Sport : Die alten Meister

Die Eisbären wollen das Schicksal ihres heutigen Gegners Krefeld nicht teilen

Claus Vetter

Berlin - Zwei Jahre ist es her, da gelang den Krefeld Pinguinen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eine Sensation. Mit einer eher durchschnittlich einzuschätzenden Mannschaft wurde der westdeutsche Traditionsklub Deutscher Meister. Die Euphorie am Niederrhein war groß. So groß, dass den Pinguinen eine neue Arena gebaut wurde, und sie von einer herrlichen Zukunft träumten. Da störte sich der Klub nicht daran, dass die Saison 2003/2004 mit einer Niederlagenserie begann. „Jetzt wollen wir erst einmal genießen, dass wir in dieser Saison als Meister antreten“, hatte der Generalbevollmächtigte Wilfrid Fabel unangenehme Fragen nach der sportlichen Misere gekontert.

Von der Meisterschaft im Jahre 2003 spricht heutzutage in Krefeld kaum noch einer. Seitdem haben die Pinguine zweimal die Play-offs verpasst, der Klub steckt finanziell in der Bredoullie. Von den seit dem Titelgewinn verpflichteten Spielern überzeugten wenige. „Die sportliche Leitung muss ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis schaffen“, hat Krefelds Geschäftsführer Wolfgang Schäfer nun gesagt. Von derartigen Problemen ist der momentane Meister der DEL, der EHC Eisbären Berlin, noch weit entfernt. Aber die Spielzeit nach dem Titelgewinn hat für den Titelträger aus Berlin unfreundlich begonnen. Als die Schlusssirene nach dem Auftaktspiel in der Arena Nürnberg erklang, sei er sich nicht sicher gewesen, ob alle seine Profis registriert hätten, dass die Saison begonnen hat, sagte Trainer Pierre Pagé. 2:4 hatten die Eisbären am Freitag verloren – nach einem frühen 0:3-Rückstand. „Manche Spieler bei uns haben so agiert, als könnten sie außerhalb des Regelwerks spielen“, sagt Pagé. „Drei Jahre haben wir gebraucht, um unsere Disziplin in den Griff zu bekommen und um so Meister zu werden. In Nürnberg hat jeder gemacht, was er wollte.“

Überraschend war, dass bei allen vier Gegentoren erfahrene Berliner Spieler auf dem Eis standen, sich also das Argument mit den vielen überfordeten jungen Eisbären-Akteuren nicht anbringen ließ. „Wir haben den ganzen Sommer hart mit unseren jungen Spielern trainiert, haben sie unter Druck gesetzt. Nun ist es an der Zeit, auch den Rest der Mannschaft unter Druck zu setzen“, sagt Pierre Pagé. Derrick Walser, Stefan Ustorf und Rob Leask hätten aus verschiedenen Gründen in der Vorbereitung zwei Wochen lang nicht trainieren können, das Resultat habe man beim Spiel in Nürnberg gesehen. Mancher habe sich als Mitläufer versteckt, findet der Trainer. „Wir brauchen mehr Piloten und Kopiloten und nicht nur Passagiere.“

Auch Manager Peter John Lee hat bereits nach einem Spiel festgestellt, „dass uns ein Junge fehlt, der alles im Griff hat und ein paar Tore schießt“. Allerdings habe die Mannschaft in Nürnberg den Start „verschlafen“. Danach sei das doch alles gar nicht so schlimm gewesen. „Außerdem ist es viel zu heiß in der Halle gewesen“, klagte Stürmer Florian Busch, „ich war schon nach zehn Minuten kaputt.“ Eine Katastrophe war das Resultat am ersten Spieltag auch nicht, in Nürnberg haben die Eisbären schließlich zuletzt selten brillant aufgespielt, und auch in der vergangenen Saison sind sie nicht gerade blendend gestartet, haben am zweiten Spieltag gleich 0:5 in Ingolstadt verloren. „Außerdem sind ja noch ein paar Spiele in der Hauptrunde Zeit“, sagt Manager Lee.

Der Trainer allerdings scheint sich schon vor einem Fehlstart zu fürchten. „Die Liga ist ausgeglichener als in der vorigen Saison“, sagt Pagé. Und dann ist der Gegner im ersten Heimspiel heute ausgerechnet Krefeld (18.30 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen). Die Pinguine haben am Freitag gegen die Kölner Haie unglücklich 2:3 verloren und stehen ebenso unter Druck wie die Berliner, bei denen vor dem ersten Bully im Sportforum der Gewinn der Meisterschaft noch einmal gewürdigt wird. Kotrainer Hartmut Nickel soll an einer Schnur ziehen, dann soll ein fast zehn Kilo schweres, unter der Hallendecke hängendes „Meisterbanner“ – so die offizielle Bezeichnung – enthüllt werden. Danach allerdings könnten die Eisbären langsam damit aufhören, ihren Titelgewinn aus dem April zu zelebrieren. Die Krefelder haben vor zwei Jahren vorgemacht, dass man eine Meisterschaft auch zu lange feiern kann.

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