DFB : Schiedsrichter-Vorwürfe: Ein Fall mit vielen Fragen

Der Deutsche Fußball-Bund ermittelt wegen möglicher Belästigung bei den Schiedsrichtern. Der Bundesliga- und Fifa-Schiedsrichter Michael Kempter hatte Manfred Amerell, Mitglied des DFB-Schiedsrichterausschusses, vorgeworfen, dieser habe sich ihm "angenähert".

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Berlin - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) intensiviert seine Ermittlungen in der Angelegenheit um Manfred Amerell, der Mitglied des DFB-Schiedsrichterausschusses ist.  Es hat bereits erste Vernehmungen mit wichtigen Beteiligten gegeben, bestätigte der Verband am Donnerstag. „Wir prüfen den Fall so schnell wie möglich und vor allem so gründlich wie nötig“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger dem Tagesspiegel.

Der Bundesliga- und Fifa-Schiedsrichter Michael Kempter hatte Amerell vorgeworfen, dieser habe sich ihm „angenähert“. Ob es sich dabei um sexuelle Belästigung handeln soll, ist nicht geklärt. Die Vorwürfe erhob Kempter am 17. Dezember gegenüber Volker Roth, dem Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichterausschusses. Amerell, der sich inzwischen von seinen Aufgaben im DFB-Schiedsrichterausschuss aus „gesundheitlichen Gründen“ entbinden ließ, hat die Vorwürfe als „haltlos und aus der Luft gegriffen“ zurückgewiesen.

Michael Kempter gehört zu den besten deutschen Schiedsrichtern. Er kündigte gestern gegenüber dem „Südkurier“ an, „dass wir eine Presseerklärung erarbeiten. Alle Wahrheiten müssen auf den Tisch“. Wer mit „wir“ gemeint ist, sagte er nicht. Auch wann die Mitteilung erscheinen wird, teilte er nicht mit.

Ein hochrangiger Fußball-Funktionär, der Kempter seit Jahren gut kennt, hat wenig Zweifel an dem Wahrheitsgehalt seiner Aussagen. „Er ist ein korrekter, seriöser Mann, der privat eher unauffällig ist“, sagte er dem Tagesspiegel. Für den Funktionär ist Kempters Brief „ein Hilfeschrei“. Warum, fragt er, „soll er sich an den DFB wenden, wenn an den Vorwürfen nichts dran ist? Er könnte dabei ja nur verlieren.“

DFB-Präsident Theo Zwanziger kündigte weitere Vernehmungen an, mit denen Jörg Englisch als DFB-Justiziar beauftragt worden sei. Zuvor hatte DFB-Vizepräsident Rainer Koch seine Zuständigkeit für die Schiedsrichter abgegeben. Koch war erst am vergangenen Mittwoch von dem Fall Amerell informiert worden. „Diese fehlende frühzeitige Information durch den Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses ist für mich nicht hinnehmbar“, hatte Koch gesagt. Auf Nachfrage wollte er sich nicht äußern. Nach den Statuten sei der Präsident zu informieren und nicht der Vizepräsident, sagte allerdings Roth. „Genau das habe ich getan“, sagte er gestern. Zwanziger sagte am Donnerstag, er habe in der dritten Januarwoche von den Vorwürfen erfahren. Roth hätte ihm am 19. Januar Materialien zu dem Fall übergeben.

Kempter absolvierte eine Blitzkarriere als Schiedsrichter. Als 21-Jähriger pfiff er bereits Zweitligaspiele, nach der WM 2006 debütierte er in der Bundesliga. Schließlich ist er vor wenigen Wochen als Fifa-Schiedsrichter berufen worden.

Ein Schiedsrichter aus Kempters Verein VfR Sauldorf beschreibt den 27-Jährigen als „absolut korrekten, ehrlichen Typ“. Er sei sehr bodenständig. Kempter arbeitet als Bankkaufmann im badischen Pfullendorf und gilt auch dort als integer und angenehm. Er hatte aus Gefälligkeit ein paar Spiele des SC Pfullendorf gepfiffen, er ist sogar mal eingesprungen, als bei einem Spiel des SC Pfullendorf kurzfristig ein Schiedsrichter ausgefallen war.

Für den nächsten Bundesliga-Spieltag ist Kempter nicht eingeplant. Offenbar soll er vor möglichen verbalen Angriffen geschützt werden.

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