Sport : Die Achterbahn-Karriere von Vijay Singh erreicht den Gipfel

Als Vijay Singh im Gefühl des sicheren Sieges zum 18. Loch des Augusta National Golf Clubs hinauflief, schloss er endlich Frieden mit sich selbst. "Meine ganze Karriere war ein einziger Kampf. Aber heute weiß ich, dass sich jede Sekunde davon gelohnt hat," sagte der 37 Jahre alte Profigolfer von den Fidschi-Inseln, der in seiner Laufbahn von glorreichen Turniersiegen bis hin zu Sperren wegen Betrugsverdachts sämtliche Facetten seines Sports durchlebt hat. Der frühere German-Open-Gewinner sicherte sich mit 278 Schlägen den US-Masters-Titel und verwies den Südafrikaner Ernie Els (281) sowie das US-Trio David Duval (282), Loren Roberts (282) und Woods (284) auf die Plätze hinter sich.

Bernhard Langer hätte seine 18. Masters-Teilnahme dagegen lieber bei Halbzeit (Platz sieben) beendet. "Die ersten beiden Tage hatte ich Spaß, danach ging nicht mehr viel zusammen", sagte der Anhausener nach seiner enttäuschenden 76er-Abschlussrunde, die ihm im Gesamtklassement mit 293 Schlägen nur Rang 28 einbrachte.

Die wundersame Odyssee des Vijay Singh ist beendet. Der Mann, dessen Ruf als Golf-Globetrotter ihn jedes Jahr in sämtliche Kontinente führte, feierte seinen größten Triumph ausgerechnet dort, wo er in der Vergangenheit regelmäßig ein Non-Faktor war. "Papa, glaube an deinen Golf-Schwung" hatte ihm sein neunjähriger Sohn Qass als Botschaft auf die Golftasche geklebt, Ehefrau Ardena forderte den notorisch schwachen Putter auf, die Grüns in Augusta zu lieben, weil sie dann ihre Bedrohlichkeit verlören.

"Die ganze Woche habe ich wie in Trance gespielt, es war unglaublich", resümierte Singh, der für seinen zweiten wichtigen Titel nach der US-PGA-Championship 1998 die Rekordprämie von 828 000 Dollar kassierte. Erinnerungen an 1985, als er wegen des Verdachts der Schummelei von der Tour verbannt wurde und sich für 160 Dollar im Monat als Golflehrer verdingen musste, waren vergessen, als Singh nach Spielende den Ball küsste und in Triumphatorpose die minutenlange Standing Ovation genoss. Von der dritten Runde an hatte der Mann mit dem wohl elegantesten Schwung aller Profis das Feld von der Spitze kontrolliert, die Führung auch nicht abgegeben, als ihm David Duval am Sonntag ein atemberaubendes Birdie-Duell lieferte. Selbst als Ernie Els zu einem fulminanten Schlussspurt ansetzte, reagierte Singh am 18. Loch "Master-lich" und raubte seinen Konkurrenten mit einem abschließenden acht Meter langen Birdie-Putt die letzten Chancen.

"Dieser Sieg gibt Selbstvertrauen. Jetzt werde ich wohl noch mehr Turniere gewinnen können", prophezeite der Weltranglistenachte, nachdem ihm der am Cut gescheiterte Vorjahressieger Jose Maria Olazabal das grüne Sieger-Jackett übergestreift hatte. Tiger Woods, dessen Aufholjagd seine rabenschwarze Serie zu Beginn des Turnieres nicht egalisieren konnte, verkündete im Namen der Unterlegenen scherzhaft das Tagesmotto: "I Singh the Blues." Dazu hätte auch Bernhard Langer allen Grund gehabt. Nach gutem Beginn baute der Deutsche im Turnierverlauf immer mehr ab und ließ vor allem Schwächen im langen Spiel erkennen.

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