Sport : Dicke Backe ohne Kampf - Thomas Ulrich fällt krankheitsbedingt aus

Ingo Wolff

Normalerweise hat ein Boxer erst nach dem Kampf ein geschwollenenes Gesicht. Bei Thomas Ulrich ist das diesmal anders. Der Berliner Boxprofi musste sich vergangenen Sonntag einer schmerzvollen Zahnbehandlung unterziehen, bei der ein vereiterter Backenzahn entfernt wurde. Folglich hat Ulrich nun eine dicke Backe, die ihn am Kämpfen hindert.

Das wäre als solches nicht besonders erwähnenswert, würde der 25-Jährige nicht am Sonnabend im Rahmen einer langen Boxnacht im Convention Center des Estrel Hotels um die Interkontinentale Meisterschaft nach Fassung der World Boxing Organisation (WBO) kämpfen müssen. Am Montag hieß es aus dem Universum-Boxstall zwar noch, dass - trotz eines Trainingsverbots bis Dienstag - der angesetzte Kampf im Halbschwergewicht gegen den US-Amerikaner Cleveland Nelson stattfinden wird. Doch aus der ärztlichen Vorsichtsmaßnahme wurde schließlich eine Absage, weil sich nach dem Eingriff eine Entzündung bildete, die Ulrich nun zur Bettruhe zwingt.

Die Nachricht verbreitete sich beim gestrigen Showtraining nur langsam, lediglich Ulrichs Trainer Dietmar Schnieber wusste vom Boxverbot. Der zeigte sich nach dem Aus seines Schützling enttäuscht, hatte er bis vorgestern noch auf eine Genesung gebaut. Aber die Behandlung und deren Folgen bedeuten eine zu große Schwächung. Nun sind sechs Wochen Arbeit hinfällig.

Alle anderen Beteiligten wirkten am Rande des provisorischen Boxrings im glasüberdachten Hotelfoyer recht ratlos, wurden sie doch von der Meldung überrascht. Zwischen Bäumen und Wasserfällen auf dem nachgebildeten südländischen Marktplatz wurde über eine Absage des Kampfabends aber nicht nachgedacht. Immerhin seien bereits die Hälfte der 3500 Karten verkauft. Für die Boxpremiere in der neuen Arena an der Sonnenallee zeichne sich danach ein volles Haus ab. Denn es stehen schließlich auch ohne den Kampf des Publikumslieblings Ulrich neun weitere interessante Fights auf dem Programm. So die WM-Titelverteidigung von Artur Grigorian und die von Regina Halmich.

Die Augen der Berliner Zuschauer und vor allem die der türkischen Fans werden nun auf einen anderen gerichtet sein. Oktay Urkal trifft im Superleichtgewicht auf Europas Nummer eins, den Russen Michail Kriwolapow. Es geht um den EM-Titel und Urkals Verteidigung der Interkontinentalen Meisterschaft der WBC. Dass der 30-Jährige jetzt im Mittelpunkt steht, stört ihn nicht, eher der starke Gegner. "Mich hat schon das Video umgehauen." Wer wen am Ende wirklich umhaut und eine dicke Backe verpasst, wird sich am Sonnabend (ab 19 Uhr) entscheiden.

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