Sport : Die Angst fährt mit

Berlins bester Traber Michael Hönemann hat eine einfache Motivation: die Furcht vor Niederlagen

Heiko Lingk

Berlin - Für den Erfolg motiviert sich jeder Sportler auf seine ganz persönliche Art. Das ist bei den Trabrennfahrern, deren Gewinnbilanzen immer einmal im Jahr am 31. Dezember abgerechnet werden, nicht anders. Heinz Wewering (54) aus Castrop-Rauxel etwa, der das Geschehen auf den bundesdeutschen Sandpisten seit 27 Jahren unangefochten und hochüberlegen beherrscht. Als Symbol trägt er dafür bei seinen Rennen einen goldfarbenen Sturzhelm.

Wewering entwickelt seine Motivation aus dem puren Glücksgefühl. „Ich freue mich bei jeder Siegerehrung riesig“, sagt der erfolgreichste Sulkyprofi der Welt, der in seiner Karriere bisher exakt 15 517-mal als Erster über die Ziellinie fuhr. „Ganz egal, ob es nur ein kleines Alltagsrennen ist oder das Derby. Denn Siege machen mich einfach total süchtig.“

Bei dem Mariendorfer Trainer Michael Hönemann stellt sich die Ausgangslage genau anders herum dar. Natürlich hat auch der 45-Jährige nichts gegen das Triumphgefühl einzuwenden, das ein Fahrer im Sulky empfindet, wenn in seinem Blickwinkel nur noch der Zielpfosten liegt und sich sämtliche Gegner abgeschlagen hinter ihm befinden. Doch das ist nicht der Hauptgrund, warum Hönemann gerne gewinnt. Ihn beherrscht im Gegenteil die pure Angst vor dem Verlieren. „Das habe ich noch nie gekonnt, schon als Kind nicht“, sagt der Pferdeprofi. „Wenn ich verliere, dann werde ich richtig ungenießbar und bin für mein Stallteam unerträglich.“ Um nicht in diese schlimme Situation zu geraten, fährt Hönemann immer dann am besten, wenn er richtig unter Druck steht: „Am stärksten bin ich ganz einfach mit dem Rücken zur Wand.“

Beispielsweise im Kampf um die Berliner Meisterschaft. In der Saison 2003 hatte ihm sein Dauerkonkurrent Manfred Zwiener den Berliner Titel des erfolgreichsten Trabrennfahrers abgejagt. Hönemann hatte daraus seine Schlüsse gezogen und für 2004 seinem Dauerrivalen den ganz großen Kampf angesagt. Dieser Fight verlief schließlich auch erfolgreich. 2004 beherrschte Hönemann wieder souverän das Geschehen. Da Manfred Zwiener ab dem Spätsommer hauptsächlich auf den österreichischen Rennpisten in Wien und Ebreichsdorf an den Start ging, aber offiziell in der Berliner Statistik geführt wurde, fand der Kampf um die Meisterschaft in zwei Ländern statt. Doch ein echtes Fernduell war es nicht. Denn an seinen privaten Freund und sportlichen Gegner kam Zwiener nie entscheidend heran. Insgesamt vierzig Siege mehr als Zwiener konnte Hönemann feiern. 139 zu 99 Treffer lautet der Endstand der Saison 2004 zu seinen Gunsten.

Damit gewann der gebürtige Lichtenrader bereits sein zehntes Championat in der Hauptstadt. 1993 war seine persönliche Ära eingeleitet worden, als er die inzwischen verstorbene Traberlegende Gottlieb Jauß an der Spitze abgelöst hatte. Insgesamt ging Hönemann bisher exakt 14 500-mal in einem Sulkyrennen an den Start, gewann davon 3844 Prüfungen und war weitere 5922-mal platziert. Die von ihm trainierten Pferde verdienten so 7,1 Millionen Euro an Preisgeld. Dabei hatte Hönemann den Trabrennsport für sich erst relativ spät entdeckt, sonst wäre diese Bilanz noch beeindruckender. „Erst als ich das erste Mal eine Trabrennbahn sah, wusste ich: Hier gehöre ich hin“, sagt er im Rückblick.

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