Sport : "Die alten Geschichten sind endgültig vorbei"

DIETMAR WENCK

BERLIN .Nichts ist von Dauer, schon gar nicht im Sport, auch nicht im Basketball.Man nehme das Beispiel der Duelle zwischen den Teams aus Leverkusen und Berlin.Seit jener verrückten Saison 1990/91, als die BG Charlottenburg drauf und dran war, den Favoriten Bayer vom Sockel zu stoßen und nur der Beinbruch des genialen Zoran Radovic verhinderte, daß die Sensation perfekt wurde, waren die Vergleiche zwischen beiden Rivalen über Jahre Klassiker, meistens spannend und voller Emotionen.Inzwischen sind sie fast zu Langweilern geworden.Die letzten acht Siege gingen an Berlin.Die "Riesen vom Rhein", von 1980 bis 1986 siebenmal in Folge Deutscher Meister, sind nur noch Bundesliga-Mittelmaß.Trainer Dirk Bauermann, den die Berliner Fans besonders unsympathisch fanden, hat den Verein via Sunair Ostende verlassen."Damit sind die alten Geschichten endgültig vorbei", glaubt Leverkusens Manager Otto Reintjes.Heute (20 Uhr, Schmeling-Halle), wünscht er sich, soll eine neue beginnen.

Zuerst wird die alte aufgewärmt.Einer von damals hat nämlich die Seiten gewechselt.Der US-Amerikaner Calvin Oldham war 1991 bei der BG Charlottenburg bester Werfer neben Radovic; nun ist er Bauermanns Nachfolger.Sein Weg führte ihn seinerzeit von Berlin in die amerikanische Profiliga CBA zu den Wichita Falls, beim SSV Ulm beendete er seine Karriere als Spieler, danach wurde er Trainer bei der BG Bayreuth.In Wichita hat Oldham mit einem jungen Mann zusammengespielt, der heißt Walter Bond, ist mittlerweile 29 Jahre alt und hat neuerdings die Lizenz, bei Bayer Leverkusen viele Punkte und das Spiel zu machen.

Am Rhein ist aussortiert worden, was für teures Geld eingekauft worden war, die Erwartungen jedoch nicht erfüllte.Alexander Kühl zum Beispiel, ein Riese von Gestalt (Künstlername: der "Hammer von Brammer"), aber als Center eher ein Hämmerchen.Oder die Amerikaner Dwayne Morton und Rashaan Smith.Für sie kam mit Bond und Lee Wilson jüngerer Ersatz.Auch vom einst hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchsspieler Denis Wucherer (zu Sony Mailand) hat sich Bayer getrennt.Man steht ein bißchen ratlos vor diesem neuen Team, das immerhin den Verein mit dem zweithöchsten Saisonetat der Liga (rund sechs Millionen DM) repräsentiert.Stärkster Deutscher im Aufgebot ist nun Gerrit Terdenge, 23jähriger Nationalspieler.Doch auf dem Nachwuchs-Markt ist Bayer wieder einmal leer ausgegangen.Waren es einst Drazan Tomic, Sebastian Machowski und Sven Schultze, die vom Wechsel an den Rhein nicht zu überzeugen gewesen waren, kam auch in diesem Jahr kein großes Talent hinzu.Kein Robert Maras, kein Patrick Femerling.Früher kriegte Bayer, wen es wollte.

Calvin Oldham, so scheint es, hat es nicht leicht.Aber er hatte es viel schwerer in Bayreuth.Die BG war chronisch klamm.In Leverkusen hat Basketball nicht nur Tradition, auch die Rahmenbedingungen sind erstklassig."Hier läuft alles sehr professionell ab", schwärmt Oldham, "und die jungen Spieler werden bei mir eine ganz große Rolle spielen.Gerrit und Jürgen Malbeck sowieso, aber auch von Matthias Weber und Goran Kovacev erwarte ich sehr viel." Natürlich, schließlich heißt das Konzept noch immer, eine junge Mannschaft aufzubauen, um irgendwann wieder den Anschluß in Europa zu finden."Das Konzept ist nicht gescheitert, es wurden nur ein paar Korrekturen angesetzt", beharrt Reintjes.Man wird sehen, heute in Berlin und dann im Korac-Cup.Bayer muß sich gegen Aveiro/Portugal für die Gruppenspiele qualifizieren.Zwei Gegner dort stehen schon fest: der FC Barcelona und Racing Paris.Nur zwei kommen weiter, eine echte Herausforderung für Oldham und Bayer Leverkusen.Der Weg zurück zu alter Stärke ist steinig.

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