DFB-Pokal : Wie in der Vorbereitung

Der FC Bayern München kombiniert im Achtelfinale des DFB-Pokals wie im Training und deklassiert den VfB Stuttgart mit 5:1.

Oliver Trust[Stuttgart]
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Leicht und locker. Der FC Bayern steht im Viertelfinale.Foto: ddp

Eigentlich sollte die Vorbereitung auf die Rückrunde für die Spieler des VfB Stuttgart und des FC Bayern München gestern Abend ab 20.30 Uhr beendet sein. Es sollte das Achtelfinale des DFB-Pokals sein, doch was sich dann im Stuttgarter Daimler-Stadion abspielte, muss zumindest die Münchner an die locker leicht gewonnenen Testspiele der vergangenen Wochen erinnert haben. Die Stuttgarter wurden von den Bayern gnadenlos gedemütigt. Nach 45 Minuten stand es 3:0, nach 59 Minuten 5:0, unter den 55 400 Zuschauern setzte eine Massenflucht ein. Am Ende hieß es durch Tore von Bastian Schweinsteiger (2), Franck Ribéry, Luca Toni und Zé Roberto 5:1 (3:0) für den Rekord-Pokalsieger. Für die Stuttgarter, die ihre erste Pflichtspiel-Niederlage unter Teamchef Markus Babbel kassierten, traf kurz vor Schluss Mario Gomez.

Ribéry vergab überheblich einen Elfmeter

Babbel hatte überraschend Gomez als einzige Spitze aufgeboten, dafür das Mittelfeld gleich mit zwei Spielmachern – Jan Simak und Yildiray Bastürk – bestückt. War das bereits der entscheidende Fehler? Bastürk und Simak waren völlig überfordert. Die Stuttgarter konnten zu wenig Druck entwickeln und wurden von den Bayern geradezu demontiert. Ebenso überfordert war die gesamte Verteidigung des VfB. Gomez, der ohne jede Unterstützung blieb, gab einen einzigen Schuss ab, und Torhüter Jens Lehmann musste sich Schmähgesänge der Bayern-Fans anhören: „Lehmann, wir danken dir.“ Es dauerte zehn Minuten bis zur ersten Chance, die gleichzeitig der erste Hinweis auf den späteren Sieger war. Nach einer Flanke von Bastian Schweinsteiger köpfte der Argentinier Martin Demichelis den Ball aus vier Metern völlig unbedrängt übers Tor.

Vier Minuten später fiel die Führung für die Münchner, die den VfB schon durch einfache Temposteigerungen in Schwierigkeiten stürzten. Arthur Boka verlor unbedrängt den Ball an der Seitenlinie. Diesmal flankte Schweinsteiger nicht, er lief mit dem Ball aufs Tor zu und überwand Lehmann mit einem halbhohen Schuss. Vier Minuten später gelang den Bayern bereits das 2:0 durch Ribéry. Wie in einem Trainingsspiel passten sich die Münchner den Ball im Stuttgarter Strafraum hin und her, bevor Ribéry den Ball zum 2:0 über die Linie drückte.

Stuttgart wirkte geschockt

Die spielerische Überlegenheit der Bayern, durch die schwache VfB-Defensive noch entscheidend begünstigt, führte im Anschluss zu einer gewissen Überheblichkeit, die man sich allerdings leisten konnte. Nicht anders ist der aufreizend ausgeführte Elfmeter von Franck Ribéry zu erklären. Der Franzose schnibbelte den Ball lässig vom Elfmeterpunkt, um mit einem Heber zum Erfolg kommen. An sich eine schöne Idee, nur muss dazu der Torwart in eine Ecke springen, was Lehmann allerdings nicht tat. Er blieb einfach stehen und hätte den Ball sogar mit der Brust stoppen können. Aufreizend lässig war auch Luca Toni kurz vor der Pause. Der Italiener aber überwand Lehmann und traf zum 3:0.

Der Start in die Rückrunde verlief für die Bayern-Führung damit ganz nach Wunsch. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte von Trainer Jürgen Klinsmann und der Mannschaft gefordert: „Nachlegen, nur nicht nachlassen.“ Das taten die Bayern, trotz der beruhigenden Halbzeit-Führung, nach der Pause. Rummenigges Botschaft scheint also angekommen zu sein. Die Münchner diktierten auch in der zweiten Halbzeit das Spiel mühelos, die Stuttgarter hingegen schienen regelrecht schockiert vom frühen Rückstand. Als sei ein körperloses Spiel vereinbart worden, ließen sie die Bayern gewähren wie in einem Vorbereitungsspiel. Zuerst traf Schweinsteiger per Elfmeter nach einem Foul von Jens Lehmann an Zé Roberto zum 4:0, dann verwandelte der überragende Zé Roberto einen Steilpass von Luca Toni zum 5:0. Das 1:5 von Mario Gomez war bedeutungslos. Er wollte nicht einmal richtig jubeln.

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