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DFB: Schwarzgeld für Blatter-Wiederwahl? : Wolfgang Niersbach erinnert sich plötzlich wieder

Vor knapp zwei Monaten gab sich der damalige DFB-Präsident Niersbach in der WM-Affäre noch unwissend. Jetzt sind ihm offenbar doch ein paar Details eingefallen.

Wolfgang Niersbach weiß offenbar doch mehr, als er vor knapp zwei Monaten der Öffentlichkeit glauben machen wollte.
Wolfgang Niersbach weiß offenbar doch mehr, als er vor knapp zwei Monaten der Öffentlichkeit glauben machen wollte.Foto: dpa

Die Nachricht von peinlichen Indiskretionen in der WM-Affäre erwischte den möglichen neuen DFB-Chef beim Ortstermin mit Flüchtlingen in Berlin. „Ich bedauere, dass Infos durchgestochen worden sind“, sagte Präsidentschaftskandidat Reinhard Grindel am Dienstag, nachdem Details aus dem externen Untersuchungsbericht der Ermittler beim Deutschen Fußball-Bund durchgesickert waren.

Den Inhalt der brisanten Aussagen - unter anderem von Ex-Präsident Wolfgang Niersbach gegen seinen langjährigen Freund Franz Beckenbauer - bestritt der DFB nicht.

Der Bericht der vom DFB beauftragten Frankfurter Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer soll frühestens im Februar fertig sein. Die „Bild“-Zeitung hat aber bereits jetzt Auszüge aus den Vernehmungsprotokollen publik gemacht - für den krisengeplagten DFB ein weiterer Tiefschlag.

Offenbar kommt der Maulwurf nicht aus dem eigenen Haus

„Bild“ zitierte aus den Vernehmungsprotokollen von Niersbach, Ex-Generaldirektor Horst R. Schmidt und Ex-DFB-Direktor Stefan Hans. Demnach habe sich Niersbach daran erinnert, dass Beckenbauer ihm 2002 nach der Wiederwahl von FIFA-Präsident Joseph Blatter gesagt habe: „Der ist auch mit meinem Geld gewählt worden.“ Ähnlich habe sich Hans geäußert. Beckenbauer habe auf die Frage, wem Blatter seine Wahl zu verdanken habe, auf sich selbst gezeigt. Zu diesen Darstellungen wollte sich Beckenbauer auf Anfrage am Dienstag nicht äußern.

Im Kern geht es um die 6,7 Millionen Euro (10 Millionen Schweizer Franken), die damals vom DFB an die FIFA flossen. Deren Zweck und Verbleib ist nach wie vor ungeklärt. Beckenbauer, der damalige Präsident des WM-Organisationskomitees, hatte in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ Ende November gesagt, dass man der FIFA-Finanzkommission zehn Millionen Franken habe bezahlen müssen, um den WM-Zuschuss von 250 Millionen Schweizer Franken zu bekommen. Dies ist auch die Version des DFB.

Ein Verdacht ist, dass die Summe verwendet wurde, um Stimmen für die Vergabe der WM 2006 zu kaufen. Ein zweiter, dass sie für Schmiergelder in Blatters Wahlkampf verwendet wurden. Auf eine entsprechende Frage hin hatte Beckenbauer gesagt: „Was soll ich sagen. Ich weiß es einfach nicht. Es bringt ja nichts.“ Der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder habe ihm geraten, sich nicht in FIFA-Interna einzumischen.

Niersbach soll Funktionen bei Uefa und Fifa behalten

Niersbach sitzt als DFB-Vertreter in den Exekutivkomitees der Europäischen Fußball-Union UEFA und des Weltverbandes FIFA - und das soll nach Ansicht des DFB auch so bleiben. Für eine Abberufung sieht der weltgrößte Sportfachverband weiter keinen Grund. „Die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung durch die Kanzlei Freshfields liegen zwar noch nicht vor, zum jetzigen Zeitpunkt gibt es aber keinerlei Anzeichen, dass Niersbach aufgefordert werden müsste, aus seinen Ämtern bei der UEFA und FIFA auszuscheiden“, sagte DFB-Interimspräsident Rainer Koch der „Sport Bild“ (Mittwoch).

Niersbach war am 9. November als Verbandschef zurückgetreten, nachdem er im Skandal um eine dubiose 6,7-Millionen-Euro-Zahlung vor der WM 2006 in Deutschland eine schlechte Figur gemacht hatte. Bei der UEFA soll Niersbach dem DFB weiter bei der Bewerbung um die Europameisterschaft 2024 helfen.

„Er hat über Jahrzehnte sehr viele internationale Kontakte aufgebaut. Es wäre ja töricht, sein Angebot, uns Türen zu öffnen und sich für unser Vorhaben einzusetzen, auszuschlagen“, sagte Koch. Zudem solle Niersbach die weitere Aufklärungsarbeit beim DFB durch die externen Freshfields-Ermittler auf internationaler Ebene vermitteln.

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