Sport : Die Angriffslustigen

In 18 Tagen durch die Liga (15) – wie die Bundesliga-Klubs aufgestellt sind. Heute: Hamburger SV

Karsten Doneck

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 1. August. Bis zum Start beantworten wir die wichtigsten Fragen zu den 18 Vereinen.

Wer hat das Sagen? Als „Die Welt“ im Februar mal bei Bernd Hoffmann anfragte, wie es um einen Wechsel von Stefan Effenberg zum HSV stehe, antwortete der Vorstandschef: „Für die sportliche Planung ist bei uns der Sportdirektor in Abstimmung mit dem Cheftrainer verantwortlich.“ Die Kompetenzfrage ist damit geklärt: Jeder hat das Sagen, allerdings nur in seinem Bereich. In Konfliktsituationen behält sich Hoffmann vor, das letzte Wort zu haben. Das klappt bisher. Noch vor einem Jahr war das ganz anders: Unter Werner Hackmann als Verantwortlichem blühte die Streitkultur. Mitunter kamen da bei einer internen Gesprächsrunde unter Dreien vier kontroverse Meinungen heraus, die Diskussion wurde danach öffentlich weitergeführt.

Was ist das Besondere? Seit der Gründung der Bundesliga 40 Jahre lang ununterbrochen erstklassig zu sein, das schaffte kein anderer deutscher Klub. Solche Tradition verschafft dem HSV aber keinen Respekt in der Fremde: Von den 17 Auswärtsspielen der vorigen Saison gewann die Mannschaft nur zwei. Im Kontrast dazu stand allerdings die Heimstärke: In der AOL-Arena gab es nur eine Niederlage – gegen die Bayern.

Was hat sich verbessert? Das Klima insgesamt. Der HSV ist nicht mehr so abgehoben-arrogant, man gibt sich volksnäher. Was nicht nur daran liegt, dass Bernd Hoffmann bevorzugt mit der S-Bahn in die AOL-Arena fährt. Und auf dem Spielfeld: Rodolfo Cardoso, der nach seiner Genesung hauptverantwortlich am sportlichen Aufschwung des HSV beteiligt ist, trägt nach der Verpflichtung von Stefan Beinlich nicht mehr allein die Verantwortung bei der Regieführung.

Wie sicher ist der Trainer? Ganz sicher, gerade erst hat Kurt Jara seinen 2004 auslaufenden Vertrag vorzeitig um ein Jahr verlängert. Aber der Österreicher weiß, dass sich der Wind im Fußballgeschäft schnell dreht. „Alles hängt vom Erfolg ab. Viel Zeit kriegst du in der Bundesliga nicht“, sagt der Trainer.

Wie passen die Neuen? Beinlich harmoniert in der Vorbereitung überraschend gut mit Cardoso. Die beiden haben längst alle Zweifel zerstreut, dass zwei so ähnliche Spielertypen nicht gemeinsam in eine Elf passen. Bastian Reinhardt wird es schwer haben, sich in der Abwehr gegen Ujfalusi oder Fukal zu behaupten, Talente wie Björn Schlicke (22 Jahre) und Alexander Meier (20) sollen von Kurt Jara behutsam aufgebaut werden.

Wie wird gespielt? Kurt Jara pflegt die Offensive. Von den drei Stürmern Mahdavikia, Romeo und Barbarez kann er schlecht einen auf die Bank setzen. Dahinter treibt Cardoso an. Und damit sich Torwart Pieckenhagen bei so viel Offensive nicht allzu einsam vorkommt, sichern Maltritz und Beinlich nach hinten. Die Viererabwehrkette mit Hoogma als Chef, der definitiv seine letzte Saison beim HSV bestreitet, steht.

Wer sind die Stars? Je nach Geschmack. Cardoso ist der Mann für die Fußball-Feingeistigen auf der Tribüne, Hollerbach der Typ für die Liebhaber des Brachialfußballs. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben liegen auch der kleine Perser Mahdavikia sowie Ujfalusi.

Was gibt das Stadion her? Es geht in Hamburg das Gerücht um, dass manch einer, der in die AOL-Arena geht, gar nicht den HSV sehen will, sondern nur einmal live die einmalige Atmosphäre in diesem modernen Stadion erleben möchte – und danach immer wiederkommt. Vielleicht auch deshalb sind die zur Verfügung stehenden 55 000 Plätze inzwischen zu wenig.

Wie sind die Fans? Sehr treu. 45 600 Zuschauer kamen in der Vorsaison im Schnitt zu den Heimspielen, mehr als je zuvor. Und auf der Nordtribüne herrscht immer noch eine Stimmung, die Gänsehaut verursacht – auch beim Gegner.

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