DFB-Pokal : Stöckelschuhe und Orchideenduft

Die Duisburgerin Fatmire Bajramaj trifft im Pokalfinale auf ihren künftigen Klub Turbine Potsdam.

Helen Ruwald
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Gute Haltung. Fatmire Bajramaj fällt nicht nur als Fußballerin auf. Foto: dpa

Berlin - Immer wieder auf Parfümdüfte und Schuhfarben angesprochen zu werden könnte nerven, wenn man weder für eine Parfümerie noch für ein Schuhgeschäft arbeitet, sondern Fußballnationalspielerin ist. Doch Fatmire Bajramaj kultiviert den Ruf der modebewussten, durchgestylten Mittelfeldspielerin, die rosa Fußballschuhe trägt und mit Stöckelschuhen auf die Torwand des Sportstudios schießt – und prompt getroffen hat. Freimütig hat sie auch erzählt, welches Parfüm sie für das DFB-Pokalfinale wählen wird. Ein Hauch „Euphoria“ von Calvin Klein wird sie umwehen, wenn sie mit dem FCR Duisburg heute auf ihren künftigen Klub Turbine Potsdam trifft (16.30 Uhr, live in der ARD). Ein Duft, der laut Hersteller „seine Trägerin mit der geheimnisvollen Seele und der üppigen Erotik der schwarzen Orchidee“ umgibt.

Dass sich ihre Gegenspielerinnen davon benebeln lassen, ist nicht zu erwarten, doch ihre Werbepartner sind begeistert von der 21-Jährigen. Sie ist nicht nur technisch brillant und unglaublich schnell, sondern attraktiv und hat verrückte Träume: Eine eigene Villa in Los Angeles für große Partys hätte sie gerne. Potsdam ist zumindest auf ihre kleineren Wünsche vorbereitet: „Die haben mir sogar erklärt, wo ich einen guten Friseur finde“, hat Bajramaj erzählt. Bei Fotoshootings lässt sie sich im schwarzen Kleid fotografieren, Seidenstrumpf und Lackschuh links, Stutzen und Fußballschuh rechts. Das kommt an bei Sponsoren, Fatmire Bajramaj kann vom Fußball leben. Eine Ausbildung zum Steuerberater hat sie abgebrochen, weil die trockenen Zahlen ihr nicht behagten, nun ist sie Mitglied einer Sportfördergruppe.

27 Länderspiele hat sie bestritten, als Ersatzspielerin wurde sie 2007 Weltmeisterin, 2008 gewann sie Bronze bei Olympia. Im Spiel um Platz drei gegen Japan schoss Fatmire Bajramaj nach ihrer Einwechslung beide Tore zum 2:0. Doch Bekanntheit erlangte sie auch, weil ihr Weg in die DFB-Auswahl so anders war als bei ihren Kolleginnen. Als sie vier Jahre alt war, floh ihre Familie aus dem Kosovo. Ihr Vater verbot ihr zunächst, Fußball zu spielen, er wollte seine Tochter lieber tanzen oder singen sehen. Fatmire Bajramaj hielt sich nicht an das Verbot, verabschiedete sich zu Freunden oder ins Kino – und ging trainieren. Irgendwann flog die Sache auf, und es gab ein filmreifes Happy End: Als ihr Vater erkannte, wie gut seine Tochter am Ball war, gab er den Widerstand auf. Beim DFB gilt die Muslimin als gelungenes Beispiel für Integration, Bajramajs Geschichte soll Mut machen, die 21-Jährige war Teil der deutschen Kampagne bei der Bewerbung für die WM 2011.

Wenn das DFB-Team im eigenen Land zur Titelverteidigung antritt, möchte Bajramaj Führungsspielerin sein. Auch deshalb kickt sie künftig für Potsdam. „Sportlich ist in Duisburg alles super“, sagt Bajramaj, die vor einer Woche mit dem FCR den Uefa-Cup gewonnen hat. „Aber in Potsdam ist alles professioneller und ich wollte mal was Neues machen.“ Auch der 1. FFC Frankfurt wollte sie haben, „aber das Angebot kam ein bisschen spät und hat mich nicht gereizt“. Statt bei Frankfurts Routiniers wird sie ihre Kreativität bei Turbines Talenten ausleben, einem Team mit einem Altersdurchschnitt von rund 20 Jahren. Eine, die den Schnitt hebt, ist Aferdita Podvorica. Die 30-Jährige stammt wie Bajramaj aus dem Kosovo und hat die Duisburgerin immer wieder angerufen und ihr von Turbine vorgeschwärmt.

Skeptiker unken, dass Bajramaj, die schicke Künstlerin, mit Potsdams ruppigem und als autoritär verschrienen Trainer Bernd Schröder Probleme bekommen könnte. Fatmire Bajramaj kann darüber nur lachen. Es habe auch Wetten gegeben, dass sie die Grundausbildung bei der Bundeswehr nur eine Woche durchhalte, „und das habe ich auch geschafft“.

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