• Dick van Burik hat das Zeug zum Führungsspieler, muss für diese Rolle aber noch einiges lernen

Sport : Dick van Burik hat das Zeug zum Führungsspieler, muss für diese Rolle aber noch einiges lernen

Frank Bachner

So einer ist Führungsspieler? Läuft im Training immer am Ende der Gruppe, weil sonst seine Muskeln übersäuern, ist seit drei Jahren im Verein und war fast die Hälfte dieser Zeit verletzt, hat nur eine Ausbildung als biederer Manndecker, und wenn er den Mund aufmachte, hörte kaum einer zu. So einer ist natürlich kein Führungsspieler. Aber so einer ist gerade auf dem Weg, einer zu werden. Dirigiert jetzt die Abwehr, war monatelang nahezu verletzungsfrei, und raues Kommandieren lernt er gerade.

Dick van Burik arbeitet sich derzeit hoch in der Hierarchie von Hertha BSC. Kjetil Rekdal ist weg, der dominante Libero, eine Lücke ist frei. Dick van Burik besetzt sie. Der 26-Jährige besetzt sie schon länger, weil Rekdal verletzt war und nicht mehr in Form kam. Deshalb organisiert van Burik seit Beginn dieser Saison die Berliner Abwehr, aber eigentlich hat er Rekdals Rolle wirklich nur besetzt und noch nicht richtig ausgefüllt. Rekdal ist ein Leitwolf, selbstbewusst bis zur Arroganz, einer, der kommandiert und schon mal den Trainer anraunzt. Van Burik wirkte immer nur wie der Stellvertreter, auch als Rekdal längst auf der Bank saß.

Jetzt ist Rekdal weg und damit der Schatten, den er warf. Van Burik stand immer in diesem Schatten. Ein paar Mal versuchte er heraus zu kommen, aber das waren bescheidene Versuche. "Ich sag nicht: Hej Kjetil, hier hast du deinen Platz zurück. Das wäre ein bisschen blöd von mir", erzählte er im April 1999, nach dem Spiel gegen den VfB Stuttgart. Daber wirkte er wie ein Knirps, der einem älteren Raufbold mit zitternden Knien erzählt, dass er keine Angst vor ihm habe. Aber auch als er, in der Champions League beim Spiel gegen Chelsea, die Abwehr gut dirigierte, hinterließ er nicht den Eindruck einer spielbestimmenden Persönlichkeit. Er war eine Größe, die ihren Glanz verlor, sobald sie das Feld verließ.

Ist van Burik eine Führungsfigur? "Schwer zu sagen", sagt sein Trainer Jürgen Röber. "Aber er hat auf jeden Fall das Zeug dazu." Er hat alles, was einer braucht, um bei Kollegen anerkannt zu werden. Sehr schnell, kopfballstark, technisch gut. Die Kollegen registrieren so etwas sofort. Sie sehen, wo sie einen in der internen Hierarchie einordnen müssen. Van Burik hätten sie eigentlich sofort akzeptieren müssen. Aber der Holländer war zu oft verletzt. Er hatte Probleme mit den Adduktoren und mit seinen Muskeln. Er konnte nicht beweisen, dass er in der Hierarchie nach oben gehört. Erst hörten die anderen ihm nicht mehr richtig zu, später glaubte er sich selbst nicht mehr. Dann stellte van Burik auch noch fest, dass seine Muskeln schnell übersäuern. Er verzichtete daraufhin auf Fleisch und auf große Belastung. Monatelang war er anschließend meist verletzungsfrei. Und Rekdal ist weg. Für van Burik sind das zwei Glücksfälle. Aber auch Verpflichtungen. Röber hat ihn zum unumstrittenen Abwehrchef gemacht, jetzt muss er ein Führungsspieler werden. "Dick ist verantwortlich dafür, dass im Mittelfeld keine Löcher entstehen", sagt Röber. Notfalls muss der Holländer seine Kollegen anbrüllen. Der angehende Führungsspieler van Burik kann das aber noch nicht richtig. "Er muss noch lauter werden", sagt Röber. Die anderen rechnen damit. Sie hören ihm jetzt zu.

Aber van Burik ist eine Persönlichkeit auf Bewährung. Stark genug, um wahrgenommen zu werden, aber noch zu empfindsam, um Fehler einfach wegzustecken. Van Burik denkt nach Fehlern noch lange nach. Wie in Barcelona. Van Burik leistete sich einen Fehler nach dem anderen, wohl auch, weil er zu lange nachdachte. Rekdal hätte die Fehler abgehakt und später behauptet, er sei gut gewesen. Und sein Trainer hätte über so viel Ignoranz den Kopf geschüttelt. So weit ist van Burik noch nicht. Wenn er doch mal so redet, dann hat er es geschafft.

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