DFB-Studie : Weniger Rassismus in deutschen Stadien

Während der DFB wegen der Krawalle beim EM-Qualifikationsspiel in Bratislava in der Kritik steht, ist laut einer Studie des DFB-Sicherheitsbeauftragten Sengle die Gewalt in deutschen Stadien zurückgegangen.

Köln - Nach den erneuten Ausschreitungen deutscher Hooligans beim EM-Qualifikationsspiel in der Slowakei (4:1) fordern Fan-Betreuer eine bessere Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Der Leiter der Koordinationsstelle Fan-Projekte bei der Deutschen Sportjugend, Michael Gabriel, kritisierte, dass der DFB für Fans bei Auswärtsspielen zu hohe Hürden gesetzt habe. Der DFB kündigte derweil an, seinen Kampf gegen Rassismus und Gewalt im Stadion zu verstärken.

"Rechtsradikale Wirrköpfe" hätten im Stadion nichts zu suchen, sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Alfred Sengle bei der Vorstellung einer Studie des Bundesinstituts für Sportwissenschaft zum Wandel des Zuschauerverhaltens im Profifußball. Nach Sengles Beobachtung sei das Verhalten mancher Fans bei Auswärtsspielen der deutschen Elf eindeutig rechtsextrem.

237 Krawallmacher an Einreise gehindert

Rund um das Länderspiel in Bratislava hatten sich gewaltbereite deutsche Hooligans in der Nacht zum Donnerstag Auseinandersetzungen mit der slowakischen Polizei geliefert. Nach Angaben der Polizei wurden 42 deutsche Gewalttäter verhaftet.

Nach einem Bericht der "Sächsischen Zeitung" haben deutsche und slowakische Sicherheitsbehörden 237 Hooligans an der Reise zum Länderspiel in Bratislava gehindert. "Damit ist der harte Kern der gewaltgeneigten und gewaltbereiten Hooligans in Deutschland geblieben", sagte eine Sprecherin von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). 121 deutschen Staatsangehörigen sei die Ausreise untersagt worden, 116 "Problemfans" sei die Einreise in die Slowakei von der slowakischen Polizei nach Beratung durch die deutsche Bundespolizei verweigert worden.

Im Ausland leichter auffallen

Dass es immer wieder bei Auswärtsspielen der DFB-Elf in Osteuropa zu solchen Ausschreitungen kommt, hat laut der in Berlin vorgestellten Studie mehrere Gründe. "Fangruppierungen haben hier eher die Chance, durch rechtsextremistische Äußerungen aufzufallen", heißt es. Zudem ließe sich dort die restriktive Kartenpolitik des DFB leichter umgehen.

Obwohl es in der jüngsten Zeit wieder rassistische Ausfälle gegen dunkelhäutige Profis auch in Bundesligastadien gab, sei dieser offene Rassismus dort aber eher zur Ausnahme geworden, sagte Gunter Pilz, der die Studie zum Zuschauerverhalten angefertigt hatte. Der Professor der Leibniz-Universität Hannover stellte aber eine "Verlagerung des verbalen Rassismus in das Umfeld der Stadien und in die unteren Ligen" fest.

Probleme vor allem in Sachsen

Der Fan-Projekt-Koordinator Gabriel kritisierte, dass die bundesweit erfolgreichen Fanprojekte in den östlichen Bundesländern zu wenig materielle Unterstützung von staatlicher Seite erhielten. Zwar sei es in der Bundesliga und der zweiten Liga gelungen, die "Gewalt aus dem Stadion zu verdrängen". Doch gebe es "vor allem in Sachsen" noch Probleme. In Chemnitz, Dresden Leipzig, Aue und Zwickau gebe es "schlechte Bedingungen für Fanprojekte". (tso/ddp)

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