Sport : Die Alten sind frischer

Viele WM-Teilnehmer waren müde und verletzt – erfahrene Profis wie Torsten Frings steckten das Turnier besser weg

Mathias Klappenbach

Berlin - Drei Tage lang dürfen die Profis des Hamburger SV noch durchatmen. Nach den Weihnachtsfeiertagen geht es sofort wieder los. Die kurze Winterpause ist beim HSV noch einmal verkürzt worden, die Krise bringt besondere Maßnahmen mit sich. Alle anderen Bundesligaklubs haben ihren Spielern eine gute Woche mehr freigegeben, sie beginnen in der ersten Woche des neuen Jahres mit der Vorbereitung auf die Rückrunde. Und hoffen darauf, am letzten Januarwochenende die Folgen der Weltmeisterschaft endlich hinter sich gelassen zu haben. Denn viele Spieler, die an der WM teilgenommen hatten, hatten in der Vorrunde lange mit ihrer Form zu kämpfen. Wenn sie nicht verletzt waren.

So haben die deutschen Nationalspieler Christoph Metzelder, Sebastian Kehl und Marcell Jansen wegen Verletzungen fast nicht bei ihren Vereinen gespielt, andere wie Per Mertesacker, Lukas Podolski und Tim Borowski fielen mehrere Wochen aus. Gerald Asamoah brach sich nach einem Foul Schien- und Wadenbein, David Odonkor musste später in der Vorrunde wegen eines Knorpelschadens am Knie operiert werden, Robert Huth erlitt zuletzt eine Stressfraktur im Fuß. Diese Liste ist ein Indiz, wenn auch kein Beweis dafür, dass die WM späte Opfer fordert. Schließlich war beim HSV in der Vorrunde die halbe Mannschaft verletzt, vom angeschlagen verpflichteten Kapitän der argentinischen WM-Mannschaft Juan Pablo Sorin bis zum jungen belgischen Abwehrchef Vincent Kompany, der bei der WM frei hatte. Interessanter ist es, sich die Leistungen der deutschen Nationalspieler anzusehen, da es einen deutlichen Unterschied bei den beiden Mannschaften festzustellen gibt, die die meisten Stammspieler stellen: Werder Bremen und Bayern München.

Neben ihrem Mannschaftskollegen Diego zählen die Bremer Torsten Frings und Miroslav Klose zu den überragenden Spielern der Bundesliga-Hinrunde. Hinzu kommt Mertesacker, der die ersten fünf Spieltage wegen einer Fersenoperation gefehlt hatte, dann aber ebenso stark spielte. „Wir haben dosiert und vor allem individualisiert mit den Spielern gearbeitet“, sagt Bremens Trainer Thomas Schaaf. Torsten Frings hat als einer von acht Feldspielern der Bundesliga keine einzige Minute verpasst und so gespielt, als hätte er sich in aller Ruhe akribisch auf die Saison vorbereiten können. Der Mittelfeldspieler ist 30 Jahre alt, mit seiner Erfahrung hat er – wie der stark spielende 33-jährige Bernd Schneider von Bayer Leverkusen – die Strapazen des Turniers im Sommer besser weggesteckt als viele jüngere Profis. „Es ist logisch, dass junge Spieler diese Belastungen physisch und psychisch nicht so gut wegstecken können“, sagt Jürgen Klopp, Trainer von Mainz 05 und WM-Analytiker. Es kommt offensichtlich eher darauf an, schon ein paar Turniere in den Knochen als einen weniger verbrauchten Körper zu haben.

Dass Jürgen Klopp recht hat, lässt sich beim FC Bayern beobachten. Die jungen WM-Helden Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski hatten während der Hinrunde einige Probleme. Beim 21 Jahre alten Podolski kam zum WM-Hype um ihn und der abschließenden Auszeichnung als bester Nachwuchsspieler des Turniers noch die psychische Herausforderung, sich als Neuzugang bei Bayern München beweisen zu müssen. Ganze zwei Mal stand Podolski in der Bundesliga-Startelf der Münchner, Trainer Felix Magath attestierte ihm große Müdigkeit. Podolski saß erst auf der Bank und verletzte sich dann im Training, gerade erst hat er wieder den Anschluss ans Team gefunden.

Neben Podolski sind auch Lahm und Schweinsteiger als feste Größen für das Bayern-Team der nächsten Jahre geplant. Lahm wurde im vergangenen Monat 23, Schweinsteiger nach der Weltmeisterschaft 22. So stark wie bei dem Turnier haben sie in der Hinrunde aber selten gespielt, obwohl beide in allen Bundesligaspielen auf dem Platz standen. Sie kämpften sich wie Frings oder Klose durch, allerdings mit weniger Erfolg.

Aber nicht nur jüngere Spieler hatten Probleme. Andere Münchner WM-Teilnehmer wie der Brasilianer Lucio oder Frankreichs Willy Sagnol enttäuschten. Bayern stellte die meisten WM-Teilnehmer aus der Bundesliga, für Felix Magath liegt es auch an der schwierigen Vorbereitung im Sommer, die er mit nur fünf Profis beginnen musste, dass „wir im letzten Jahr etliche Probleme hatten“.

Die Münchner haben drei Punkte Rückstand auf Bremen und Schalke, das durch die WM am wenigsten belastet war. Aber Werder steht vorne, obwohl selbst Miroslav Klose 1000 Minuten ohne eigenes Tor blieb und Tim Borowski sich immer noch aus seinem WM-Loch spielt. Die Müdigkeit, sei sie nun körperlich oder nach dem rauschhaften Turnier eher mental, ist sicher nur ein Teil der Erklärungen für die Leistungen der vergangenen Monate. Insgesamt scheint aber eher zu großen Leistungen fähig, wer sich bei der WM nicht so verausgabt hat oder dort nicht mit voller Kraft spielen konnte, weil er bereits erschöpft war. So überzeugen WM-Enttäuschungen wie Frank Lampard beim FC Chelsea oder Barcelonas Ronaldinho in Liga und Champions League. Ronaldinho spielt so, als hätte es die schlechte WM nie gegeben, er hat zwölf Tore in der Meisterschaft geschossen und zwei in der Champions League. Dabei war auch der Freistoß unter Bremens Mauer hindurch, der von diesem Fußball-Halbjahr im Gedächtnis bleiben wird.

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