DFB-Pokal: Neue Wechsel-Regel : Bringt mehr Tempo ins Spiel!

Ab sofort ist im DFB-Pokal eine vierte Auswechslung erlaubt. Mehr Spieler, mehr Tempo - dem Fußball würden noch mehr Wechsel gut tun. Ein Kommentar.

Claus Vetter
Mehr Wechsel erlaubt, bald auch international? Die Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang (r) und Nuri Sahin.
Mehr Wechsel erlaubt, bald auch international? Die Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang (r) und Nuri Sahin.Foto: dpa/Fassbender

Franz Beckenbauer spielte mit seinem bandagierten Arm eine der prägnantesten Rollen im oft als „Jahrhundertspiel“ titulierten WM-Halbfinale von 1970. Die Deutschen mussten gegen Italien in der Verlängerung quasi mit neun Feldspielern auskommen. Ihr Auswechselkontingent war erschöpft, nachdem sich Beckenbauer in der 65. Spielminute das Schultereckgelenk gesprengt hatte. Als Statist kämpfte er sich noch bis zur 120. Spielminute über das Feld – ein schräges Schauspiel, das in seiner epischen Länge einem nationalen Pflichtspiel ab sofort nicht mehr nötig ist: Nach 90 Minuten kann künftig ein verletzter Profi vom Platz. In Spielen des DFB-Pokals ist ab sofort eine vierte Einwechslung im Falle einer Verlängerung möglich. Ein Pilotprojekt, das hoffentlich zur Regel wird, auch international.

Mehr Tempo tut einem Spiel immer gut

Jeder Fußballinteressierte kennt die Bilder, wenn sich die Profis in der Verlängerung mit Krämpfen winden. Wenn das Tempo auf dem Platz immer beschaulicher wird, weil die Kräfte schwinden und die Pausen im Spiel unerträglich lang werden, weil alle nach Luft schnappen, wenn der Ball ins Aus segelt. Mehr Tempo tut einem Spiel immer gut: Nicht umsonst wechseln sie in fast allen Mannschaftssportarten fliegend. Die Muskeln übersäuern nach einem Sprint schon in weniger als einer Minute.

Das Fußball-Argument, dass sich Taktik bei häufigerem Wechsel schwieriger umsetzen lasse, ist Unsinn. Taktik schaffen sie im American Football auch – mit elf Spielern auf dem Platz. Auch im Fußball ist langfristig noch mehr möglich als vier Auswechslungen. Doch der Weg zur drei erlaubten Wechselspielern war lang, von 1967 (ein Wechsel) über 1968 (zwei) bis 1995. Demnach ist mit dem Genehmigen einer fünften Einwechslung wohl frühestens in 30 Jahren zu rechnen. Es ginge aber auch schneller: Wer ein schnelles Fußballspiel liebt, sollte auch über vier Auswechslungen hinausdenken.

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