Sport : Diagnose: Notstand

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Berlin (dpa). Franz Beckenbauer spricht von „Notstand“, Teamchef Rudi Völler aber gibt sich kämpferisch, und Kapitän Oliver Kahn warnt vor Panik. „Wir haben schon noch Alternativen“, sagte Völler und reagierte damit auf die erwartete Diagnose bei Nationalspieler Jens Nowotny: Kreuzbandriss und WM-Aus. „Natürlich ist es eine furchtbare Sache für Jens und uns alle. Er war für die WM eine ganz wichtige Figur.“

„Wir müssen schauen, dass wir trotzdem eine schlagkräftige Mannschaft zusammenbekommen“, sagte Kahn, „ich würde aber nicht panisch reagieren.“ Auf jeden Fall werde er das Problem „intern lösen“, sagte Völler, ohne auf n und taktische Varianten eingehen zu wollen. Montag wird der Teamchef seinen vorläufigen WM-Kader berufen. „Wir werden einige Dinge ausprobieren“, sagte Völler und kündigte für die verbleibenden vier Wochen bis zum ersten WM-Spiel am 1. Juni gegen Saudi-Arabien eine Experimentierphase an. Nowotnys Klubkollege Carsten Ramelow dürfte erste Wahl für den Posten des Abwehrorganisators sein, schon vor dem Testspiel gegen Argentinien (0:1) ließ Völler im Training diese Variante üben. Außerdem könnte Jens Jeremies vom FC Bayern einspringen. Völler räumte ein, dass Nowotny mit der schweren Verletzung einen hohen Preis für seinen unermüdlichen Einsatz zahlen muss. „So eine Verletzung kommt, wenn du nicht hundert Prozent Fitness hast“, sagte der Teamchef, der vor Wochen gewarnt hatte: „Jens ist an der obersten Grenze der Belastbarkeit angekommen.“

Leverkusens Manager Reiner Calmund wies darauf hin, dass sich Nowotny für Bayer und die Nationalelf „fit spritzen“ ließ: „Er ist immer vorangegangen, hat sich nie geschont.“ „Langsam wird es eng. Nowotny ist schwer zu ersetzen“, sagte Beckenbauer. Der Teamchef vermied jede Hektik, auch wenn ihm das Aus für Nowotny „noch einige Tage in den Knochen“ stecken werde: „Das Problem mit Verletzten haben auch andere Nationen.“

Völler muss zum Saison-Finale noch mit seinen Nationalspielern zittern. Mit Michael Ballack (Leverkusen), Sebastian Deisler, Marko Rehmer (beide Hertha BSC), Christian Ziege (Tottenham) und Christian Wörns (Dortmund) sind weitere WM-Kandidaten angeschlagen oder noch nicht wieder genesen. Mehmet Scholl hatte bereits vor ein paar Tagen seinen WM-Verzicht erklärt.

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