Sport : DFB-Pokal: Offenbach hofft gegen Wolfsburg auf Sensation

Fahnengalerie. Die Fans von Drittligist Offenbach leben in der Vergangenheit. Foto: dpa
Fahnengalerie. Die Fans von Drittligist Offenbach leben in der Vergangenheit. Foto: dpaFoto: dpa

Offenbach - Die lebende Warnung an den VfL Wolfsburg heißt Winfried Schäfer. Eines der stolzesten, aber auch stark vergilbten Fotos aus der Geschichte von Kickers Offenbach zeigt den späteren Bundesliga-Trainer, wie er als Spieler des OFC den DFB-Pokal stemmt. Das Foto sagt viel aus über die Kickers. Ein Traditionsklub, der seine besten Zeiten lange hinter sich hat, aber immer eine Pokalmannschaft war: Sensationssieger 1970, Halbfinalist 1990, Dortmund-Bezwinger 2010 und in dieser Saison der einzige Drittligist, der im Viertelfinale steht. Heute (20.30 Uhr, live in der ARD) fordert der Außenseiter den VfL Wolfsburg heraus. Die zweite Begegnung des Abends – Mainz gegen Freiburg – mag sportlich anspruchsvoller sein; Offenbach gegen Wolfsburg aber bedient das Pokalklischee vom Duell des Underdogs gegen den Favoriten.

„Das ist ein Bonusspiel“, sagt Offenbachs Trainer Rico Schmitt. Alle 18 000 Karten für diese Begegnung sind seit zwei Wochen verkauft. Ein schärferer Kontrast ist zwischen zwei Vereinen kaum denkbar. Auf der einen Seite der reiche VW-Klub, der über den DFB-Pokal das internationale Geschäft erreichen will. Auf der anderen Seite der Kultklub Kickers, der die Einnahmen dringend benötigt, um mal wieder ein Finanzloch zu stopfen.

Auch sportlich gesehen lenkt der Pokal in Offenbach davon ab, dass es in der Liga nicht gut läuft. Als Schmitt vor zwei Wochen den glücklosen Arie van Lent ablöste, hatte der OFC gerade sieben der vergangenen neun Spiele verloren. Dank des 2:0-Sieges zum Einstand des neuen Trainers gegen den 1. FC Saarbrücken hat der Verein nun wieder sechs Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

Ramon Berndroth, Sportkoordinator der Kickers, hat seine Mannschaft im Pokal gegen Greuther Fürth (2:0), Union Berlin (2:0) und Fortuna Düsseldorf (2:0) siegen sehen. Der 62-Jährige hat auch schon für die großen Rivalen Eintracht und FSV Frankfurt gearbeitet, aber geradezu mahnend erzählt er eine Geschichte aus seiner Zeit beim VfB Lübeck. „Wir standen 2004 sogar im Halbfinale, doch am Ende der Saison stieg der VfB Lübeck ab“, sagt Berndroth, „der Pokal ist ein zweischneidiges Schwert.“ Der Lübecker Trainer hieß damals übrigens Dieter Hecking, der heute Offenbachs Pokalgegner Wolfsburg trainiert. Im Pokal zu den besten acht zu gehören und trotzdem in der Dritten Liga zittern zu müssen – das ist nur eine von vielen Volten der OFC-Geschichte. Eines Vereins, der in seiner letzten Bundesligasaison (1983/84) über hundert Tore kassierte, dafür den großen Rivalen Eintracht Frankfurt schlug. Eines Vereins, der Spieler wie Uwe Bein und Rudi Völler herausbrachte und daher immer ein wenig in der Vergangenheit lebt. dpa

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