Sport : DFB-Pokal: Torgefährlicher Irrtum

Karsten Doneck

Gesagt ist gesagt. "Der DFB-Pokal", so hat Harun Isa erklärt, "ist nicht so wichtig. Hauptsache, wir steigen auf." Der Fußball-Regionalligist 1. FC Union hatte da gerade in der Runde der letzten 32 Mannschaften die SpVgg. Greuther Fürth durch ein Elfmetertor des 31-jährigen Stürmers mit 1:0 bezwungen. Das DFB-Pokalfinale lag in weiter Ferne. Rund ein Vierteljahr später trennen Union noch maximal 120 Minuten plus Elfmeterschießen vom Einzug ins Endspiel am 26. Mai. Vor dem Halbfinale heute im Stadion Alte Försterei (20.30 Uhr, live in der ARD) relativiert Isa seine Gedanken - zumindest ein bisschen. "Natürlich", sagt er, "steht die Zweite Liga bei mir an erster Stelle, aber das Pokalfinale - das ist ein Traum."

Isa stand lange im Ruf, ein gewitzter, dribbelstarker und flinker Stürmer zu sein, der aber regelmäßig kurz vor dem Torschuss kalte Füße bekam. "Das ist Quatsch", mault Isa, wenn er damit konfrontiert wird. "Ich war schon bei Hertha Zehlendorf mit 21 Toren mal Oberliga-Schützenkönig, und bei TeBe habe ich mal in einer Saison 17 Tore erzielt." Trotzem blieb ihm der große Durchbruch verwehrt. "Ich habe auch Pech gehabt mit Verletzungen", sagt er. Sein Wechsel von TeBe zum FC Erzgebirge Aue weckte seine Torinstinkte neu. Zwölf Treffer glückten ihm für Aue in der vorigen Saison, acht hat er jetzt schon für Union erzielt.

Harun Isa und seine Verpflichtung durch den 1. FC Union - das schien anfangs nur ein grobes Missverständnis zu sein. Jedenfalls nach Ansicht der Fans. Bis ins Stadionprogramm hinein reichten ihre Diskussionen, ob es denn Sinn mache, einen früheren Spieler des Erzfeindes Tennis Borussia zu holen, zumal der auch mal bei einem TeBe-Auftritt in der Alten Försterei durch eine abfällige Handbewegung den Union-Anhang brüskiert hatte. So etwas verzeiht der Fan nur ungern. Eine deutliche Mehrheit der Diskutierfreudigen meinte deshalb, Union könne getrost auf einen wie Isa verzichten.

Ob eines solch kühlen Empfangs kam Isa mächtig ins Grübeln. "Ich habe mir viele Gedanken gemacht", bestätigt er. Ob sein Wechsel richtig oder falsch war, spielte indes keine Rolle mehr. Vertrag ist Vertrag, und der war unterzeichnet, ein Rückzieher unmöglich. Und Isa ist längst Manns genug, nicht nur grätschende Verteidiger, sondern auch äußere Widerstände geschickt zu umdribbeln. "Ich habe genug Selbstvertrauen. Also habe ich mir gedacht: Da musst du jetzt durch", erklärt er. Und er wusste auch wie. Plumpe Anbiederung lehnte er ab. Seine Devise lautete: "Du musst zeigen, dass du mit Herz bei der Sache bist, dass du nicht nur für Geld spielst. Ich wollte zeigen, dass ich mir mein Geld mit viel Schweiß verdienen will." Derlei Haltung kommt an, gerade beim Arbeiterverein Union, der aus grauer Vorzeit den Beinamen "Die Schlosserjungs" trägt. Isas Sprüchen folgten Taten und Tore.

Isa feiert bald seinen 32. Geburtstag. Das Ende seiner Laufbahn naht. Im Sommer 2002 läuft sein Vertrag bei Union aus. Er möchte zurückkehren nach Mazedonien. Schießt er vorher die zum Aufstieg notwendigen Tore, dann werden ihm gewiss auch die Fans, die mal gegen ihn gestänkert haben, noch manche Träne nachweinen.

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