Sport : Die anderen fahren weiter

Die Karriere von Jan Ullrich könnte nach der Kündigung durch T-Mobile schnell zu Ende gehen, dem Profi drohen zwei Jahre Sperre

Sebastian Moll

Montceau-les-Mines - Wenn man der Verteidigungsstrategie von Jan Ullrichs Rechtsanwälten folgt, kann es der gefallene Star gar nicht erwarten, wieder aufs Rad zu steigen und Rennen zu bestreiten. Man werde die Kündigung des Fahrervertrages – der im Übrigen nur noch bis zum Jahresende läuft – anfechten, für den Rausschmiss gebe es keine Grundlage, ließ Ullrich-Manager Wolfgang Strohband verbreiten.

Natürlich glaubt niemand wirklich daran, dass der 32 Jahre alte Ullrich so bald wieder aufs Rad steigt. Die empörte Reaktion aus dem Ullrich-Lager hat wohl vor allem finanzielle Hintergründe. Es geht um Gehaltszahlungen von mehreren hunderttausend Euro monatlich bis zum Jahresende sowie um einen Anschlussvertrag über mehrere Jahre als Repräsentant der Bonner Kommunikationsfirma, der Ullrich vor zwei Jahren mündlich zugesichert wurde. Selbst Strohband gab gegenüber dem Tagesspiegel zu, dass Ullrich über die Frage, ob er wieder Rennen fahren wolle, erst entscheiden werde, wenn „das alles vorbei ist“.

Das kann lange dauern. T-Mobile-Sprecher Christian Frommert sieht jedenfalls einen langen Rechtsstreit zwischen Ullrich und T-Mobile voraus. Die ersten Scharmützel deuten schon daraufhin, wie zäh diese Auseinandersetzung wohl wird. So beschwerte sich Strohband über den Kündigungstermin. Aus seiner Sicht wäre bis zum Ablauf der vorläufigen Suspendierung noch bis kommende Woche Zeit gewesen. T-Mobile hingegen sah sich wegen des Endes der rechtlich festgelegten Dauer einer Suspendierung unter Handlungsdruck.

Aber Ullrich muss ja nicht nur gegen T-Mobile um sein Recht aufs Radeln streiten, er muss auch vor den sportrechtlichen Instanzen gegen eine mögliche Sperre angehen. Sollte sich der Verdacht auf Blutdoping erhärten, würde der für ihn zuständige Schweizer Verband Swiss Olympic Ullrich für zwei Jahre aus dem Verkehr ziehen. Eine weitere zweijährige Sperre für die „Pro Tour“, die Toprennserie des Sports, würde automatisch folgen. Swiss Olympic hat in der Sache Ullrich ein hartes Durchgreifen angekündigt; der Präsident des Weltradsportverbandes UCI, der Ire Pat Quaid, rechnet „angesichts der klaren Faktenlage“ ebenfalls mit einer Zweijahressperre.

Bis das Urteil ergangen ist, könnte Ullrich theoretisch Rennen fahren. Praktisch wird jedoch auch das schwer werden. Am Freitagabend setzten sich am Rande der Tour de France die Sportdirektoren der 21 Teams zusammen und bekannten sich noch einmal zum von ihnen vor eineinhalb Jahren unterzeichneten Ethikcode. Darin ist festgelegt, dass Fahrer, gegen die ermittelt wird, keine Verträge bekommen und an keinen Pro-Tour-Rennen teilnehmen dürfen. „Wir wollten uns darüber einig sein, dass der Code nicht nur für die Tour de France gilt“, sagte der Vorsitzende der Profiteam-Vereinigung AIGCP, der Belgier Patrick Lefevere. Die Ächtung der neun in die spanische Affäre verwickelten Fahrer vom Tourstart bleibt somit für die gesamte Rennsaison bestehen.

Kurzfristig wird es also schwer werden für Jan Ullrich, Radrennen zu fahren. Wenn ihn das Rennfieber gar nicht loslässt, bleibt ihm bestenfalls die Möglichkeit, wie sein überführter Kollege Danilo Hondo mit einer zweitklassigen Mannschaft durchs Land zu tingeln. Langfristig ist das freilich eine andere Sache.

Sollte Ullrich gesperrt werden, muss er vier Jahre pausieren. Dann wäre seine Karriere sicher zu Ende. Sollte den Verbänden die Handhabe fehlen – und das ist in Ermangelung einer positiven Probe durchaus möglich – könnte es nach Einstellung des Verfahrens ein Comeback geben, vielleicht schon im kommenden Jahr. Über die Frage, ob Ullrich das auch will, gehen die Meinungen allerdings auseinander. Sein alter Weggefährte Udo Bölts etwa ist sich sicher, dass „Jan nicht so abtreten will“. Rolf Aldag hingegen, ebenfalls langjähriger Mannschaftskamerad, glaubt, dass Ullrich nur noch „bei sich im Wald Mountainbike fährt, um die Figur zu halten“. Und Jens Heppner hatte schon am Tourbeginn deutlich gesagt: „Jan wollte ohnehin nach der Tour aufhören, jetzt hört er halt drei Wochen früher auf.“

Gary van Herwen, Manager des Pro-Tour-Teams Milram, hält auf die Frage, ob er glaubt, dass Ullrich je wieder fährt, den feuchten Finger in die Luft. Doch der Wind gibt auch im keine Antwort.

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