Sport : Die Angst der Stürmer vor Arne Friedrich

Michael Rosentritt

Berlin - Die Welt hat also wieder Angst vor Deutschland. Sagt jedenfalls Oliver Bierhoff. Der Manager der deutschen Nationalmannschaft mag da aus ganz persönlicher Erfahrung sprechen. Er war ja mittendrin, als es auf dem Rasen nach dem Sieg über Argentinien noch einmal handgreiflich wurde. Es gibt viele Bilder von den Tumulten auf dem Spielfeld des Olympiastadions, beispielsweise davon, wie Bierhoff von argentinischen Spielern derart kräftig am Kinn gepackt und gerüttelt wurde, dass seine Frisur durcheinander geriet. Aber wo sind die Bilder von Arne Friedrich? Hätte man von Herthas Kapitän und Berlins einzigem Nationalspieler nicht erwarten können, dass er sein Wohnzimmer verteidigt?

„Wir haben bis jetzt eine sehr faire WM erlebt, das passte nicht ins Bild“, sagte Friedrich. Er war vor allem froh, dass er mit einer starken Leistung endlich ins Turnier gefunden hat. Die riskanten Manöver überließ er diesmal anderen.

Als es für Arne Friedrich nicht so gut lief bei dieser WM, redete er übers Kochen. „Ich kann nicht kochen“, sagte er, und es hörte sich ein bisschen so an wie: Kochen kann ich auch nicht. In den ersten drei Gruppenspielen der Deutschen war er abgefallen im Vergleich zu den Leistungen seiner Mitspieler. Die Zeitungen waren voll der Kritik und der Häme. „Ich bin zum ersten Mal in der Situation, so hart kritisiert zu werden. Ich kann mir wirklich Schöneres vorstellen als die momentane Situation“, sagte Friedrich vor einer Woche. Fortan redete der Rechtsverteidiger Friedrich übers Kochen, schließlich hatte er gemeinsam mit dem Fernsehkoch Ralf Zacherl ein Kochbuch zur WM herausgegeben. Als er dann aber sagte, dass er nicht kochen könne, sprach niemand mehr darüber. Die Presse widmete sich dem rumpeligen Spiel, das der 27-Jährige ablieferte. Insbesondere mit dem Flanken hatte er so seine Probleme. Gegen Polen waren drei seiner drei Flankenversuche hinter dem Tor gelandet. „Das war eine sehr nette Frage – vielen Dank“, antwortete er vor wenigen Tagen auf die Frage, was er mache, um seine Flanken mit rechts zu verbessern.

Jürgen Klinsmann wäre nicht Jürgen Klinsmann gewesen, hätte er nicht alle WM-Tage lang gerade das schwächste Glied seiner Kette geschützt. Er, der Bundestrainer, hatte in „keinster Weise“ Probleme mit dem Fußball von Friedrich. „Wir wollen aus Arne keinen Rechtsaußen machen“, blaffte Klinsmann in die Journalistenrunde. „Arne ist Rechtsverteidiger, und das bleibt er auch. Wir vertrauen ihm da total.“

Gegen Argentinien hat Arne Friedrich begonnen, dieses Vertrauen zurückzuzahlen. „Ich bin froh, dass die Mannschaft und die Trainer immer zu mir gestanden haben. Ich selbst habe mich stetig gesteigert“, sagte Friedrich, der den argentinischen Wunderstürmer Tevez praktisch aus dem Spiel nahm. Arne Friedrich hat es gebraucht, dieses Spiel gegen Argentinien. Und es zeigte auch, warum Klinsmann einen wie Friedrich braucht.

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