Sport : Die Angst vor dem Kollaps

Gebannt blicken die Verantwortlichen des Profifußballs auf die finanziellen Schwierigkeiten der Münchner Kirch-Gruppe, den juristischen Streit mit dem Springer-Verlag und auf die Entwicklung des Pay-TV-Senders Premiere World. Bricht das Imperium des Leo Kirch zusammen, droht auch dem deutschen Fußball ein Desaster. Grund für die Unruhe ist die Abhängigkeit von Kirchs TV-Milliarden, ohne die der Profifußball kollabieren würde. "Das Fernsehgeld ist die wichtigste Einnahmequelle", sagt Michael Pfad, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Insgesamt 1,53 Milliarden Euro (rund 3 Milliarden Mark), so ist es in einem Vierjahresvertrag vereinbart, soll der finanziell angeschlagene Kirch bis 2004 ausschütten.

"Die Entwicklung ist natürlich überhaupt nicht erfreulich", sagt Dortmunds Manager Michael Meier. Und sein Wolfsburger Kollege Peter Pander: "Wenn Kirch ähnlich wie der Schneider-Baukonzern zusammenbricht, was machen wir dann? Wie stecken wir das weg?" Und als Antwort fügt er an: "Bayern kann das vielleicht aushalten, die meisten anderen nicht." Uli Hoeneß und Rudi Assauer haben im Tagesspiegel-Interview vorsorglich schon einmal eine Erhöhung der Rundfunkgebühren gefordert.

Derzeit erhält jeder Erstligist eine Garantiesumme von mehr als acht Millionen Euro, dazu kommt ein erfolgsabhängiger Zuschlag. Für viele Klubs wie etwa Nürnberg, Cottbus oder Wolfsburg macht das TV-Geld ein Drittel des Etats oder sogar mehr aus. In der 2. Liga ist die Situation noch brenzliger. Dort sichert das Fernsehgeld bei einigen Vereinen mehr als die Hälfte des Budgets.

Selbst Kirchs Geschäftspartner wie Rupert Murdoch halten eine Insolvenz nicht mehr für ausgeschlossen, wie der "Spiegel" berichtet. Denn die Lage wirkt bedrohlich: Laut "Süddeutscher Zeitung" drücken Kirch Schulden von mehr als fünf Milliarden Euro, die Kreditlinien scheinen bis zum Anschlag ausgereizt, Gläubiger und Partner werden unruhig.

Aktuell verschärft hat sich die Situation in den vergangenen Tagen durch die Konfrontation zwischen Springer und Kirch. Der Verlag will eine mit der Kirch-Gruppe vereinbarte Verkaufsoption ausüben und verlangt für ein 11,5-Prozent-Paket am Fernsehkonzern ProSiebenSAT 1 rund 770 Millionen Euro von der Kirch-Gruppe. Kirch erklärte die Option hingegen für juristisch unwirksam und kündigte rechtliche Schritte an.

"Der weiß schon, warum er klagt", sagt Dortmunds Manager Meier dazu. Für ihn ist es ein Spiel auf Zeit, das Kirch betreibt. Meier hofft auf Kirchs "großen Ressourcen wie etwa die Rechte für die beiden nächsten Weltmeisterschaften". Aus dem Verkauf der WM-Rechte 2002 und 2006, die Kirch nach dem Konkurs der Schweizer Agentur ISL/ISMM weltweit besitzt, kann das Münchner Unternehmen einen Millionengewinn erwirtschaften.

Den Gau wollen sich die Verantwortlichen lieber nicht vorstellen. "Es ist selbstverständlich, dass wir uns für die finanzielle Situation unserer Partner interessieren, aber wir können natürlich nicht in die Glaskugel schauen", sagt DFL-Geschäftsführer Pfad.

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