DFB-Pokal : Werder geht 1:0 in Führung

Im ersten von vier Nordduellen setzt sich Werder Bremen gegen zehn Hamburger durch und erreicht nach einem hitzigen Spiel dank Torhüter Tim Wiese im Elfmeterschießen das DFB-Pokalfinale.

Karsten Doneck
DFB-Pokal - Hamburger SV - SV Werder Bremen Foto: dpa
Packendes Duell: Das DFB-Pokal Halbfinale zwischen dem Hamburger SV und SV Werder Bremen -Foto: dpa

HamburgTim Wiese war nicht mehr zu halten. Der Torhüter von Werder Bremen sprintete quer über den Rasen des Hamburger Stadions und ließ sich von nichts und niemandem aufhalten, bis er in der Ecke der Bremer Fans angekommen war, um sich feiern zu lassen. Soeben hatte Wiese das Halbfinale des DFB-Pokals entschieden: Der Bremer hatte drei Elfmeter gehalten und so den 3:1 (0:1, 1:1, 1:1)-Sieg über den Hamburger SV gesichert. Werder hat damit das erste der vier aufeinanderfolgenden Partien gegen Hamburg gewonnen und zum neunten Mal das Endspiel des DFB-Pokals erreicht. Gegner ist dort am 30. Mai im Berliner Olympiastadion Bayer Leverkusen.

Eine andere entscheidende Szene hatte sich in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit ereignet. Es stand 1:1. Da fiel David Jarolim nichts anderes ein, als den ballführenden Bremer Mesut Özil an der Seitenlinie reichlich grob von den Beinen zu holen. Schiedsrichter Knut Kircher zückte zu Recht die Rote Karte. In Unterzahl hangelte sich der Hamburger SV, aufopferungsvoll kämpfend und mit einem überragenden Torhüter Frank Rost, gegen Werder Bremen durch die Verlängerung. 55 237 Zuschauer in der nicht ganz ausverkauften Hamburger Arena erlebten im Nordderby den absoluten Showdown: Elfmeterschießen. Da wurde dann Werder-Torwart Tim Wiese zum Helden. Die Elfmeter von Jerome Boateng, Ivica Olic und Marcell Jansen wehrte er ab.

Drei Ziele hatte der HSV bis gestern vor Augen: den Gewinn des DFB-Pokals und des Uefa-Pokals, dazu die deutsche Meisterschaft. Den DFB-Pokal kann die Mannschaft nun streichen. Werder Bremen indes ist auf dem besten Weg eine in der Bundesliga ziemlich verkorkste Saison noch zu einem guten Ende zu führen. Der Sieg im DFB-Pokal winkt – und im Halbfinale des Uefa-Pokals ist am 30. April und 7. Mai schon wieder der nun schon einmal bezwungene HSV der Gegner. Am 10. Mai empfängt Werder die Hamburger dann auch noch zum Bundesligaspiel. Nicht ausgeschlossen, dass die Bremer gleich alle hochfliegenden Hamburger Träume innerhalb von nur 19 Tagen restlos zerstören.

Trainer Martin Jol hatte mit Mladen Petric, Ivica Olic und Paolo Guerrero gleich drei Stürmer aufgeboten, wäre aber vielleicht besser beraten gewesen, wenn er erst einmal den Abwehrbereich gesichert hätte. Werder, offensiv eingestellt und flott kombinierend, bestimmte das Geschehen, durch viele Spielverlagerungen auf die Außen deckte die Mannschaft schonungslos die Schwächen des Gegners auf.

Und dann hat Werder eben auch noch zwei Freistoßspezialisten aus Brasilien. Für die eleganten Freistöße ist Diego zuständig, für die mehr brachialen steht Naldo bereit. Doch zumindest dem Hamburger David Jarolim scheint diese Stärke der Bremer noch unbekannt. Wie sonst konnte er sich in der Nähe des eigenen Strafraums ein plumpes Foul an Claudio Pizarro leisten? Aber, wie der späte Platzverweis bewies, war Jarolim als Kapitän an diesem Tage ja ohnehin stark übermotiviert. Den fälligen Freistoß nach dem Foul an Pizarro drehte jedenfalls Diego Richtung Torwinkel, HSV-Schlussmann Frank Rost wehrte mühsam mit einer Faust ab, den abprallenden Ball lenkte der heranstürzende Per Mertesacker zum 1:0 ins Netz.

Elf Minuten waren da gespielt, und der HSV bereicherte seine anfängliche Unsicherheit auch noch durch Nervosität. Keine vernünftige Aktion gelang in der Vorwärtsbewegung, Werder kontrollierte das Spiel. Vor allem Diego schüttelte – mäßig bewacht von Alex Silva – die gegnerische Abwehr tüchtig durcheinander.

Nach dem Wechsel legte der HSV zumindest kämpferisch zu. Ivica Olic schaffte da auf fast schon kuriose Weise den Ausgleich: Den ersten Schuss des Kroaten wehrte Torwart Tim Wiese mit dem Fuß noch ab, Guy Demel passte den Ball aber sofort wieder in den Strafraum, wo sich der zuvor am Boden liegende Olic schnell aufgerappelt hatte und mit der Fußspitze dem Ball den nötigen Dreh ins lange Eck gab. Die Hamburger gestalteten das Spiel danach offener – bis zu der Roten Karte gegen Jarolim. In der Verlängerung stand der HSV gehörig unter Druck, Torwart Rost verhinderte mehrfach einen Rückstand. Doch gegen Wieses Reflexe waren die Hamburger dann machtlos.

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