DFB-Pokal-Halbfinale : FSV Mainz 05: Auswärts, welch ein Glück

Die heimschwachen Mainzer wollen sich im Pokal-Halbfinale bei Bayer Leverkusen Kraft für den Aufstieg holen.

Jürgen Heide[Mainz]
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Pokal auf Probe Der Mainzer Roman Neustädter posierte nach dem Sieg gegen Schalke schon mal mit einer Nachbildung des DFB-Pokals.Foto: firo

Die Verzweiflung war groß. Freitagabend verstanden die Zweitligafußballer des FSV Mainz 05 die Welt nicht mehr. Trotz Torchancen im Dutzend erreichte der Aufstiegsfavorit gegen Abstiegskandidat Ahlen nur ein 0:0. Nach dem vierten sieglosen Heimspiel in Folge im Stadion am Bruchweg dachte der ratlose Präsident Harald Strutz darüber nach, „ob wir den Bruchweg in Fluchweg umtaufen sollten“. Mainz droht ein weiteres Jahr in der Zweiten Liga. Da trifft es sich gut, dass der auf Relegationsrang drei zurückgefallene Herbstmeister heute (20.30 Uhr, live in der ARD) im DFB-Pokal-Halbfinale beim Erstliganeunten Bayer Leverkusen auswärts antreten darf.

„Ein Highlight für uns“, sagt Trainer Jörn Andersen. „Wir haben gezeigt, dass wir die Möglichkeit haben weiterzukommen, wenn bei uns alles stimmt.“ Der Norweger denkt an die Pokalerfolge über die Bundesligisten Köln (2:1) und Schalke (1:0) sowie bei Zweitliga-Spitzenreiter Freiburg (3:1) und die Auswärtsstärke seiner Elf, die in fremden Stadien bisher neun Siege aus 15 Liga-Spielen verbuchte. 
 
2005 spielte Mainz schon mal  im Uefa-Cup

„Wir stehen auswärts hinten kompakt und lassen kaum Torchancen zu“, sagt Manager Christian Heidel, dessen Team zum DFB-Pokal-Halbfinale von mehr als 9000 Fans begleitet wird. Während Stutz die Mainzer als „krassen Außenseiter“ sieht, glauben Andersen und Heidel an eine reelle Chance, weil der Druck allein auf Leverkusen liege. „Wenn wir das Finale in Berlin erreichen würden, hätten wir etwas für unsere Tradition getan und die Mannschaft würde sich in den Geschichtsbüchern verewigen“, sagt Manager Heidel. Wenn dann morgen auch noch der Bundesligadritte, der Hamburger SV, im zweiten Halbfinale Bremen schlägt und sich gleichzeitig für die Champions League qualifiziert, wären die Mainzer sogar für die neue lukrative EuroLeague, den Nachfolgewettbewerb des Uefa-Cups, qualifiziert.

„Etwas internationale Erfahrung haben wir ja schon“, sagt Heidel in Anspielung auf das Jahr 2005, als Mainz sich über die Fairplay-Wertung qualifizierte, sechs Partien im Uefa-Cup bestritt und gegen den späteren Sieger, den FC Sevilla, ausschied. Der Pokal ist für die Mainzer aber nur die Kür. „Der Aufstieg ist unser primäres Ziel“, sagt Strutz. Zwar habe der Aufstieg für den Klub „keine existenzielle Bedeutung, weil die wirtschaftlichen Planungen des Vereins auf die Zweite Liga ausgerichtet sind“, sagt Heidel, „aber wir wissen auch, wie schön es in der Ersten Liga ist.“

In der Bundesliga würde sich der Etat von 19 auf 29 Millionen Euro erhöhen. Andersen soll den letztjährigen Vierten dann weiterhin führen. Wegen der Heimschwäche der Mannschaft und ihren allzu offenkundigen Problemen im Defensivverhalten ist der Nachfolger von Kulttrainer Jürgen Klopp bereits unter Druck geraten. Heidel betont zwar, „dass der Trainer nicht mal einen Millimeter zur Disposition steht“.

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