DFB-Pokal : Jena feiert doppelt

Pokal-Sensation in Jena: Der Zweitligist freut sich über die Rückkehr von Hans Meyer und den Sieg über dessen Nürnberger.

Hans Meyer besitzt durchaus einen Sinn für die große Inszenierung. Es ist kurz vor sechs, als der Bus des 1. FC Nürnberg am Ernst-Abbe-Stadion in Jena vorfährt. Die Spieler sind längst ausgestiegen, da erhebt sich Meyer, Nürnbergs Trainer, in aller Ruhe von seinem Platz – und bleibt erst einmal stehen. Als Meyer heraustritt, bricht der Beifall los. Ach, schön war die Zeit, die Gegenwart ist trübe, aber an diesem Abend kommt zu den alten Geschichten endlich mal wieder eine neue hinzu. 1:1 heißt es nach 90 Minuten, 2:2 nach Verlängerung, das Elfmeterschießen gewinnt Carl Zeiss Jena, der Vorletzte der Zweiten Liga, gegen den Titelverteidiger Nürnberg und zieht damit ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein.

Mit Meyer als Trainer hat der FC Carl Zeiss seine größten Tage erlebt. An diesem Abend lebt die alte Zeit wieder auf. Das Stadion ist ausverkauft, die Stimmung kämpferisch wie einst. Mehr Zuschauer hat Jena zuletzt 1986 gesehen, im Uefa-Pokal gegen Bayer Uerdingen. Carl Zeiss Jena drängt zu Beginn, Nürnbergs flatterhafter Pokaltorhüter Daniel Klewer lässt einen Fernschuss abprallen, die Zuschauer kreischen und johlen – zwei Minuten später lupft Misimovic den Ball über Torhüter Kraus ins Tor. Nürnberg führt 1:0. Doch Jena kämpft. Ein Freistoß von Simak landet am Innenpfosten des Nürnberger Tores. Der Bundesligist gerät plötzlich in Nöte. Kristiansen verliert den Ball, Torghelle schießt: Aus 35 Metern senkt sich der Ball über Klewer zum 1:1 ins Tor. Sechs Minuten später sieht Torghelle die Gelbe Karte, weitere sechs Minuten später die zweite, eine zweifelhafte.

Zehn Jenaer kämpfen sich mit dem Mute der Verzweiflung in die Verlängerung, sie geraten durch Joshua Kennedy erneut in Rückstand, aber Robert Müller köpft sechs Minuten vor Schluss zum 2:2 ein. „Wer mit zehn Mann in der Verlängerung ausgleicht, hat es verdient weiterzukommen“, sagt Hans Meyer. Im Elfmeterschießen vergibt Reinhardt für den Club. Als Jena in Jubel ausbricht, ist Meyer schon auf dem Weg in die Kabine. Ihm steht nicht der Sinn nach Nostalgie.

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