DFB-Präsident : Theo Zwanziger wird privat im Amt

Was bewegt Theo Zwanziger zur Rücktrittsdrohung? Warum will er gegen alle Ratschläge einen Journalisten verklagen? Weiß er wirklich, was er tut? Ja, sagt er selbst. Offenbar will sich der DFB-Chef selbst ausloten.

Robert Ide
Bundesdelegiertenkonferenz der Gruenen
Selbst angezählt. Theo Zwanziger (hier bei einer Versammlung der Grünen) setzt seinen Posten aufs SpielFoto: ddp

Er hat sich das alles sorgfältig überlegt. Er ist fest entschlossen. Für ihn ist das eine Gewissensfrage.

So reden sie im Deutschen Fußball- Bund (DFB) gerade von ihrem Präsidenten. In der dritten Person – um Verständnis ringend, aber auch etwas ratlos. Theo Zwanziger hatte am Montag überraschend seinen Rücktritt angeboten, sollte er seine juristische Auseinandersetzung gegen den freien Journalisten Jens Weinreich verlieren. Der hatte ihn in einem Internet-Blog als „unglaublichen Demagogen“ bezeichnet; Zwanziger sieht sich in seiner persönlichen Ehre verletzt. Nun fragen sich viele im DFB-Führungszirkel, was Zwanziger mit der Anstrengung eines Prozesses und der Verknüpfung mit seinem Verbleib im Amt bezwecken will. Auf die Frage, ob er wirklich wisse, was er tue, antwortet Zwanziger: „Ich bin mit mir absolut im Reinen.“ Ansonsten möchte er sich nicht mehr äußern.

Seit der Rücktrittsdrohungsankündigung fragen sich viele im Verband, warum Zwanziger gegen alle Ratschläge zu den äußersten Mitteln greift – in einem Streit, den viele als nebensächlich empfinden. Zwanziger, so berichten Funktionäre, von denen sich keiner zitieren lassen möchte, ist aber offenbar persönlich tief getroffen. Er hat öffentlich zu erkennen gegeben, dass er das Wort „Demagoge“ als Volksaufwiegler begreift und sich in eine Reihe mit Joseph Goebbels gestellt sieht – so will er sich angesichts seines Engagements gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nicht nennen lassen. Allerdings mochten zwei Gerichte dieser Argumentation nicht folgen und Weinreich den Begriff mit Verweis auf die Pressefreiheit keineswegs untersagen.

Was muss er im Amt ertragen, was nicht?

Der Streit um einen Begriff beantwortet noch nicht die Frage, warum Zwanziger nicht gelassener agiert. Begleitern, mit denen er in den vergangenen Tagen gesprochen hat, erklärte er, dass ihn genau das bewegt: Was lässt sein Amt zu, was nicht? Muss sich ein DFB-Präsident wie viele andere öffentliche Personen mit Worten belegen lassen, die er als Mensch kaum erträglich findet? Zwanziger gehe es offenbar um eine Art Standortbestimmung, berichten Vertraute, um eine Auslotung der Leistungsanforderung für seinen Posten. Wenn er sich schmähen lassen muss, so denkt er offenbar, will er das Amt nicht mehr ausüben. Allerdings muss man sich dann fragen, warum sich Zwanziger das nicht früher überlegt hat und weshalb er den Apparat des DFB wegen einer kaum wahrgenommenen Äußerung im Internet in Bewegung setzt. Zumal der ungute Eindruck entsteht, der Jurist Zwanziger wolle die Justiz öffentlich unter Druck setzen. Dass mit seiner Vorgehensweise der DFB in Mitleidenschaft gezogen wird, wie mancher Funktionär kritisiert, sieht Zwanziger offenbar nicht. Deshalb herrscht derzeit gespannte Unruhe in der Verbandszentrale in Frankfurt am Main. Viele fragen sich: Warum setzt er alles aufs Spiel?

Eine interne Opposition formiert sich nicht - noch nicht

Die Unruhe schlägt jedoch noch nicht in Unmut und gar eine interne Opposition um. „Man könnte ihn ja aus dem Amt treiben“, sagt ein Präsidiumsmitglied, „aber das will niemand.“ Ein Nachfolger läuft sich bislang nicht warm, weder öffentlich noch intern. Eine solche Situation könnte aber eintreten, wenn der Gerichtstermin im kommenden Frühjahr näher rückt. Dann muss Zwanziger schon mehr Souveränität zeigen und noch einen schweren Prozess gewinnen, um zu bleiben. Andernfalls ist ein Rücktritt unumgänglich.

Derzeit scheint der DFB-Chef fest entschlossen zu sein, auszuloten, was sein Amt von ihm verlangt. Am Montag, als er alles auslöste, sagte Zwanziger einen interessanten Satz: „Ich bin nicht der Herr Mayer-Vorfelder.“ Er will wohl nicht belächelt und verspottet werden wie sein Vorgänger. Manchen im DFB fehlt aber gerade das an Theo Zwanziger: die öffentliche Gelassenheit einer ledernen Haut.

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