DFB-Pokal gegen Bayern München : Preußen Münster: Die Glanztaten sind lange her

Preußen Münster spielte schon vor Bayern München in der Bundesliga – kaum noch vorstellbar vor dem ersten Pflichtspiel beider Klubs.

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Renovierung! Jetzt!. In Münster wird schon lange vergeblich gehofft.
Renovierung! Jetzt!. In Münster wird schon lange vergeblich gehofft.Foto: Imago

Als Christoph Metzelder sein Geld noch als Profi bei Borussia Dortmund verdiente, gab es nach Heimspielen dieses Ritual: Wann immer der Verteidiger aus der Kabine kam und die Mixed Zone betrat, suchte er den Blickkontakt mit einem Reporter aus Münster. Hatte er den gefunden, folgte die Frage: „Wie hat Preußen gespielt?“ Metzelder hatte den Verein nicht vergessen, von dem er auszog, um zum Nationalspieler und Vizeweltmeister aufzusteigen.

Viele schillernde Figuren haben die Preußen in den letzten 50 Jahren nicht hervorgebracht, und doch rühmen sie sich ihrer Geschichte. Die Glanztaten dieses Klubs sind allerdings lange her: Vizemeister 1951 und natürlich das Prädikat Gründungsmitglied der Bundesliga – alles Meriten aus der Steinzeit des Fußballs. 1964 begann der Abstieg, der bis in die Viertklassigkeit führte. Inzwischen ist Münster wieder in der Dritten Liga und möchte am Sonntag ab 16 Uhr auch überregional wieder auf sich aufmerksam machen. Im DFB-Pokal ist der FC Bayern München zu Gast, Deutschlands Rekordmeister.

"Lichtjahre voneinander entfernt"

Es ist die erste Pflichtspiel-Begegnung dieser beiden Traditionsklubs, deren Wege so unterschiedlich verliefen. Man mag es kaum glauben, doch als die Preußen ihr Jahr in der ersten Liga erlebten, durften die Bayern dort noch nicht mitspielen. Sie kickten weiter unten in der Regionalliga. 1965 stiegen sie auf und entwickelten sich zur Weltmarke, während sie in Münster nur noch vom großen Fußball träumen konnten. „Mittlerweile“, sagt Preußens Sportvorstand Carsten Gockel, „sind wir Lichtjahre voneinander entfernt.“

Das Gastspiel der Bayern hält Münster seit Tagen in Atem. Und das seit Wochen: Als die ortsansässigen „Westfälischen Nachrichten“ einen Wettbewerb auslobten, um die Einlaufkinder für das große Ereignis zu finden, malten, schrieben, filmten und backten Hunderte, um den Rasen des Stadions an der Hammer Straße an der Hand eines Weltmeister betreten zu dürfen.

Die Pokalbegegnung hat nicht nur Prestigewert, sondern auch „eine hohe finanzielle Bedeutung“, wie Gockel sagt, „weil wir dieses Spiel entsprechend vermarkten können“. Die Übertragungsrechte wurden in 189 Länder verkauft, Top-Zuschläge, VIP-Arrangements, Merchandising – „das alles macht sich in klingender Münze bemerkbar“, sagt Gockel. Viel bedeutsamer erscheint indes, dass sich Preußen Münster überregional darstellen und über das berichten kann, was Gockel als die „kleine Erfolgsgeschichte der letzten neun Jahre“ bezeichnet. Konkret meint der 41-Jährige: Die Entschuldung und der Sprung in die Dritte Liga.

In Münster fehlt es an Strukturen für den großen Fußball

Allzu gern würde der Klub den nächsten Schritt tun, doch für gehobene Sphären ist Fußball in Münster nicht ausgelegt. Das Stadion hat zwar eine schmucke neue Haupttribüne, ist aber in seinen Grundfesten marode. Auch sonst fehlt es an Strukturen. Zudem bemängeln Beobachter seit Jahren die biedere Einkaufspolitik des Vorstands.

Dabei sind die Möglichkeiten nicht schlecht. Mit rund 7,5 Millionen Euro Jahresetat sind die Preußen für einen Drittligisten sehr gut aufgestellt. Als Trainer haben sie Ralf Loose nach Münster geholt. Der 51-jährige führte einst Dynamo Dresden in die Zweite Liga und machte damit das vor, wovon sie in Münster träumen. Sollte den Preußen am Sonntag eine hohe Niederlage widerfahren, würde das ihre beschauliche Welt nicht erschüttern. Sie genießen den Tag und den hohen Besuch.

Neulich ist Gockel von einem aufgeregten Fan gefragt worden, ob der Kaiser denn zum großen Spiel komme. „Klar“, hat der Sportvorstand grinsend geantwortet, „der hat sitzt auf der VIP-Tribüne: Roland Kaiser.“

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