiastadion statt. Die Gläubigen sind in drei Gruppen aufzuteilen: Da sind die, die dem gebräuchlichen Gott huldigen. Da sind aber auch die, die den Fußballgott verehren, nochmal aufzuteilen in zwei Untergruppen: Die einen beten zum Dortmunder Fußballgott, die anderen hochpreisen den aus Frankfurt. Und schon stecken wir im Dilemma. Zu entscheiden hat ja der Chefgott.

Wenn nun ein Gläubiger aus Dortmund in die Kirche geht, eine Kerze aufstellt und bei Gott um den Sieg der Borussia betet, und wenn nun ein Gläubiger aus Frankfurt das gleiche macht, dann hat Gott ein Problem. Es liegt in der Natur der Sache eines Pokalfinales, dass Gott ein Gebet überhören und damit einen seiner Jünger verprellen muss. Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein. Ob Fußball und Gott kompatibel sind? Natürlich nicht – könnte man leicht moralinsauer antworten, das eine ist ein Geschäft um Millionen, ist Geschacher und was Jesus mit denen anstellt, die solche Geschäfte betreiben, steht in der Bibel.

Hosianna, der Ball ist rund

Das andere ist der innere Wert, der alles zusammenhält, aber das tut der Ball auch. Und auch wenn es mitunter gruselig gottlos zugeht auf dem Rasen, sind Fußball und Gott kompatibel. Das ergibt sich alleine schon aus der Tatsache, dass Fußball ein göttliches Spiel ist. Auch erinnern wir uns, zwar ungern, an die Hand Gottes, die den Ball statt Maradonas Kopf ins Tor schubste. Und gerne erinnern wir uns an Toni „du-bist-ein-Fußballgott“ Turek, der das Wunder von Bern festhielt. Man hat Mesut Özil nach Mekka pilgern sehen und bestaunt Spieler, die recht unchristlich und robust zur Sache gehen, nachdem sie sich beim Einlaufen bekreuzigt haben. Und die Tore, die dem Lenker da oben per Fingerzeig gewidmet sind, sind unzählbar.

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Der DFB muss aber nicht untersuchen, ob sich eine Mannschaft, die mit Gott spielt, also mit Überzahl, einen Wettbewerbsvorteil erschummelt. Wenn Gott so ein grandioser Fußballspieler wäre, würde die Auswahl des Vatikan auch in Soutane regelmäßig Weltmeister. Aber lassen wir die Kirche im Stadion und rufen: Hosianna, der Ball ist rund, und nicht einmal Gott weiß, wer gewinnt.

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