• DFB-Pokal: Zwei Tore und zwei Banden: Ernüchterung bleibt beim türkischen Amateurverein SV Yesilyurt nach der unvergesslichen Verabredung mit Freiburg

Sport : DFB-Pokal: Zwei Tore und zwei Banden: Ernüchterung bleibt beim türkischen Amateurverein SV Yesilyurt nach der unvergesslichen Verabredung mit Freiburg

Andre Görke

Es war alles durchgeplant, bis ins kleinste Detail. Der türkische Amateurverein SV Yesilyurt hatte sich auf den größten Tag der Vereinsgeschichte wie ein Profiteam vorbereitet. Am Nachmittag noch sind die Spieler gemeinsam essen gegangen. Linsensuppe gab es, danach Spaghetti mit Champignonsoße. Anschließend sind sie gemeinsam in die Moschee gefahren, erzählt Yesilyurts Mannschaftskapitän Orhan Perktas. "Wir haben gebetet, dass wir im Pokal weiterkommen." Es nützte nichts. Am späten Freitagabend dann stand Perktas auf dem Rasen und weinte. Die Weddinger hatten im DFB-Pokal gegen den Bundesligisten SC Freiburg mit 2:4 (1:1) verloren.

"Ich werde dieses Spiel nie vergessen", sagt Perktas am Tag danach. Zweimal war Freiburg in Führung gegangen, zweimal schaffte es Yesilyurt, gegen die Profis den Ausgleich zu erzielen. 2:2 - eine Viertelstunde war da noch zu spielen, die Amateurkicker träumten von der Pokal-Sensation. Minuten später schossen die Freiburger zwei Tore. Yesilyurt war ausgeschieden. "Freiburg hat nicht besonders gut gespielt", sagt Trainer Mehmet Öztürk. "Aber sie haben clever gespielt, den Ball laufen lassen. Gegen einen Verbandsligisten hat das gereicht."

Es war nicht das türkische Fußballfest, mit dem Yesilyurt gerechnet hatte. Der Jahnsportpark in Prenzlauer Berg war nur spärlich gefüllt, die Stimmung für türkische Verhältnisse schlecht. "Wir sind enttäuscht", sagt Mannschaftskapitän Orhan Perktas. Mit "zehntausend Zuschauern" hatte er gerechnet. "Wir waren doch der einzige türkische Verein im DFB-Pokal gewesen", sagt er. Ins Stadion kamen 1900 Zuschauer, sagt Geschäftsführer Nail Kardesler. So viele hätten vermutlich auch auf die Tribünen in der Ungarnstraße gepasst, Yesilyurts Sportplatz im Weddinger Kiez. 35 000 Mark sind so in die Vereinskasse gespült worden. Weitere 60 000 Mark kommen an Fernsehgeldern vom Deutschen Fußball-Bund. Doch Kardesler hatte mit mehr gerechnet. "Die Resonanz bei den türkischen Sponsoren war enttäuschend", sagt Kardesler. Gerade einmal zwei Werbebanden haben sie an Sponsoren für das Pokalspiel verkaufen können.

Yesilyurt will in den nächsten Jahren die Nummer eins unter den türkischen Klubs werden. Der Verein will in die Regionalliga. Dorthin also, wo Traditionsklubs wie Eintracht Braunschweig oder Fortuna Düsseldorf spielen. "Wir wollen 2005 aufsteigen", sagt Kardesler. "Wirklich."

Derzeit spielen sie zwei Klassen tiefer, in der Verbandsliga. Da stehen sie auf dem 17. Tabellenplatz. Das letzte Spiel hat Yesilyurt 3:7 verloren. "Vielleicht ist es gut, dass wir gegen Freiburg ausgeschieden sind. Jetzt können wir uns auf die Verbandsliga konzentrieren", sagt Trainer Mehmet Öztürk. Es könne für den Kiez-Verein aus Wedding nicht das Ziel sein, "sich in der Verbandsliga zu etablieren", sagt er.

Das Pokalspiel ist ein bisschen in den Hintergrund gerückt. Was soll Öztürk auch noch zu dem Spiel sagen? Yesilyurt stand wie erwartet gegen den Bundesligisten auf verlorenem Posten. In ein paar Tagen spricht niemand mehr von ihnen. Zumindest die Trikots der Bundesligaspieler dürfen sie behalten. Mannschaftskapitän Orhan Perktas hat sich das Leibchen von Freiburgs Wladimir Butt geholt. Das hat er seinem fünfjährigen Sohn Toluncay geschenkt. Wenigstens hatte der einen Grund zur Freude.

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