DFB-Pokalhalbfinale gegen Dortmund : FC Bayern: Saison retten, Umbruch einleiten

Philipp Lahm und Xabi Alonso beenden ihre Karrieren, viele Leistungsträger sind in die Jahre gekommen. Die Münchner stehen vor einem Umbruch – doch vorher wartet Borussia Dortmund.

Auf Wiedersehen. Für Kapitän Philipp Lahm und Mittelfeldspieler Xabi Alonso ist nach dieser Spielzeit Schluss.
Auf Wiedersehen. Für Kapitän Philipp Lahm und Mittelfeldspieler Xabi Alonso ist nach dieser Spielzeit Schluss.Foto: Christof Stache/AFP

Die Sprache musste aufs Elfmeterschießen kommen. Da gab es ja zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund schon ein paar. Aber vor dem Halbfinalduell im DFB-Pokal an diesem Mittwoch in München geht es nur um jene Begegnung vor fast genau zwei Jahren, ebenfalls in der Runde der letzten Vier im zweitwichtigsten nationalen Wettbewerb. Das hatte der Rekordmeister damals kurios verloren und damit das Finale in Berlin verpasst.

Vier Münchner Schützen, vier Fehlschüsse, obendrein Philipp Lahm und Xabi Alonso beim Anlaufen auch noch ausgerutscht. Lahm mag sich vor der Neuauflage des ewigen Pokalduells der vergangenen fünf Jahre nicht mehr beschäftigen. „Ich denke immer nur an das letzte Spiel“, sagt der Kapitän, „und da habe ich gute Erinnerungen.“ Das war das Finale in der vergangenen Saison, das die Münchner gewannen – im Elfmeterschießen.

Das Halbfinal-Aus vor zwei Jahren war der Anfang vom Ende des Triple-Traums, dieses Mal ist die Partie gegen Dortmund für die Bayern die Chance, die Saison noch zu retten. So wäre zumindest die öffentliche Wahrnehmung, wenn in ein paar Wochen in den Trophäenschrank allein die Kopie der Meisterschale wandern würde. Die Bayern sehen dies anders. „Schlecht wäre die Saison, wenn wir gar keinen Titel holen“, sagt Lahm.

"Madrid ist vergessen"

Aber so geht es für den Weltmeister in seinen letzten Spielen als Fußball-Profi nur darum, ob die Saison „gut oder sehr gut“ werden wird. Das Double wäre ein Trost für den verpassten Champions-League-Sieg, ein schwacher Trost allerdings. Carlo Ancelotti machte sich über die bayerische Slapstick-Einlage vor zwei Jahren keine großen Gedanken, das war auch vor seiner Zeit als Trainer in München, und er hat in diesen Tagen genug damit zu tun, die Mannschaft nach dem Champions-League-Aus aufzurichten.

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„Das Spiel gegen Real hat viel Energie gekostet“, gibt er zu. Der Italiener ist sich sicher, dass seine Mannschaft heute von der ersten Minute an ein anderes Gesicht zeigen wird als am vergangenen Samstag gegen Mainz. „Madrid ist vergessen, wir sind fokussiert auf Dortmund.“ Mit Ausnahme des für die Partie noch fraglichen David Alaba und des verletzten Manuel Neuer stand Ancelotti beim Abschlusstraining der gesamte Kader zur Verfügung, auch die zuletzt angeschlagenen Innenverteidiger Jerome Boateng und Javier Martinez.

Scheitern beschleunigt Generationswechsel

Auch Ancelottis Arbeit wird daran gemessen, wie der FC Bayern in den letzten Wochen der Saison noch auftritt. In dieser heiklen Situation ist es ganz gut, dass der Trainer unaufgeregt reagiert, auch auf die Krisen-Diskussionen der vergangenen Tage, die rund um den FC Bayern zwangsläufig nach vier sieglosen Pflichtspielen in Serie geführt werden. Innerhalb von zwei Wochen wurde aus dem Triple-Favoriten auf dem Leistungszenit eine überalterte Mannschaft, die personell den Anforderungen auf höchstem Niveau nicht mehr standhält.

Ein Umbruch ist dringend notwendig, ohne Zweifel, daran hätte allerdings auch ein Erfolg gegen Madrid nichts geändert. Das Karriereende von Philipp Lahm und Xabi Alonso stand ja schon länger fest, und dass Schlüsselpositionen mit Spieler jenseits der 30 besetzt sind, ist auch nichts Neues. Aber ein Scheitern hat bei Bayern stets einen fälligen Generationswechsel beschleunigt – wie 2007, als sie die Qualifikation für die Champions League verpasst hatten. Für die aktuelle Mannschaft gilt es zu beweisen, dass sie körperlich und mental noch in der Lage ist, Rückschläge wegzustecken. Bis vor gut zwei Wochen hatte daran niemand gezweifelt. Jetzt scheint nur noch der FC Bayern selbst rundum zuversichtlich zu sein.

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