DFL-Kritik : "Finanzströme vom DFB prüfen"

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will nach Auskunft von Präsident Holzhäuser den Grundlagenvertrag mit dem DFB überprüfen. Die Suche nach seinem Nachfolger gehe indes mit Hochdruck weiter, so Holzhäuser.

Leverkusen - "Die Finanzströme zwischen DFB und DFL sind nach sieben Jahren des Zusammenwirkens bearbeitungsbedürftig", erklärte Wolfgang Holzhäuser, der Präsident des Ligaverbandes DFL. Der Geschäftsführer von Bundesligist Bayer 04 Leverkusen erhofft zudem, in Zukunft größere Einnahmen durch die Vergabe der Fernsehrechte zu erzielen. "Der internationale Vergleich zeigt, dass da noch Entwicklungspotenzial drin sein müsste." Allerdings könnte dies zu Lasten der öffentlich-rechtlichen Sender gehen. "Free-TV ist nun mal keine heilige Kuh", meinte er.

Die Suche nach einem neuen Liga-Chef, der im August den nach dem Tod von Werner Hackmann für eine Übergangszeit gewählten Holzhäuser ablösen soll, schreitet voran. "Die Arbeit der Unternehmensberatung, die ein Wunschprofil für einen neuen Präsidenten erstellen sollte, ist abgeschlossen", so der 57-Jährige. "Eines ist klar geworden, zumindest die Vereine hätten nichts dagegen, wenn der zukünftige Präsident eine gewisse Sportaffinität besitzt." Es gäbe Kandidaten, die passen würden. "Stallgeruch ist dabei nicht schlecht. Wenn es jemand ist, der diesen nicht hat, wäre das kein K.o.-Argument". Holzhäuser: "Interessant wären Michel Platini oder Joseph Blatter, aber die sind wohl nicht zu kriegen. Und Angela Merkel geht auch nicht. Der fehlt etwas der Stallgeruch."

Genaue Prüfung der DFB-Finanzverwendung

Nicht zufrieden ist die DFL mit dem Geld, das der DFB nach der bisherigen Vereinbarung an den Profifußball abgibt. "Beim DFB muss man sich im Klaren sein, dass quasi jeder Euro, den der DFB einnimmt direkt oder indirekt von der Bundesliga oder Zweiten Liga kommt", argumentiert Holzhäuser. Dies bedeute in der reinen Lehre: Alles, was nicht für die Erfüllung seiner gemeinnützigen Aufgaben aufgewandt werden müsse, stehe den Bundesligavereinen zu. "Die Klubs sind sich aber bewusst, dass der DFB für Aufgaben wie Nachwuchsförderung, Schiedsrichter oder Strafgerichtsbarkeit ausreichend Finanzmittel benötigt", sagte er, "ob dies alles noch in einem richtigen Verhältnis zueinander steht, wie der DFB beteiligt ist, bedarf einer genaueren Prüfung."

Erfreut zeigte er sich über den Verlauf der 44. Bundesliga-Saison, deren Titel- und Abstiegskampf spannend wie selten zuvor war. "Der Meisterschaftskampf war sensationell und zeigt, dass die Bundesliga in der Breite stärker besetzt ist, als viele vermuten", resümierte er. Als Vorbild für andere Klubs sieht er den VfB Stuttgart, der am Samstag den Titel holen kann. "Der VfB Stuttgart hat, egal ob er Meister oder Zweiter wird, die phänomenalste Leistung in dieser Saison gebracht", sagte Holzhäuser. "Ich freue mich, dass es möglich ist, mit einer jungen Mannschaft und mit wenigen Stars deutscher Meister zu werden." Dies gäbe Hoffnung für andere Vereine. "Ich kann da nur den Hut vor ziehen."

Trost für Schalke

Trost hat er für den lange die Liga dominierenden FC Schalke 04. "Am Ende abgefangen zu werden, ist bitter. Zweiter oder Dritter zu werden, ist aber auch etwas wert." Dem auf einen Uefa-Cup-Rang abgeschlagenen Rekordmeister Bayern München traut er ein Comeback in der kommenden Spielzeit zu. "Der FC Bayern wird immer ein Verein sein, der unter den ersten drei, vier Vereinen anzusiedeln ist", sagte Holzhäuser. "Die Bayern werden wieder angreifen."

Mehr Einnahmen erhofft er sich durch die Versteigerung der Fernsehrechte von der Saison 2009/2010 an. Bisher werden 420 Millionen Euro pro Spielzeit erlöst. "Es wird darum gehen, ob man dem Pay-TV eine größere Plattform, eventuell mehr Exklusivität gibt", meinte Holzhäuser. "Man muss über das Free-TV nachdenken, es möglicherweise auch einschränken, um Entwicklungspotenziale zu nutzen. Das wird der springende Punkt sein." (Von Andreas Schirmer, dpa)

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