Sport : Die Ärzte irrten sich – nun leidet SCC-Volleyballer Marcus Böhme

Karsten Doneck

Berlin - Die Diagnose war niederschmetternd: Mittelfußbruch, Knorpelschaden am Sprunggelenk, zwei Bänder gerissen. Marcus Böhme, Volleyballer beim SC Charlottenburg und gerade in dieser Saison zu einem Leistungsträger herangewachsen, wird seiner Mannschaft in diesem Jahr nicht mehr zur Verfügung stehen. „Wir haben einfach den Mist an den Hacken“, artikuliert SCC-Manager Kaweh Niroomand recht drastisch seinen Ärger über das Verletzungspech. „Das ist jetzt schon das vierte Jahr in Folge, in dem unsere besten Spieler vom Verletzungspech heimgesucht werden: erst zweimal Spirovski, dann Skach, Steinke, Vasic – es ist einfach zum Verzweifeln.“

Passiert ist Marcus Böhme die Verletzung Anfang voriger Woche im Trainingslager der Nationalmannschaft. Am Dienstag wurde der 22-jährige Mittelblocker in der Uniklinik Heidelberg untersucht. Zwei Röntgenaufnahmen aus zwei Winkelstellungen brachten frohe, aber auch falsche Kunde: nichts gebrochen, nichts gerissen.

Marcus Böhme selbst erzählte später, dass er nach dieser ersten Diagnose sogar noch Lauftraining gemacht habe. „Ich weiß nicht, ob da nicht noch mehr kaputtgegangen ist“, sagt er. Er flog am Mittwoch sogar noch mit zu den Länderspielen nach Italien, kapitulierte dann aber vor den Schmerzen. In Berlin wurde SCC-Trainer Michael Warm informiert, dass Böhmes Verletzung vielleicht doch schlimmer sei als zunächst angenommen.

Was danach passierte, versetzt den SCC in Rage. Niroomand macht dem Deutschen Volleyball-Verband (DVV) schwerste Vorwürfe. „Nach dessen Plan wäre Böhme frühestens am Montag nach Berlin zurückgekommen. Die haben angeblich keine Flüge für ihn buchen können“, schimpft der Manager und nennt das Verhalten des DVV „ein einziges Desaster“. Trainer Michael Warm nahm sich der Sache an, buchte telefonisch aus Berlin den Heimflug für Böhme. Der kehrte am Freitag zurück, wurde am Nachmittag vom SCC-Mannschaftsarzt Oliver Miltner geröntgt – diesmal aus vier Winkelstellungen. Und fortan herrschte Klarheit über Art und Schwere der Verletzung.

Trainer Warm wird seine Mannschaft nun wieder umbauen müssen. Spirovski, zuletzt auf der Diagonalposition überzeugend, kehrt anstelle von Böhme zum Mittelblock zurück, die eigentlich noch in der Rekonvaleszenz befindlichen Steinke und Vasic teilen sich die Diagonalposition. Niroomand sagt voller Sarkasmus: „Wir werden schon noch sechs Leute zusammenbekommen.“ Karsten Doneck

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