DFB-Präsident : Zwanziger gerät ins Abseits – und wird wohl trotzdem gewählt

Am Freitag soll Theo Zwanziger erneut zum DFB-Präsidenten gewählt werden. Doch die Ausfälle des Mannes, der einst gesellschaftspolitische Themen hoffähig machte, nehmen zu. Selbst Kanzlerin Angela Merkel ist irritiert.

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Ich bin der Präsident! Immer wieder fühlt sich Theo Zwanziger emotional angefasst, wenn es um seine Person geht.
Ich bin der Präsident! Immer wieder fühlt sich Theo Zwanziger emotional angefasst, wenn es um seine Person geht.Foto: dpa

Die Distanz, die Bundeskanzlerin Angela Merkel zu ihm hält, ist auf einmal spürbar. Theo Zwanziger, stets um Aufmerksamkeit bemühter Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), schmerzt sie. Der Rechtsanwalt aus Altendiez, der sich im wichtigsten Sportverband des Landes ganz an die Spitze gearbeitet hat und sich dann im Amt mit gesellschaftspolitischen Themen über den Sport hinaus zu profilieren wusste, ist nicht mehr der erste Ansprechpartner, wenn sich die Kanzlerin mit Hilfe des Fußballs hervortun will.

So geschehen beim Länderspiel zwischen Deutschland und der Türkei vor zehn Tagen in Berlin. Merkel, gestresst von innenpolitischen Debatten um die Integration, suchte ein wenig Labsal auf der Ehrentribüne des Olympiastadions. Nachdem ausgerechnet der Deutsch-Türke Mesut Özil die deutsche Nationalmannschaft zum Sieg geschossen hatte, zog es sie gemeinsam mit dem neuen Bundespräsidenten Christian Wulff in die Kabine. Die Kanzlerin meldete sich bei Oliver Bierhoff an, dem Manager der Nationalmannschaft. Nicht bei Zwanziger. Als der DFB-Präsident dann in die Katakomben hinabstieg, war Merkel längst da und ließ sich mit dem nur mit einer kurzen Hose bekleideten Özil ablichten – ein schönes Symbol für die gelungene Integration durch Fußball, ein schönes Symbol auch für Merkel. Unmittelbar vor der Veröffentlichung des Bildes geschah erneut das für Zwanziger Unfassbare: Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw wurden gefragt, ob dem DFB das Bild genehm sei – nicht er, der Präsident.

Die Reaktion von Zwanziger wirft ein bezeichnendes Licht auf das Amtsverständnis jenes Mannes, der sich beim am Donnerstag in Essen beginnenden Bundestag seines Verbandes erneut für drei Jahre zum Präsidenten wählen lassen möchte. Nach Augenzeugenberichten beschwerte sich Zwanziger noch im Stadion beim für Sport zuständigen Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Auch im DFB-Präsidium brachte er das Thema zu Protokoll. Zudem ließ sich Zwanziger am Mittwoch öffentlich mit den Worten zitieren: „Mit den Abläufen war ich nicht einverstanden. Aber nach einem Anruf von Frau Merkel sind die Irritationen ausgeräumt.“ Dem Eindruck, Merkel habe sich bei Zwanziger entschuldigen müssen, wollte die DFB-Pressestelle auf Nachfragen nicht entgegentreten. Dafür tat das die Bundesregierung. „Es gab nichts, wofür sie sich hätte entschuldigen müssen“, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert, es habe sich nur um ein „klärendes Gespräch“ gehandelt. Könnte sein, dass es aufgrund der von Zwanziger heraufbeschwörten diplomatischen Verwicklungen noch weiterer Klärungen bedarf, bevor Merkel heute Abend als Ehrengast in Essen auf Zwanziger trifft.

Im DFB schütteln einige Funktionäre nur den Kopf über die Selbstbespiegelungen des 65-Jährigen. „Die Zahl seiner Aussetzer nimmt zu“, sagt einer aus dem Führungszirkel, der nicht genannt werden möchte. Auch wenn es protokollarisch angezeigt gewesen wäre, dass Merkel im Stadion zunächst den DFB-Chef konsultiert, sehen sich viele bestätigt: Allzu oft fühlt sich Zwanziger emotional angefasst, wenn es um seine Person geht. Dann schieben sich seine Gefühle vor sein Amt – was dem ihm verliehenen Amt nicht gerade dient.

Die Liste von Zwanzigers Verdiensten an der DFB-Spitze ist sehenswert: Er hat gesellschaftspolitische Themen in seinem Verband hoffähig gemacht, er hat die Aufarbeitung des Nationalsozialismus im Fußball vorangetrieben, für Integration, Schwulenrechte und Frauenfußball geworben. Glanzstunde war seine eindringliche Rede nach der Selbsttötung von Nationaltorwart Robert Enke.

Zuletzt aber produzierte er vor allem Schlagzeilen, die seinem Verband eher in ein flirrendes Zwielicht setzten: Er verkündete eine Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw, die dann erst mal platzte. Er schickte den Verband in einen juristischen Feldzug gegen einen Journalisten, der ihn angeblich beleidigt hatte. Er ergriff in der Affäre um einen möglichen Amtsmissbrauch von Schiedsrichtern zu früh Partei. Er drohte mehrmals mit Rücktritt – folgenlos.

Am Freitag soll Theo Zwanziger erneut zum DFB-Präsidenten gewählt werden, einen Gegenkandidaten gibt es nicht. Angela Merkel wird dann schon abgereist sein.

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