Die Affäre Hoffenheim : Das Doping-Fällchen

Der Deutsche Fußball-Bund stellt das Verfahren gegen die Hoffenheimer Spieler Ibertsberger und Janker ein: Sie hätten nicht gewusst, dass sie zur Dopingprobe ausgelost waren. Dafür klagt der DFB nun ihren Verein an.

Oliver Trust[Frankfurt am Main]
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Rainer Koch

Für Andreas Ibertsberger und Christoph Jancker wird der Dopingfall von Mönchengladbach keine Konsequenzen haben. Ihrem Klub TSG Hoffenheim und dessen Dopingbeauftragten Peter Geigle aber drohen in einem neuen Verfahren weiter drastische Strafen. Von einer Geldbuße von bis zu 150 000 Euro bis zu Punktabzügen ist die Rede. Die beiden Profis der TSG müssen wohl keine Sperre fürchten, der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird das Verfahren vorerst einstellen, weil ihnen kein Verschulden nachzuweisen ist. Die beiden Spieler waren nach dem Bundesliga-Spiel am 7. Februar rund zehn Minuten zu spät zur Kontrolle erschienen.

Der DFB-Kontrollausschuss wird dagegen Anklage gegen Hoffenheim und Geigle erheben und eine mündliche Verhandlung beantragen. Eine Weigerung, die Probe abzugeben, sei Ibertsberger und Janker nicht nachzuweisen gewesen, sagte Robert Weise vom DFB-Kontrollausschuss. Beide hätten erst in der Kabine von ihrer Auslosung erfahren. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) wird gegen dieses Vorgehen des DFB vorerst nicht einschreiten.  „Wenn es so ist, wie es vom DFB dargestellt wurde, dann ist die Konsequenz richtig, dass es keine Sperre für die Spieler gibt, aber wir werden alles prüfen“, sagte Nada-Justiziarin  Anja Berninger der Deutschen Presseagentur.

Die Ermittlungsergebnisse des DFB offenbaren aber ein Chaos bei der TSG und zeigen den bedenklichen Umgang einer ganzen Branche mit dem Thema Doping. Der Dopingbeauftragte Geigle habe, so dessen Aussage, vergessen, die Spieler zu informieren, obwohl er seit der 75. Minute die Namen kannte. Er habe die üblichen „roten Formulare“ in der Hand von Mannschaftsarzt Dr. Pieter Beks gesehen und deshalb angenommen, Beks habe sich der Sache angenommen. Beks will später bei einem Kontrollgang in die Dopingkontrollräume das Fehlen von Ibertsberger und Janker festgestellt haben und fand die beiden in der Kabine. Die Profis seien dann sofort zur Probe gegangen. In dem Zusammenhang wird der Einspruch, den Borussia Mönchengladbach gegen die Spielwertung (1:1) gestellt hat, an das neue Verfahren gegen Geigle und Hoffenheim geknüpft. Hoffenheim habe sich des „schweren Verstoßes“ gegen die Anti-Doping-Richtlinien des DFB schuldig gemacht, sagte Kontrollausschuss-Chef und DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

Bei einer Sitzung habe die Anti-Doping-Kommission Lücken festgestellt, die in Zukunft durch ein neutrales Kontrollsystem unter Mithilfe der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada geschlossen werden sollen. „Ich gebe zu, dass wir bisher dachten, ein Doping-Arzt und ein Assistent seien in der Lage, die Spieler vom Spielfeld bis zum Kontrollraum zu begleiten. Was aber in Gladbach ablief, war mehr eine Alibiveranstaltung“, sagte Koch. Er gehe von einer nachhaltigen pädagogischen Wirkung des Falls aus. Um Mängel künftig auszuschließen, beschloss die Kommission die Einführung eines sogenannten Chaperon-Systems. Dabei unterstützen neutrale Hilfspersonen die Kontrollärzte bei den Tests. Gleichzeitig wurde eine Sondersitzung mit den Managern und Dopingbeauftragten der Erst- und Zweitligaklubs sowie den DFB-Dopingkontrolleuren beschlossen.

„Der Fußball kann sich nicht von Manipulationen freisprechen. Wir wissen, wir sind keine heile Welt“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. „Wir sind fester Partner der Nada. Fest steht, Dopingvergehen werden wir nicht bagatellisieren.“ Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick hatte die ganze Branche ins Gerede gebracht, weil er in einem Fernsehinterview behauptet hatte, derartig lasche Kontrollen seien im Fußball üblich. Rangnick bekräftigte bei seiner Vernehmung durch den DFB, er wisse von zwei bis drei weiteren Fällen, sei aber nicht bereit, diese zu benennen.

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