Sport : „Die Ambitionen sind größer“

Nick Heidfeld ist die ersten Runden für BMW-Sauber gefahren und hofft, die Konkurrenz 2006 überraschen zu können – mit Siegen rechnet er erst 2008

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Herr Heidfeld, Sie sind jetzt drei Tage lang im Formel-1-Training den BMW-Sauber gefahren – wie ist der erste Eindruck?

Sehr positiv. Sicher wäre es mir lieber gewesen, wenn ich auch an den beiden ersten Tagen noch mehr zum Fahren gekommen wäre. Aber dass wir da ab und zu ein paar kleinere technische Probleme hatten, das ist bei einem neuen Auto ja normal. Mit dem dritten Tag war ich dann sehr zufrieden, die Balance des Autos war gut, auch die Zeiten haben gestimmt. Das ist viel versprechend.

Wie war das Gefühl, zu BMW-Sauber, in Ihr neues, altes Team, zu kommen?

Es fühlt sich wirklich so an, als ob ich nach Hause zurückkäme. Als ich kürzlich im Werk war, um einen Sitz anfertigen zu lassen, da war mir alles wohl bekannt. Es war fast ein bisschen eigenartig, überhaupt nicht das Gefühl zu haben, über zwei Jahre weg gewesen zu sein. Ich bin drei Jahre für dieses Team gefahren, ich kenne noch die meisten Leute, ich weiß, was wo zu finden ist, ich merke bisher keinen allzu großen Unterschied.

Wirklich nicht?

Sicherlich, die zukünftigen Ziele sind wesentlich höher gesteckt. Vergangene Woche war ich mal im Windkanal, und da spürt man schon, dass die Ambitionen viel größer sind. Die Leute wissen jetzt, dass sie endlich die Ressourcen haben, all das zu tun, was sie möchten. Jetzt wollen sie wirklich die Besten sein. Als ich zum ersten Mal bei Sauber war, wollte man einfach nur gut sein. Man war realistisch genug, um zu sehen, dass das Budget nicht mehr ermöglichte. Aber jetzt wollen sie die Besten sein.

Wie weit merkt man schon etwas von der Erweiterung des Teams?

Wie gesagt, die größeren Ressourcen, die höheren Ambitionen, das merkt man schon. Was die personellen Erweiterungen angeht, das läuft natürlich langsamer ab. Bis jetzt sind noch nicht so viele neue Leute da. Ich habe darüber auch mit dem Team gesprochen, einfach, um informiert zu sein. So etwas dauert seine Zeit, besonders im Aerodynamik-Bereich. Man muss die richtigen Leute suchen, Gespräche führen, sie müssen ihre Entscheidung treffen, dann haben sie vielleicht eine Sperrfrist, können nicht gleich wechseln … Nach dem, was ich höre, kommen täglich neue Leute – aber es ist natürlich nicht so, dass da auf einmal Hunderte sind. Das Ziel ist es, dass der Windkanal Ende 2006 mit Hilfe von mehr qualifizierten Ingenieuren hundertprozentig genutzt werden kann. Ich hoffe, dass wir das erreichen können.

Wie sieht Ihre Zielsetzung für 2006 aus?

Es klingt vielleicht erst einmal nach einem ziemlich niedrigen Ziel – aber ich hoffe, dass wir unter die Top Sechs in der Teamwertung kommen. Dieses Jahr waren wir Achte. Es wird einfach Zeit brauchen. Für mich ist nicht primär, nächstes Jahr erfolgreich zu sein, sondern, wo wir in drei Jahren sind, dass wir 2008 Rennen gewinnen können. Ich weiß nicht genau, wie man das bei BMW sieht. Das Wichtigste ist, dass wir konstant Fortschritte erzielen. Natürlich hoffe ich, dass wir nächstes Jahr eine gute Saison haben und alle überraschen können. Aber es wäre unrealistisch zu glauben, dass man einfach ein Team kaufen und dann auf Anhieb gewinnen kann.

Wie wichtig ist es, vor Williams zu sein – dem früheren BMW-Partner und auch Ihrem letztjährigen Team?

Nicht wirklich wichtig. Natürlich werde ich die ein bisschen genauer beobachten, das ist normal. Von außen wird da sicher sehr genau drauf geschaut, aber für mich sind sie kein anderer Gegner als alle anderen.

Wann ist das neue Auto fertig – im Moment fahren Sie ja noch ein Übergangsmodell?

Am 16. oder 17. Januar – da ist in Valencia die Präsentation. Aber ich gehe davon aus, dass es dann während des Jahres noch einmal ein neues Auto geben wird, zumindest, was die Aerodynamik angeht.

Wird 2006 für alle durch einige Regeländerungen zum kompletten Neubeginn?

Das glaube ich nicht so absolut. Durch die neuen Motoren werden die Unterschiede größer sein als zuletzt, sowohl bei der Leistung als auch bei der Zuverlässigkeit. Aber McLaren und Renault werden sicher wieder ein aerodynamisch und mechanisch sehr gutes Auto haben und auch nächstes Jahr wieder sehr schnell sein.

Wie war es eigentlich, nach Ihrer langen Verletzungspause nach dem Fahrrad-Unfall im September jetzt wieder zurückzukommen?

Es war sehr schön. Ich konnte lange Zeit nicht fahren. Jetzt bin ich froh, dass ich wieder fit bin, ich hatte überhaupt keine Probleme. Das ist für mich sehr wichtig.

Was haben Sie in der langen Zeit gemacht?

Ich habe zum Beispiel über Wochen mit einer Physiotherapeutin gearbeitet, die zwei Wochen lang jeden Tag meine Schulter bewegt hat, danach noch ab und zu. Alleine ging das nicht, das war zu schmerzhaft. Aber das war wichtig, denn wenn man die Gelenkkapsel nur für ein paar Tage nicht richtig benutzt, dann fängt sie an zu schrumpfen und man bekommt noch mehr Probleme. Dann habe ich langsam mit dem Training wieder angefangen. Außerdem war ich natürlich viel mit meiner Familie, mit meiner kleinen Tochter zusammen.

Das Gespräch führte Karin Sturm

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