Sport : Die Angst der Sieger

Schafft es Hertha endlich, drei Mal in Folge zu gewinnen?

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Berlin. Dieter Hoeneß gab gleich mal das Motto der Woche bekannt. „Wir sollten nicht dauernd über Psychologie sprechen, sondern uns auf unsere Stärken besinnen“, sagte der Manager von Hertha BSC am Montag – nur wenige Stunden nach dem 3:0Sieg in Nürnberg. Denn dieses Mal soll alles anders, alles besser werden. Hertha will am Sonntag gegen Cottbus endlich ein drittes Spiel in Folge gewinnen. Das ist dem Verein in dieser Saison noch nicht gelungen.

So war es das erste Mal im vorigen September, als Hertha nach Siegen über Bielefeld und Hamburg gegen 1860 München verlor. Im Oktober brachte Hertha nach Erfolgen über Nürnberg und Cottbus nur ein 1:1 gegen Leverkusen zu Stande. Wieder folgten zwei Siege (Rostock und Hannover) am Stück – und wieder ging das nächste Spiel verloren (Bremen). Schließlich sollte vor drei Wochen ein 0:0 gegen Bielefeld (nach Siegen über Schalke und Gladbach) schon zum vierten Mal in der laufenden Spielzeit die Hoffnung vom Start einer kleinen Siegesserie platzen lassen.

Nach dem 6:0 über 1860 München vor einer Woche und dem 3:0 am zurückliegenden Sonntag in Nürnberg soll es kommenden Sonntag klappen. Ein Sieg gegen den Tabellenletzten liegt im Bereich des Machbaren. Allerdings halten sich die Verantwortlichen bei Hertha zurück. Trainer Huub Stevens übte nach dem Sieg von Nürnberg deutliche Kritik. Hoeneß dazu: „Mir ist es doch viel lieber, wenn ein Trainer den Ball am Boden hält, als dass er auf Euphorie macht.“

Ähnlich sieht es der Berufspsychologe Gerd Driehorst. „Serien sind schön, wenn sie stattfinden. Aber man kann sie nicht herbeibeten.“ Herthas Mentaltrainer hält das Gerede von einer Siegesserie sogar für übertrieben und findet einen Vergleich mit der Börse. „Da wird hochgerechnet, wie, wann und wo Gewinne eingefahren werden. Aber die Börse hat nun mal kein Gedächtnis. Die Bundesliga hat auch keins“, sagt Driehorst. „Wenn der Verein nach 34 Spieltagen sein Ziel, also einen internationalen Startplatz, erreicht hat, interessiert sich niemand mehr für irgendwelche Serien.“

Wichtiger sei es vielmehr, die positive Stimmung, die sich nach Siegen einstellt, ungebremst aufrechtzuerhalten und sie, wennmöglich, in Energie und Konzentration umzuwandeln. Bloß keinen Druck aufbauen. „Die Presse und die Fans machen doch genug Druck, da müssen wir uns nicht noch selbst unter Druck setzen. Vor dem Spiel gegen Bielefeld haben wir uns zu sehr unter Druck gesetzt und sind dann prompt gescheitert“, sagt Torwart Gabor Kiraly. Und Rob Maas ergänzt: „Dass der Trainer in Nürnberg schon in der Halbzeitpause Fehler ansprach, ist doch in Ordnung. Da wissen einige gleich, dass sie den Kopf nicht in den Wolken haben dürfen.“ Bis Sonntag bleibt genügend Zeit, die Blockade aus den Köpfen und Beinen zu trainieren. -cc-/miro

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