Sport : Die andere Tour

Frank Bachner

ist dem verhafteten Radprofi Dario Frigo dankbar Wirklich packend sind sie, diese Bilder: Armstrongs Antritt beim Schlussanstieg nach Courchevel, Ullrichs schmerzverzerrtes Gesicht, Winokurows Ritt über den Col du Galibier. Die Tour der Leiden, sie wird im Fernsehen glänzend aufbereitet für die staunenden Fans. Fehlte bislang nur die obligatorische Doping-Meldung. Diesen Mangel hat gestern der italienische Profi Dario Frigo vom Team Fassa Bortolo beendet. Er kam in Haft, weil seine Frau Dopingmittel durch die Gegend fuhr. Eng betrachtet ist das ein Skandal. Strategisch gesehen muss man Frigo samt Gattin danken: Sie machen deutlich, dass der Radsport nicht dopingfrei ist.

Die jüngsten Dopingfälle Hondo und Rumsas blieben nur flüchtig haften, öffentlich sind sie fast vergessen. Wer aber glaubt, im Radsport werde nicht gedopt, der glaubt vielleicht an das Gute im Sport – aber er hat eine beschränkte Sicht. Hein Verbruggen, langjähriger Präsident des Weltradsport-Verbands, hat sich längst mit konsequentem Zynismus auf die Lage eingestellt. Wenn die Zuschauer bei der Tour de France einen Schnitt von 42 Kilometern pro Stunde bejubeln wollten, gehe das halt nur mit Doping, hat er im Plausch erklärt. Es störte ihn nicht weiter, dass sein Gesprächspartner Jacques Rogge war – der IOC-Präsident.

So gesehen, kommt Michael van Staden bei der Tour de France einmal groß raus. Der Südafrikaner wurde gerade als Dopingsünder entlarvt und sechs Monate gesperrt. Macht ja nichts, van Staden hat Zeit. Er ist erst 16.

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