Die Agenten grüßen schon : Der NHL droht die Saisonverschiebung

In der nordamerikanischen Profiliga NHL droht eine Verschiebung des Saisonstarts. Die Klubbesitzer konnten sich mit der Spielergewerkschaft bisher auf keinen neuen Tarifvertrag einigen. Profitieren könnten davon unter anderem die Eisbären Berlin.

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Rangeln um den Arbeitsplatz. NHL-Verteidiger Christian Ehrhoff (re.) will für seinen Heimatklub Krefeld spielen.
Rangeln um den Arbeitsplatz. NHL-Verteidiger Christian Ehrhoff (re.) will für seinen Heimatklub Krefeld spielen.Foto: AFP

Erik Cole kam, spielte und gewann mit den Eisbären gleich die erste Deutsche Meisterschaft. Es war in der Saison 2004/2005, als in der nordamerikanischen Profiliga NHL kein Puck gespielt wurde. Klubeigner und Spielergewerkschaft konnten sich nicht auf einen neuen Tarifvertrag einigen, die komplette Saison fiel aus und so drängten Profis auf den Markt, die unter normalen Umständen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) keinen Schläger angefasst hätten. Die Eisbären profitierten davon: Neben US-Angreifer Cole verstärkten noch Nationaltorwart Olaf Kölzig und der kanadische Verteidiger Nathan Dempsey während der Saison das Team, das mit den Profis aus Übersee schließlich den ersten nationalen Titel gewann.
Acht Jahre später haben die Eisbären sechs Meistertitel gewonnen – auf dem Weg zum siebten Titel können sie womöglich wieder auf Spieler hoffen, die im Normalfall zu teuer für sie wären: In der NHL wird eine Verschiebung des für den 11. Oktober vorgesehenen Saisonstarts oder eine Absage der Saison immer wahrscheinlicher. Zwei Tage vor Ende der Verhandlungsfrist konnten sich Klubbesitzer und Spielergewerkschaft auf keinen neuen Tarifvertrag einigen. Bislang hatten die Spieler 57 Prozent der Gesamteinnahmen erhalten. Diese Summe will die NHL senken. "Die Liga ist nicht willens, noch eine Saison unter dem Status quo zu spielen", sagte NHL-Commissioner Gary Bettman. In der Nacht zum Sonntag fällt nun eine Entscheidung. "Es sieht nicht gut aus", sagte Stürmerstar Sidney Crosby von den Pittsburgh Penguins.

Dass es für die Saison in der NHL nicht gut aussieht, haben sie in Berlin längst mitbekommen. Eisbären-Manager Peter John Lee sagt: "Die NHL-Spieler werden langsam nervös, die Agenten schicken schon Listen mit Spielernamen." Es gebe allerdings noch keine Verhandlungen. Das aber kann sich nach dem Wochenende schnell ändern. Die Eisbären wären sicher nicht abgeneigt, sich mit prominenten Spielern zu verstärken – was sie wohl auch müssen. Denn die meisten deutschen Profis aus der NHL werden wohl nicht nach Berlin wechseln. Marcel Goc, Jochen Hecht und Dennis Seidenberg würden nach Mannheim gehen. Christian Ehrhoff nach Krefeld, Marco Sturm wohl nach Ingolstadt. Und die ehemaligen Düsseldorfer Spieler Alexander Sulzer und Korbinian Holzer würden wohl wieder zur DEG gehen – wenn der klamme Klub das stemmen kann.

Eisbären-Manager Lee sagt: Primär gehe es seinem Klub darum, den eigenen Nachwuchs zu entwickeln. Aber um konkurrenzfähig zu bleiben, würden sie, wenn sich die Chance ergibt, NHL-Spieler verpflichten. Eisbären-Kapitän André Rankel hätte nichts gegen prominente Verstärkung. Er sagt: „Man muss nun aufpassen, dass man die Teamstruktur nicht zerstört. Aber für einen Spieler ist es toll, mit diesen Superstars zusammenzuspielen.“

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