DFB-Pokalhalbfinale : Bayern müht sich ins Endspiel

Bayern gewinnt ein schwaches Halbfinale bei Schalke mit 1:0 nach Verlängerung. Die Münchner treffen am 15. Mai in Berlin auf Werder Bremen.

Richard Leipold[Gelsenkirchen]
Ringkampf auf dem Rasen. Münchens Franck Ribery (re.) geht Schalkes Kevin Kuranyi an den Kragen.
Ringkampf auf dem Rasen. Münchens Franck Ribery (re.) geht Schalkes Kevin Kuranyi an den Kragen.Foto: ddp

Als hätten die Fußballprofis des FC Bayern München bei insgesamt sechs Spielen in drei verschiedenen Wettbewerben binnen neunzehn Tagen nicht genug an Überstunden, mussten sie schon zum Auftakt noch länger machen. Erst nach Verlängerung siegten sie im DFB-Pokalhalbfinale 1:0 beim FC Schalke 04. Dank einer Energieleistung und des Tores von Arjen Robben in der zweiten Hälfte der Verlängerung kommt im nationalen Pokalwettbewerb weitere Arbeit auf den Rekordmeister zu. Die Münchner, die zum 17. Mal im Endspiel stehen, treffen am 15. Mai in Berlin auf Werder Bremen, das am Dienstag ins Finale eingezogen war. Schalkes nächste Chance gegen Bayern lässt aber nicht lange auf sich warten. Am 3. April kommt es, abermals in der Gelsenkirchener Arena zum nächsten Gipfeltreffen, diesmal im Meisterschaftskampf.

Die Abteilung Attacke war schon vor der Partie geöffnet. Christian Nerlinger, der Sportdirektor des FC Bayern, hatte das Angriffsspiel ohne Ball vorangetrieben, als wollte er Uli Hoeneß nacheifern. Der frühere Manager, der inzwischen auf dem Präsidentenstuhl des Klubs thront, pflegte wie kein Zweiter mit seinen Worten abzulenken, wenn es darum ging, unangenehme Themen in den Hintergrund zu drängen. Nach alter Hoeneß-Art mokierte sich Nerlinger nun über die dürftige und angeblich von Fouls geprägte Spielkultur der Schalker, die in der Bundesliga mit nur noch einem Punkt Rückstand erster Verfolger des Tabellenführers aus München sind. Felix Magath, der Trainer und Manager des FC Schalke, konterte den Jungmanager süffisant aus. „Nerlinger hat in fünf Jahren Bundesliga 364 Fouls begangen. So viele wie kein anderer. Er muss also Experte sein.“

Schalke beschränkt sich aufs Verteidigen

Auf dem Rasen wurden Nerlingers Vorurteile nicht bestätigt. Weder erzeugten die Schalker allzu viel Gefahr im Standardformat noch fielen sie durch ungesunde Härte auf. Alexander Baumjohann, der für Joel Matip ins Mittelfeld gerückt war, gab nach Kuranyis Vorarbeit zwar einen Warnschuss aus der Distanz ab, doch mehr hatten die Westfalen in der ersten Hälfte nicht zu bieten; sie begnügten sich damit, ihre Ordnung zu halten – und den Gegner so gut wie möglich in Schach.

Der FC Bayern zeigten sich angriffslustiger. Die Münchner kamen besser ins Spiel und zügiger nach vorn, waren im Abschluss aber zu unproduktiv. Ivica Olic, Arjen Robben und Miroslav Klose vermochten drei gute Chancen nicht zu nutzen. So überstand Schalke den ersten Durchgang unbeschadet, auch ohne sich im Übermaß taktischer Fouls zu bedienen.

Nach der Pause ging die Heimelf, bei der Christoph Moritz den verletzten Marcelo Bordon ersetzte, forscher zu Werke. Ivan Rakitic und Kevin Kuranyi führten dem lange unbehelligten Bayern-Torwart Hans-Jörg Butt und dessen Vorderleuten vor Augen, dass die Bayern sich nicht zu sicher fühlen sollten.

Schalke erhöhte das Risiko, wagte sich weiter vor, erzeugte phasenweise auch Druck. Nach einer Stunde reagierte der Münchner Trainer Louis van Gaal und wechselte Franck Ribéry für Olic ein, um dem eigenen Offensivspiel wieder Flügel zu verleihen. Bayern lauerte nun auf Gegenstöße und auf Geistesblitze des Genius auf der linken Angriffsseite. Allmählich wurden die Bayern wieder mutiger und zielstrebiger – angesichts der Fülle von Aufgaben, die binnen kurzer Zeit auf die Mannschaft zukommen, wollten sie eine Verlängerung vermeiden. Das gelang ihnen nicht. Trotz einer Chance für Bastian Schweinsteiger kurz vor Ende der neunzig Minuten wurde es eine Spätschicht mit Überlänge. Die Ausdauer und die Mühe sollten sich lohnen: In der 112. Minute krönte Robben seine überragende Leistung mit dem entscheidenden Treffer.

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