DFB-Pokal : VfB drängt auf Vergeltung für Nullnummer

Während der VfB Stuttgart heiß ist, im DFB-Pokal die Nullnummer vom letzten Bundesliga-Spieltag gegen Hertha BSC wettzumachen, werden die Berliner wohl wieder voll auf Defensive setzen.

Stuttgart/Berlin - Im zweiten Versuch will der VfB Stuttgart den Berliner Abwehrriegel knacken und Hertha BSC für die destruktive Defensivtaktik aus der Bundesligabegegnung bestrafen. "Wir wollen nach Berlin", gab Armin Veh erstmals den Gewinn des DFB-Pokals als klares Saisonziel aus und wich damit von seinem bisherigen eisernen Schweigen hinsichtlich seiner Ziele in Stuttgart ab. Zugleich versprach der VfB-Trainer vor dem Viertelfinale am Mittwoch (20:30 Uhr/ARD) Revanche für das 0:0 vor fünf Tagen: "Wenn sie gegen unsere Rasselbande schon so spielen, dann müssen sie bestraft werden."

Aber so wie es aussieht, wird auch der Pokal-Schlager ein Geduldsspiel. "Die Stuttgarter waren schon im Bundesligaspiel sehr enttäuscht, dass sie keine Lücken gefunden haben", deutete Falko Götz eine vergleichbar defensive Marschroute an. Kampfesmutig kündigte der Hertha-Coach mit Blick auf die verbliebene Konkurrenz aber auch Ambitionen aufs Weiterkommen an: "Wir wollen etwas reißen, die Mannschaft ist entschlossen. So eine günstige Konstellation gibt es vielleicht nie wieder."

Veh: Götz' Defensivstrategie ist "völlig legitim"

Die Hoffnungen der Schwaben auf den ersten Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale seit sechs Jahren beruhen vor allem auf einer entspannten Personalsituation und der Gewissheit, dass die Berliner ohne Eigeninitiative allenfalls im Elfmeterschießen in die nächste Runde einziehen könnten. Pavel Pardo, im Punktspiel wegen seiner Gelb-Sperre schmerzlich vermisst, kehrt als Denker und Lenker ins VfB-Mittelfeldzentrum zurück. "Wir werden die Hertha schlagen", versprach der Mexikaner Revanche. Zudem könnten Abwehrchef Fernando Meira und Spielmacher Antonio da Silva rechtzeitig fit werden. "Es gibt noch Fragezeichen", schränkte Veh ein. Zu grundsätzlichen taktischen Veränderungen gegenüber der Null-Nummer sieht Veh keinen Anlass: "Wenn man 30 Schüsse aufs Tor abgegeben hat, kann man nicht so viel falsch gemacht haben." Im Übrigen sei Götz' Defensivstrategie "völlig legitim".

Nur noch drei Siege fehlen den Stuttgartern zum insgesamt vierten DFB-Pokal-Triumph in der Vereinsgeschichte nach 1954, 1958 und 1997. "Es wäre eine Riesensache, ins Halbfinale einzuziehen. Wir versuchen alles, um nach Berlin zu kommen", sagte Veh. "Privat habe ich mir das Endspiel immer angeschaut. Jetzt will ich da mal als verantwortlicher Trainer hinfahren." Torjäger Mario Gomez kündigte keck den nächsten Coup an: "Wir müssen einfach das eine Tor machen."

Götz: "Es ist Pokal, da wird taktiert"

Hertha hat 30 Stunden vor dem Pokal-Hit alle Schotten dicht gemacht. Götz setzte das Abschlusstraining am Dienstag in Berlin ohne Zuschauer und ohne Presse an. "Es ist Pokal, da wird taktiert", rechtfertigte er die Maßnahme. Er wolle nicht zu viel erzählen, aber natürlich hätten auch Elfmeter auf dem Übungsprogramm gestanden. Veh entlockte die Geheimniskrämerei nur ein müdes Lächeln: "Wir trainieren zwar auch nicht öffentlich, aber bei uns kann jeder durch den Zaun schauen. Elfmeterschießen üben wir nicht."

Der Stachel der Pokal-Pleiten in den vergangenen Jahren sitzt beim Hauptstadt-Club tief: Seit 28 Jahren warten die Hertha-Profis nun schon auf eine Endspiel-Teilnahme, und 1981 standen sie letztmals in der Runde der letzten vier. Nur die eigenen Amateure durften 1993 einmal im "deutschen Wembley" ran - seit 1985 wird das DFB-Pokalfinale ständig im Berliner Olympiastadion ausgetragen.

Hertha-Spieler erhalten bei Sieg angeblich 40.000 Euro

Manager Dieter Hoeneß sprach sogar davon, jeder in der Mannschaft wisse, dass er sich mit dem Pokalsieg "unsterblich machen" könne. Sollte sich der Bundesliga-Sechste beim Tabellen-Zweiten durchsetzen, gäbe es erstmals im laufenden Wettbewerb etwas für die Spieler zu verdienen: Die Rede ist von 40.000 Euro pro Akteur. Diese Summe sorgte bei den Schwaben für ungläubiges Staunen. "Dann bleibt dem Verein ja nichts mehr", meinte Veh. Teammanager Horst Heldt wollte zur Höhe der VfB-Sonderzahlung nichts sagen, aber "der Pokal ist eine gute Möglichkeit, Geld zu verdienen".

Im Vergleich zum 0:0 wird bei Berlin Arne Friedrich wieder in der Abwehr stehen. "Arne kann auch nach vorn Akzente setzen", sagte Götz. Bis auf die Rekonvaleszenten Yildiray Bastürk, Kevin Boateng und Sofian Chahed sind alle wichtigen Kräfte an Bord. Ob Christian Gimenez als zweiter Angreifer neben Marko Pantelic ins Team rückt, ließ Götz offen. (tso/dpa)

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