DFB-Pokal : SC Fortuna Köln: Endlich wieder Rampenlicht

Fortuna Köln stand aufgrund finanzieller Nöte kurz vor der Auflösung. Zwischenzeitlich durften die Fans die Geschicke des Vereins lenken, derzeit plant der Viertligist den Durchmarsch in die Zweite Liga - und hofft auf einen Sieg im Pokal gegen Mainz.

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Fortuna Köln-Präsident Klaus Ulonska (l.) und Dirk Daniel Stoeveken, Gründer und Geschäftsführer der deinfussballclub.de DFC GmbH, bei der Präsentation ihrer Idee, die Fans ihren Verein gegen Bezahlung selbst führen zu dürfen. Mittlerweile ist aus Fortuna Köln wieder ein ganz normaler und ambitionierter Fußballklub geworden.
Fortuna Köln-Präsident Klaus Ulonska (l.) und Dirk Daniel Stoeveken, Gründer und Geschäftsführer der deinfussballclub.de DFC GmbH,...Foto: dpa

Wahrscheinlich überlebt das Klischee von der permanenten Fröhlichkeit der Kölner vor allem wegen derjenigen Menschen, die sich diese Eigenart zum Lebensmotto gemacht haben. Klaus Ulonska ist jedenfalls ein Beispiel dafür, dass die rheinische Frohnatur noch nicht ausgestorben ist. Der 70-Jährige lässt keine Gelegenheit aus, seine gute Laune offensiv und teils auch etwas überdreht zu präsentieren.

Als Jungfrau im Kölner Karneval und als langjähriges Ratsmitglied der Stadt Köln sind Humor und Gelassenheit nicht die schlechtesten Eigenschaften, um unbeschadet aus diesen Ämtern hervorzutreten. Und eine gewisse Unerschütterlichkeit braucht es zudem, wenn man einen insolventen Traditionsklub wie Fortuna Köln als Präsident übernimmt.

Einen Klub, der einst vom Kölner Unikum Jean Löring als One-Man-Show geführt wurde und der vor allem durch die finanzielle Unterstützung des Patriarchen 28 Jahre lang in der Zweiten Liga spielte und eine Saison sogar in der Bundesliga auflaufen durfte. Doch das ist lange vorbei. „Mittlerweile gibt es aber kaum noch jemanden aus dieser Zeit, der den Klub unterstützt“, sagt Neu-Präsident Ulonska.

Der Verein war zwischenzeitlich aufgrund großer finanzieller Nöte kurz vor der Auflösung, konnte dann aber mit einer Rettungsaktion im Jahr 2004 zunächst wieder in der Verbandsliga antreten. Ein Schicksal, das die Fortuna mit vielen Traditionsvereinen teilt. Am Samstag nun rückt der Klub aus der Südstadt Kölns mal wieder auf die große Fußball-Bühne. Im DFB-Pokal trifft die mittlerweile wieder viertklassige Fortuna auf den Bundesligisten Mainz 05. „13 Jahre lang haben wir darauf gewartet, dass wir mal wieder im Rampenlicht stehen“, sagt Ulonska.

Dabei ist es erst fünf Jahre her, dass Fortuna Köln bundesweit von sich reden machte. Im Jahr 2008 hatte es der Klub mit einem bisher einmaligen Projekt bis in die Nachrichten der Tagesschau gebracht. Die Idee: Die Mitglieder sollten darüber mitbestimmen, welcher Trainer und welche Spieler verpflichtet werden und sie sollten auch andere wichtige Fragen wie deren Bezahlung demokratisch beeinflussen können. Rund 10.000 Menschen waren damals bereit, jährlich knapp 40 Euro zu überweisen, um direkten Einfluss auf die Geschicke der Fortuna zu übernehmen. Das Projekt gibt es mittlerweile nicht mehr, „weil ab einem gewissen Niveau sich kein Spieler oder Trainer mehr ins Portemonnaie schauen lassen will“, sagt Ulonska.

Mittlerweile ist aus Fortuna Köln wieder ein ganz normaler und ambitionierter Fußballklub geworden, der immerhin einen Etat von rund 1,5 Millionen Euro vorweisen kann. Ein Investor und viele kleinere Sponsoren stellen diesen Betrag zur Verfügung. Außerdem sind noch 5000 ehemals mitbestimmende Fans dabeigeblieben und zahlen weiterhin. „Es kommen aber wieder mehr Leute dazu, weil sie sehen, dass hier erfolgreich gearbeitet wird“, sagt Ulonska.

Letzte Saison wurde Fortuna Köln in der Regionalliga Zweiter und verpasste nur knapp die Aufstiegsrunde zur Dritten Liga. Durch den Gewinn des Pokals des Fußballverbandes Mittelrhein haben es die Kölner in die Hauptrunde des DFB-Pokals geschafft. „Wir wollen aufsteigen, möglichst schnell durch die unattraktive Dritte Liga kommen und dann wieder zweitklassig spielen“, sagt Ulonska. Im früheren Leben war der Fortuna-Präsident mal Staffel-Europameister über 4 x 100-Meter. Mit Sprints kennt er sich also aus.

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