Sport : Die alljährliche Lücke

Zur Deckung des Etats fehlen den SCC-Volleyballern 20 bis 30 Prozent

Karsten Doneck

Berlin - Wenn Kaweh Niroomand Ende April in seiner Wohngegend am Schlachtensee morgens zum Bäcker ging, um sich und seine Familie mit frischen Schrippen zu versorgen, bekam er dabei schon mal anerkennende Worte zu hören. „Manche Leute haben mir gesagt: ,Gut gemacht, Niroomand’“, erzählt er. Der SC Charlottenburg war da gerade Deutscher Volleyball-Meister geworden, erfreute sich dadurch in der Öffentlichkeit erhöhter Aufmerksamkeit. Doch diese Popularität zahlte sich nicht aus. Der Etat für die am Sonnabend beginnende Bundesliga-Saison 2004/05 ist noch nicht gedeckt. An den 620 000 Euro „fehlen noch 20 bis 30 Prozent“, wie Niroomand, der SCC-Manager, zugibt. Er ist deshalb aber nicht beunruhigt. „Das ist doch nicht anders als in den 20 Jahren vorher“, sagt er.

Schon in der Vergangenheit kalkulierte der SCC risikoreich, konnte seine Etatlöcher aber stets dadurch schließen, dass sportliche Erfolge im Saisonverlauf die Sponsoren derart erfreuten, dass sie Geld nachlegten. Das soll auch diesmal klappen. Zumal der Verein trotz finanzieller Engpässe sportlich wieder glänzen will: Die Mannschaft von Trainer Mirko Culic strebt in der Spielzeit 2004/05 ihren dritten Meistertitel in Folge an.

Dass dieses Vorhaben nicht leicht zu realisieren ist, liegt auch daran, dass der Dauerrivale VfB Friedrichshafen finanziell besser situiert ist. Der Etat des Klubs vom Bodensee liegt über einer Million Euro. Der VfB gönnte sich nach dem Scheitern im diesjährigen Play-off-Finale um die Meisterschaft gegen den SCC für die neue Saison gleich acht neue Spieler, der SCC nur einen. Wobei Niroomand den VfB-Trainer Stelian Moculescu, mit dem er verbal ohnehin im Dauerclinch liegt, indirekt sogar mitverantwortlich dafür macht, dass beim SCC das Geld nicht wie gewünscht fließt. Moculescu ist nicht nur Vereinstrainer in Friedrichshafen, sondern zugleich Bundestrainer. Und als Bundestrainer ist er unlängst mit der Nationalmannschaft an der Qualifikation zur Europameisterschaft gescheitert. Niroomands Logik: Eine erfolgreiche Nationalmannschaft würde Werbung betreiben für den Volleyballsport hier zu Lande insgesamt, dadurch wäre es für die Vereine leichter, Sponsoren zu finden. Und weil dieser Plan wegen des Scheiterns bei der EM-Qualifikation hinfällig ist, fühlt sich der SCC-Manager zu einer klaren Kampfansage an den Bundestrainer Moculescu ermutigt: „Ich verstehe nicht, warum dieser Mann nicht von sich aus zurücktritt.“ Diesen Gedanken hat Niroomand am Telefon mit Werner von Moltke, dem Präsidenten des Deutschen Volleyball-Verbandes, erörtert. Von Moltke, des Themas offenbar überdrüssig, winkte nur ab.

Dass der SCC erneut an der Champions League teilnimmt, wirkt auch noch kostentreibend. Der Europapokal ist seit jeher ein Zuschussgeschäft. 60 000 bis 80 000 Euro kostet den Verein das Vergnügen, sich mit Europas Besten zu messen. Und wenn man Pech hat, sogar noch mehr. Der europäische Verband hat den teilnehmenden Klubs einen Strafenkatalog zugeschickt, in dem bei kleinsten Organisationspannen kräftig zur Kasse gebeten wird. Vier Seiten umfasst das Werk. Günter Trotz hat die Papiere gründlich studiert. Der Geschäftsführer des SCC stellte danach erschrocken fest: „Bis zu 40 000 Euro reichen die Strafen.“

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